Full text : Materialien der Deutschen Reichs-Verfassung. Band III (3)

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Nachdem  das  Weibchen  ein  bis  zwei  Schock  wasserheller  Eierchen
darin  abgelegt  hat,  wird  es  vom  Männchen  verjagt  und  darf  sich
seinem  Ueste  nicht  mehr  nähern.  Für  die  Männchen  beginnt  jetzt  eine
aufregende  Zeit  großer  Sorge.  Neinen  Hugenblick  haben  sie  Ruhe.
Jedes  Tier,  das  nur  in  die  Mähe  kommt,  wird  vertrieben,  und  es  ist
lustig  zu  sehen,  wie  die  winzigen  Burschen  mit  gesträubten  Stacheln
und  noch  viel  röter  als  sonst  auf  einen  hecht  losschießen,  der  hundertmal
  mehr  wiegt  als  sie.  Dann  fahren  sie  einmal  wieder  hinein  ins
Nest,  um  zu  sehen,  ob  noch  alles  in  Ordnung  ist.  Dann  kommen  sie
befriedigt  heraus,  und  nachdem  sie  es  einigemal  stolz  umschwommen
haben,  stellen  sie  sich  unmittelbar  vor  den  Eingang  und  schlagen
schnell  mit  den  Brustflossen.  Kuf  diese  Weise  wird  immer  neues
Wasser  hineingepeitscht,  damit  die  Eier  sich  gut  entwickeln  können.

Bald  sehen  sie  denn  auch  ihre  Bemühungen  belohnt.  Eines
Tages  sind  die  ersten  winzigen  Weltbürger  da,  und  nicht  lange,  so
wimmelt  es  im  Nestchen  von  ihnen.  Sber  jetzt  erst  die  Arbeit  für  den
armen  Dater!  Er  möchte  seinen  Eifer  verdoppeln  und  verdreifachen;
denn  die  Jugend  ist  leichtsinnig  und  naseweis;  das  erfährt  er  reichlich
an  seinen  zarten  Kinderchen.  Die  Eier  lagen  wenigstens  still  und
hatten  keinen  eigenen  Willen;  aber  bei  den  flinken  Jungen  ist  die
Sache  ganz  anders.  Denen  wird  es  bald  langweilig  in  dem  engen
Nest,  und  sie  schlüpfen  neugierig  heraus,  um  sich  auch  einmal  die
Welt  da  draußen  zu  betrachten.  Solchen  Vorwitz  unerfahrener  Kinder
kann  aber  das  herz  des  ängstlichen  Vaters  nicht  dulden.  Er  pacht
sie  mit  dem  Maul  und  schleppt  sie  zurüch  in  ihre  Wiege.  Aber,  o
weh!  Kaum  hat  er  eins  hineingesteckt,  so  sind  schon  wieder  zwei
andere  draußen,  und  so  geht  es  den  ganzen  lieben  Tag  lang.

231.  Bach  und  Fluß.  Von  Ernst  Lausch.

Tief  in  der  Erde  war  einmal  ein  Wassertropfen.  Weil  es  aber

so  dunkel  in  der  Erde  und  der  Wassertropfen  so  ganz  allein
war,  so  gefiel  es  ihm  gar  nicht,  und  er  ging  in  der  Erde  weiter.
Da  traf  er  einen  andern  Wassertropfen  und  noch  einen,  und  es
kamen  immer  mehr  zusammen,  die  gingen  alle  mit  ihm.  Weil  es
nun  aber  so  viele  Tropfen  waren,  so  hatten  sie  große  Kraft  bekommen
  und  sagten:  „Wir  wollen  oben  ein  Loch  in  den  Erdboden
machen  und  hinausgucken,  daß  wir  die  Sonne  sehen  können.“  Und
sie  machten  richtig  ein  Loch  und  guckten  hinaus  und  sahen  die  Sonne
und  den  Himmel.  O  wie  schön  war  da  alles!  Sie  waren  aber