Grefbritannien. (Juli 26.) 315
eingebracht worden ist. Dieser erklärt: „Die jüngste Friedensentschließung
des deutschen Reichstags bringt die Grundsätze zum Ausdruck, für die
unser Land eintritt“, und verlangt von der Regierung, daß sie gemeinsam
mit den Alliierten ihre Friedensbedingungen von neuem feststellt. Weiter
heißt es in dem Zusatzantrag, die Alliierten sollten den russischen Vorschlag
annehmen, daß an den bevorstehenden Beratungen über die Kriegsziele
auch Vertreter der Völker, nicht nur Staatsmänner der Regierungen, teilnehmen
sollen.
Bei Begründung seiner Entschließung führt Macdonald (Unabh. Arb.)
aus: Wiewohl der deutsche Reichstag leider keine Kontrolle über Ministeranstellungen
und keine direkte Verantwortlichkeit für die Politik des Landes
habe, sei er dennoch die Vertretung des deutschen Volkes. Von der großen Mehrheit
der deutschen Volksvertreter angenommene Entschließungen, wie die in
Frage stehende, seien der Ausdruck der Meinung des deutschen Volkes. Sonderbarerweise
legte die engl. Presse Gewichtuauf die Kanzlerrede, während die deutsche
Presse Nachdruck auf die Entschließung legte. Der Premierminister erwähnte
sie aber in seiner neuerlichen Rede in der Queenshall nicht einmal. Der
Redner betont, solche inoffizielle, ohne Mitwirkung der amtlichen Stellen
abgegebene Erklärungen des Volkes seien eine Pforte für den wirklichen
Verständigungsfrieden, den wohl fraglos die britische Regierung ebenfalls
lieber wolle als einen diplomatischen Notbehelf oder einen militärischen
Waffenstillstand. Die Deutschen hegten offenbar die Ueberzeugung, daß sie
einen Verteidigungskrieg führten, und glaubten, daß die wirtschaftliche
Eifersucht der Grund des Krieges sei. Sie hätten Grund für ihr Mißtrauen
angesichts der Teilnahme Englands an den Beschlüssen der Pariser
Konferenz, die ganz offen zeigten, daß Deutschland nach dem Kriege erdrückt
werden solle. Derartige Mißverständnisse müßten beseitigt werden,
wenn der Friede ein wirklicher Friede werden solle. Ferner müsse England
infolge der russischen Revolution seine Kriegsziele ändern, denn Rußland
sei nicht mehr der Genosse der Kriegsziele von ehedem. Die britische Regierung
schloß seit Kriegsausbruch Abkommen mit Italien und Rumänien,
von denen das Land nichts wisse, obwohl sie außerhalb des Landes offen
besprochen würden. Die Regierung solle Tatsachen angeben und beweisen,
daß zwischen den moralischen Erklärungen und den während des Verlaufes
des Krieges abgeschlossenen Verträgen kein Widerspruch bestehe.
Trevelyan (Lib.) äußert die Ansicht, die Bedeutung der Reichstagsentschließung
liege darin, daß sie Angliederungen ablehne, und die Tatsache, daß
der Reichskanzler sich zugunsten der Entschließung ausgesprochen, deute darauf,
daß für ihn die Räumung Belgiens feststehe. Die Sinnesänderung
in Deutschland müsse man geschickt wahrnehmen. Er glaube, daß die Aussicht
auf Frieden größer sei als vor einigen Monaten. Solange jedoch die engl.
Regierung kein offenes Spiel zeige, könne man nicht wissen, wie sie über
den Frieden denke, und was hinter der Bühne vor sich gehe. Z
Hierauf erklärt der Führer der Opposition Asquith, seiner Meinung
nach legten Macdonald und Trevelyan der Resolution des deutschen Reichstages
mehr Wichtigkeit bei, als sie verdiene. Sie scheinen vergessen zu
haben, unter welchen Bedingungen der Reichstag diese Resolution angenommen
habe. Es sei eine düstere Zeit in Berlin gewesen, und es habe geschienen,
als ob die Anhänger einer verhältnismäßig gemäßigteren Politik ihren Willen
durchsetzten, dann aber seien die militärischen Führer erschienen, und diese
hät#n die Entlassung des Reichskanzlers durchgesetzt, dem noch einige Tage
zuvor der Kaiser sein volles und ungeschwächtes Vertrauen ausgesprochen habe.
Das höchste Interesse der Menschheit, fährt A. fort, zielt auf den
Frieden, aber unter einer alles beherrschenden Bedingung, nämlich der,