Metadata : Fünfzig Jahre aus Preußens und Deutschlands Geschichte.

Zwei  Friedensjahre.

Das  alles  ist  ihm  aber  nur  gelungen,

Weil  er  sein  Werk  am  Leben  ließe  reifen.

Was  aus  dem  Leben  frisch  hervorgesprungen,

Wird  wie  das  Leben  selber  auch  ergreifen,

Und  links  und  rechts  mit  Wonnen  und  mit  Schmerzen
Sturmschritts  erobern  warme  Menschenherzen.

Buhmgekrönt  waren  Preußens  und  Österreichs  Heere  von  der  äußersten
Nordspitze  Jütlands,  wohin  sie  ihre  Adler  im  Siegesfluge  getragen  hatten,
heimgekehrt.  „Wird  der  Frieden  in  Wien,  der  die  Befreiung  der  Elbherzogtümer
  von  der  dänischen  Willkürherrschaft  besiegelt  hatte  —  wird  dieser
Friedensschluß  auch  den  Frieden  im  Innern  Deutschlands  befestigen?“  So
fragten  sich  besorgt  alle  weiterblickenden  Freunde  des  Vaterlandes.  „Kann
aus  der  neugeschlossenen  Waffenbrüderschaft  der  beiden  erprobten  Heere  eine
Brüderschaft  und  die  Einigkeit  der  deutschen  Volksstämme  ersprießen  —  oder
wird  nicht  vielmehr  die  alte  Zwietracht  zwischen  den  beiden  Großmächten  nun
erst  recht  erwachen?“

Wer  anders  als  Preußen  kann  in  den  dem  Deutschen  Reiche  wiedergewonnenen
  Herzogtümern  die  Hochwacht  halten  gen  Nord,  Ost  und  West?  —
so  fragten  schon  während  des  Feldzuges  viele,  die  dem  Schauplatz  der  Ereignisse
  nähergetreten  waren,  und  diese  Frage  beschäftigte  auch  nach  der  siegreichen
Beendigung  des  Krieges  unaufhörlich  das  deutsche  Volk  und  seine  Staatenlenker;
  während  der  Zeit  von  1864  bis  1866  stand  die  schleswig-holsteinische
Frage  im  Mittelpunkt  der  preußisch-deutschen,  wie  zeitweilig  der  gesamten
europäischen  Politik.

Osterreich  hätte  es  am  liebsten  gesehen,  wenn  der  größere  Teil  der  Elbherzogtümer,
  zu  einem  kleinen,  ohnmächtigen  Staate  vereinigt,  einem  deutschen
Fürsten  übergeben,  das  Land  nordwärts  der  Eider  den  Dänen  wieder  überlassen
  worden  wäre.

Die  Mehrzahl  der  deutschen  Fürsten  und  deren  Völker  hätten  zugestimmt,
wenn  der  meistgenannte  unter  den  Bewerbern  um  den  Fürstenhut  von  Schleswig-Holstein,
  der  Erbprinz  Friedrich  zu  Schleswig-Holstein-Augustenburg,
in  das  Schloß  Gottorp  und  in  die  Hauptstadt  Kiel  eingezogen  wäre.  Daß
hierdurch  die  Zahl  der  kleinen  Fürsten  Deutschlands  und  ihrer  Stimmen  am
Bundestage  und  damit  die  Ohnmacht  Deutschlands  nur  vermehrt,  Deutschlands
Uneinigkeit  und  Schwäche  vielleicht  verewigt  worden  wäre  —  dieses  Bedenken
waltete  bei  Osterreich  und  seinen  Bundesgenossen  nicht  vor.