Die Ssterreichischu#narische Menarchie. (August 22.—30.) 167
leit hat den Beweis geliefert, daß es ihm bei all seiner hohen Begabung
und bei all seinem Wohlwollen an einem gebricht: an dem Führertalent,
dessen der Mann, der unter den gegenwärtigen Verhältnissen das Parlament
Ungarns leiten will, in doppeltem Maße bedarf.
Zu seinem Nachfolger wird Dr. Alexander Wekerle (geb. 1844, be-
reits dreimal Ministerpräsident) ernannt. Die ung. Blätter begrüßen seine
Ernennung sehr sympathisch. Sie zollen seinen wirtschaftlichen und finan-
ziellen Erfahrungen größte Anerkennung und geben der Hoffnung Ausdruck,
daß es ihm gelingen wird, die schwierige parlamentarische Lage zu meistern.
Sämtliche Minister erklären sich bereit, im Amte zu bleiben, nachdem
Kaiser Karl in einem Kronrat die Versicherung gegeben hat, daß die poli-
tischen Grundlinien, die Graf E. verfolgt habe, auch für die neue Regie-
rung richtunggebend sein werden. Am 23. erfolgt die Wiederernennung der
bisherigen Minister. Außerdem wird der Präsident des Landesernährungs-
amts Graf IJ. Hadik zum (vierten) Minister ohne Portefeuille ernannt.
22. Aug. (Cisleithanien.) Staatsrechnungsabschluß des Ver-
waltungsjahres 1916/17.
Laut einer Verordnung des Gesamtministeriums betrugen die ordent-
lichen Staatsausgaben f. d. Verwaltungsjahr 1916/17 6222383 519,
die außerordentlichen 1009 434 187 Kr., die ordentlichen Staatseinnahmen
35515515159, die außerordentlichen 336 128 177 Kr.
28. Aug. Südslawen gegen Italien.
In einer in Triest abgehaltenen ao. Generalversammlung des slo-
wenischen polit. Vereins „Edinost“ wird einstimmig ein Beschlußantrag
angenommen, worin die Südflawen feierlichst gegen die ital. Ansprüche auf
die Gebiete Dalmatiens und des österr. Küstenlandes, die südslaw. Länder
sind, sowie gegen jede eigenwillige Bestimmung über das Schicksal dieser
Länder protestieren.
29.—30. Aug. (Wien.) Tagung d. soz. Parteien d. Mittelmächte.
Es wird u. a. die Absendung des folgenden Briefes an das holländ.=
skan d. Komitee in Stockholm beschlossen: Werte Parteigenossen! Die
soz. Partei Deutschlands, die Parteien Oesterreich-Ungarns-Bosniens und
die bulg. geeinigte soz. Partei sind hier zu einer Besprechung versammelt,
um über wichtige, wesentlich formale und technische Vorbereitungen für
Stockholm einen Gedankenaustausch zu pflegen. Die Besprechung wurde
gerade für den jetzigen Zeitpunkt einberufen, weil wir in ihm den Vor-
abend der Stockholmer Konferenz sahen. Wir finden uns nun in der be-
dauerlichen Lage, daß eine abermalige Verschiebung der Konferenz zu be-
fürchten ist. Wir setzen allerdings voraus, daß die zur selben Stunde statt-
findende Konferenz der Sozialisten der Ententeländer einhellig beschließen
wird, dem Widerstand ihrer Regierungen zum Trotz Stockholm zu beschicken.
Wir setzen weiter voraus, daß unsere Genossen in England, Frankreich und
Italien den Widerspruch der Herrschenden gegen die proletarische Aktion
in Stockholm nur als eine Aufforderung mehr ansehen werden, ihre sozia-
listische Pflicht zu tun, und daß sie auch Einfluß, Macht und Energie
genug haben werden, die Hindernisse, die ihnen gerade in den Ländern, die
sich ihrer Demokratie rühmen, in den Weg gelegt werden, zu überwinden.
Die Verweigerung der Pässe wird, wie wir mit Sicherheit erwarten, nicht
aufrechterhalten werden können. Aber, Parteigenossen, wir, die wir die
konsequente Zähigkeit und die Umsicht des holländ.-skand. Komitees an-
erkennen, die wir unsererseits von Anfang an mit der größten Bereitwilligkeit