Metadata : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

Groftritannien.  (August  2.—7.)  325

weiter:  Die  Richtigkeit  der  von  Ribot  (s.  Frankr.,  31.  Juli)  in  der  Kammer
abgegebenen  Erklärung  angenommen,  würde  das  nicht  bedeuten,  daß  die
Absicht  besteht,  Gebietsteile  zu  nehmen,  die  Generationen  hindurch  von
Leuten  bewohnt  wurden,  welche  —.  Der  Redner  wird  hier  von  dem  Vorsitzenden
  mit  der  Bemerkung  unterbrochen,  daß  das  Sache  der  franz.
Kammer  sei.

2.  Aug.  (Unterhaus.)  Der  „Kronrat  in  Potsdam“.

Auf  eine  Anfrage  des  Abg.  Sir  Heury  Dalziel  über  die  jüngsten
Enthüllungen  der  „Times“  über  den  Kronrat  in  Potsdam  vom  ö.  Juli
1914  (s.  Tl.  1  S.  735)  sagt  Lord  Robert  Cecil,  er  könne  keine  Mitteilung
darüber  machen  außer  der  Tatsache,  daß  eine  im  Besitz  der  britischen  Regierung
  befindliche  Information  besage,  die  Mittelmächte  hätten  sich  im
Juli  für  eine  Politik  entschieden,  die  nach  ihrer  Meinung  fast  sicher  zum
Kriege  gegen  Rußland  und  demnach  auch  gegen  Frankreich  führen  mußte.

4.  Aug.  4.  Jahrestag  des  Kriegsbeginns.

Der  jüngst  gegründete  Nationalausschuß  für  vaterländische
Kriegsziele  veranstaltet  in  der  Londoner  Queenshall  eine  Versammlung,
an  der  viele  Minister  und  Parlamentsmitglieder,  sowie  der  ital.  Minister
des  Aeußern  Sonnino  und  der  serb.  Ministerpräsident  Pasitsch  teilnehmen.
  Die  Hauptrede  hält  Premierminister  Lloyd  George,  der  in  der
üblichen  Weise  eine  Rechtfertigung  des  Eintritts  Englands  in  den  Krieg
gibt  und  weiterhin  die  Rolle  Englands  im  Kriege  darlegt.  (Der  Wortlaut
der  Rede  ist  abgedruckt  in  der  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  1917  Nr.  215.)

7.—8.  Aug.  (London.)  Konferenz  der  Ententemächte.

Es  nehmen  teil:  die  britischen  Minister,  Sonnino,  Ribot,  der  franz.
Munitionsminister  Thomas  und  der  engl.  Botschafter  in  Paris  Lord  Bertie.

Wie  der  römische  Mitarbeiter  der  „Stampa“  meldet,  läßt  sich  das
Ergebnis  der  Londoner  Konferenz  in  folgende  drei  Punkte  zusammenfassen:
  Erstens,  der  ital.  Gesichtspunkt  über  die  Zerstückelung  Oesterreichs
habe  in  englischen  amtlichen  Kreisen  Raum  gewonnen,  zweitens,  die  Wahrscheinlichkeit
  einer  ital.-serb.  Verständigung  betr.  die  Adriaprobleme  sei  geschaffen,
  drittens,  eine  Vereinbarung  der  Ententeregierungen,  jeden  Akt,
der  die  Zustimmung  oder  Beteiligung  an  der  Stockh.  Konferenz  bedeuten
würde,  zu  untersagen,  sei  getroffen  worden.

7.  Aug.  (Unterhaus.)  Getreidegesetz.  Anfragen  über  Belgien.

Die  Getreideerzeugungsvorlage  (s.  S.  312)  wird  mit  108  gegen  14
Stimmen  in  dritter  Lesung  angenommen.  Landwirtschaftsminister  Prothero
stellt  dabei  fest,  daß  1917  ungefähr  eine  Million  Acres  (-—  400000  ha)
Land  mehr  mit  Getreide  und  Kartoffeln  in  England  bebaut  worden  ist.

Auf  die  Anfrage  des  Abg.  Denman,  ob  der  Staatssekretär  des
Aeußern  annehmen  zu  können  glaube,  daß  die  deutsche  Regierung  ihr  am
4.  August  1914  gegebenes  Versprechen,  selbst  im  Falle  eines  bewaffneten
Zusammenstoßes  mit  Belgien  unter  keinerlei  Vorwand  belgisches  Gebiet
zu  annektieren,  halten  oder  verleugnen  werde,  erwidert  Lord  Robert  Cecil:
Soweit  ich  unterrichtet  bin,  ist  die  deutsche  Regierung  sorgfältig  darauf
bedacht  gewesen,  die  Welt  nicht  daran  zu  erinnern,  daß  sie  1914  Großbritannien
  ausdrücklich  versprochen  hat,  unter  keinerlei  Vorwand  belg.  Gebiet
  zu  annektieren,  und  nach  Mitteilungen,  die  von  offenbar  inspirierter
Quelle  s  gehen,  ist  dies  ein  Versprechen,  welches  sie,  wenn  sie  kann,  zu
verleugnen  beabsichtigt.  Als  Denman  weiter  fragt,  ob  es  nicht  lohnen
würde,  zu  ermitteln,  ob  die  deutsche  Regierung  an  ihrem  Versprechen  von