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Auch in einem anderen Punkte bin ich volllommen einer Meinung
mit Graf Tisza, der dem Grafen Karolyi auf dessen Bemerkung antwortete,
unsere Diplomatie sei schuld in dem Punkte. daß Italien und
Rumänien auf die gegnerische Seite übertraten. In eines einzigen Satze
gesagt, fasse ich die Situation so auf, daß Rumänien und Italien eine
falsche Machtspekulation gemacht haben, als sie sich der uns feindlichen
Gruppe anschlossen. Und da frage ich: Wie konnte ein Diplomat die in
das italienische und rumänische Volk hineingetragenen Ansichten über die
innere Schwäche Oesterreich-Ungarns niederringen? Gründe, an denen
unsere Diplomatie vollkommen unschuldig, denen gegenüber sie machtlos
war, haben den Anlaß für diese falsche Einschätzung unserer Kräfte gegeben.
Daß diese Einschätzung der Kraft Oesterreich--Ungarns falsch war,
ist das Erfreuliche daran.
Einer der Herren hat die Liebenswürdigkeit gehabt, mich zu fragen,
wie ich über die amerikanische Kriegserklärung denke. Nicht bestätigte
Nachrichten lassen die Möglichkeit offen, daß Amerika uns ebensogut
wie unseren beiden Bundesgenossen, der Türkei und Bulgarien, den Krieg
erklären werde. Ich sage nicht, es werde sein, sondern nur, es könne sein,
aber sollte dieser Fall auch eintressen, dann werden wir dennoch nichts
von dem bedauern können, was wir in der Vergangenheit gemacht haben.
Wir haben wegen unserer treuen Bundesgenossenschaft mit Deutschland
mit der Gegnerschaft Amerikas rechnen müssen. Wenn Amerika diese Konsequenzen
zieht, so ist es, ich gebe es zu, schmerzlich wegen der Oesterreicher
und Ungarn, die in Amerika sind und die in die peinlichste Situation
gelangen. An dem Kriegsergebnisse jedoch wird das nicht das geringste
ändern. Wenn ich von Amerika spreche, möchte ich die Herren immerhin
auf die heutige Rede (s. Ver. St., 4. Dez.) des Präsidenten Wilson aufmerksam
machen, die in mancher Beziehung unverständlich und unklar ist,
die aber doch einen beherzigenswerten Fortschritt in dessen Anschauungsweise
in einer Richtung enthält. Der Präsident hat gesagt, indem er von
unserer internen Situation spricht: „Wir müssen indessen hervorheben, daß
wir Oesterreich-Ungarn in keiner Weise schädigen wollen, und daß es nicht
unsere Sache ist, uns mit den Institutionen der Völker zu befassen. Wir
wollen ihnen in keiner Weise ihr Verhalten vorschreiben, wünschen aber,
daß sie ihre Angelegenheiten, die großen und die kleinen, selbst ordnen.“
Wenn man diese Auffassung vergleicht mit jener, welche die Entente in
die Monarchie hineingeworfen hat und die mit dem Schlagwort „Selbstbestimmungsrecht
der Bölker“ bezeichnet wird, das auf einer Friedenskonferenz
mit Hilfe der Entente verwirklicht werden soll, so finde ich in
der heutigen Auffassung des Präsidenten der Union einen großen bedeutenden
Fortschritt, einen Fortschritt, welchen wir anerkennen und welchen
festzuhalten wir ein lebhaftes Interesse haben. Wenn ich diese Gelegenheit
ergreifen darf, um über diese Frage, über dieses Schlagwort vom
Selbstbestimmungsrechte der Völker noch ein Wort zu verlieren,
so möchte ich meinen Standpunkt diesbezüglich präzisieren, wie solgt: Das
Wort vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ ist in diesem Krieg im
Rahmen der Kriegszieldiskussionen ziemlich spät aufgetaucht. Eine allgemein
gültige Definition dafür zu geben, ist unmöglich, da fast jeder der Staatsmänner,
die von demselben Gebrauch machten, ihm einen anderen Begriff
zugrunde legte, so daß man sagen kann, es gebe so viele Begriffsbestimmungen
dieses Wortes, als Aeußerungen darüber vorliegen. Wenn wir
dem Ursprunge dieses Schlagwortes nachgehen, so finden wir, daß es an
das von der Entente seit Kriegsbeginn vorgeschützte Kriegsziel, den „Schutz
der kleinen Nationen“, anknüpft. Die „kleinen Nationen“, das waren die