Stalien. (Oktober 17.—25.) 521
Hilfe der Vereinigten Staaten und Japans verlassen. Die Vaterlandsliebe
dürfe nicht ausgebeutet werden. Hemmnisse für den Frieden bildeten die
Sonderinteressen der Kriegswucherer und ihrer Presse. Die Hindernisse
könnten schnell überwunden werden, wenn die Regierungen auf Grund der
allgemeinen Vorschläge des Papstes den Frieden anbahnen würden. F.
schließt mit der Forderung, das italienische Parlament müsse sich über die
Friedensbedingungen äußern, bevor der Vertrag aufgestellt werde. Es solle
weder einen deutschen, noch einen englischen, sondern einen europäischen
und mäßigen Frieden verlangen, der Italien den ihm zukommenden Platz
in der neuen Völkergemeinschaft sichere. (Langanhalt. Beif.)
Am 24. beschließt die Kammer, den sozialistischen Antrag, eine parlamentarische
Untersuchung der finanziellen Lebensbedingungen der italienischen
Zeitungen zu veranstalten, an die Regierung zur Erwägung zu überweisen.
In Begründung des Antrages führt Abg. Treves (Soz.) aus,
daß viele italienische Zeitungen gekaufte Organe privater Interessen seien
und etliche trotz aller Schwierigkeiten in der Rriegszeit entstandene Zeitungen
überhaupt weder Ideen dienen noch Nachrichten verbreiten, sondern lediglich
Geschäfte machen und vermitteln wollen. Es sei an der Zeit, auch
jene Zeitungen, welche den Wünschen fremder Staaten —m Geld dienen, zu
demaskieren. — Ministerpräsident Boselli entgegnet, daß die ital. Presse keine.
Bestechung kenne und bei Befürwortung und Stützung des italienischen
Krieges von den reinsten Gedanken und Ueberlieferungen bestimmt werde.
Der Feind möge sich gesagt sein lassen, daß ganz Italien einträchtig im
Siegeswillen um jeden Preis sei. Wiewohl die Presse kein öffentliches
Amt sei, widersetze er sich dem nicht, daß die Regierung den sozialistischen
Antrag zur Erwägung übernehme.
Zum Budgerprovisorium spricht Schatzminister Carcano, der Zahlen
anführt, die die Festigkeit der italienischen Finanzen beweisen sollen. Die
Einnahmen des laufenden Rechnungsjahres überstiegen um 2175 Mill. die
des vorhergehenden. Die Einlagen in den Sparkassen stiegen fast um eine
Milliarde. Am 30. Sept. habe die Kriegsschuld 25 Milliarden betragen und
die Regierung könne neuen Schulden entgegensehen, ohne von den Steuerzahlern
neue Opfer zu verlangen.
Justizminister Sacchi verteidigt seinen Straferlaß gegen die sozialistische
Propaganda (s. S. 515), da es unerläßlich sei, die Widerstandstraft
des Volkes im Kriege, der nun einmal gegeben sei und nicht zur öffentlichen
Erörterung gestellt werden dürfe, nicht vermindern zu lassen und die
Soldaten, die gegen einen kriegserprobten und an Zahl überlegenen Feind
zu kämpfen haben, vor Angriffen im Rücken zu schützen. Der Widerstand
sei heute der einzige Weg, der zum Siege führen könne.
Kriegsminister Giardino kommt nach Abweisung des Vorwurfes,
daß die Militärgewalt ihre Befugnisse auszudehnen oder gar dem Willen
des Volkes entgegenzuhandeln strebe, auf die Forderung der Ausdehnung
der Befreiung vom Heeresdienste zugunsten landwirtschaftlicher Zwecke zu
sprechen und führt aus: Die Erfordernisse des Krieges lassen sich unter
dem Gesichtspunkte des Bedarfes an Menschen nicht voraussehen. Gewiß
gibt es auf der italienischen Front Zonen, wo die Bodenverhältnisse einen
etwaigen feindlichen Druck mit verhältnismäßig wenig Menschen einzudämmen
erlauben, aber es gibt auch entblößte Zonen, wo sehr viel Leute in großer
Tiefe bereitstehen müssen. Man spricht von einer Offensive des Feindes
unter Teilnahme auch der Deutschen. Es steht fest, daß Deutsche in Tirol
sind und wahrscheinlich auch am Isonzo. Der Feind kennt unsere Rüstung,
achtet aber angespannt auf etwaige Lücken in unserer Front, um dort sein
Schwert einzustoßen und den ganzen Block zu sprengen. Kommt der An-