Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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schob  seine  furchtbare  Macht  nach  Westen  vor,  ohne,  wie  wir  wissen,  irgend
sonstige  Aussichten  darüber  fahren  zu  lassen,  und  Preußen  erlangte  das  Wichtigste,
  Einheit  und  Verbindung  seiner  so  bedenklich  getrennten  Besitzungen.

Wenn  also  Friedrich  leichter  über  diesen  wichtigen  Schritt  hinwegging,
als  seine  edle  Zeitgenossin,  so  lag  das  schon  darin,  daß  er  ihm  für  Preußen
als  unter  allen  Umständen  unerläßlich  erschien.  Darüber  giebt  er  selbst  in
seinem  Briefwechsel  mit  Voltaire  hinreichende  Auskunft.  Unter  Anderem  schreibt
er  vom  16.  September  1772:  „Endlich  naht  sich  der  Friede  im  Orient,  und
eine  Reinigung  Polens  steht  in  Aussicht.  Diese  schöne  Entwickelung  danken
wir  der  weisen  Mäßigung  der  Kaiserin  von  Rußland,  die  es  verstanden  hat,
ihren  geheimen  Feinden  Ehrfurcht  zu  gebieten  und  dort  Ruhe  eintreten  zu
lassen,  wo  bisher  nur  Unordnung  und  Verwirrung  geherrscht  haben.“  Und
noch  deutlicher  am  1.  November:  „Wenn  man  zerstückelte  Länder  verbinden
kann,  um  ein  ganzes  aus  seinen  Besitzungen  zu  machen,  so  kenne  ich  wenige
Sterbliche,  die  nicht  an  einem  solchen  Werke  mit  Vergnügen  arbeiten  würden.
Bemerken  Sie,  daß  diese  ganze  Sache  ohne  Blutvergießen  vor  sich  gegangen
ist,  und  daß  die  Encyklopä  disten  nicht  gegen  die  räuberischen  Söldlinge  deklamiren
  und  andere  schöne  Phrasen  werden  machen  können,  deren  Schönheit
mich  niemals  gerührt  hat.  Ein  wenig  Tinte  mit  Hülfe  einer  Feder  hat  Alles
gemacht,  und  Europa  wird  beruhigt  sein,  wenigstens  in  Bezug  auf  die  letzten
Wirren.“

Friedrich  dem  Großen,  als  Haupt  eines  Staates,  dessen  Selbstständigkeit
er  nur  mit  der  ungeheuersten  Anstrengung  verfochten  hatte  und  für  die  Zukunft
sichern  mußte,  wo  nicht  mehr  der  größte  Mann  der  Zeit  an  seiner  Spitze
stand,  blieb  kaum  unter  den  obwaltenden  Umständen  eine  andere  Wahl,  als
eine  Theilung  der  Art  zu  treffen.  Ohne  Zweifel  sah  er  die  ganze  Angelegenheit
  nicht  in  der  leichten  Weise  an,  wie  er  sie  gegen  den  philosophischen  Franzosen
  vertheidigt,  welcher,  da  Frankreichs  National-Ehre  und  Macht  auf  gleich
empfindliche  Weise  durch  den  grausamen  diplomatischen  Akt  gekränkt  war,  um
so  weniger  von  seiner  Deklamation  gegen  die  Verletzung  aller  Menschen=  und
Völkerrechte  dabei  zu  lassen  geneigt  war;  allein  er  hatte  die  verschiedenartigen,
möglichen  Nachtheile  mit  dem  unverkennbaren  Nutzen  verglichen  und  den  entschiedenen
  Vortheil  für  Preußen  auf  Seiten  der  Theilung  gefunden.

Am  4.  März  trat  Oesterreich  dem  Theilungsbunde  bei,  stellte  aber  so
maßlose  Forderungen,  daß  neue  Unterhandlungen  darüber  angeknüpft  werden
mußten;  erst  am  5.  August  1772  einigte  man  sich  friedlich  dahin,  daß  Rußland
polnisch  Liefland  und  mehrere  Woiwodschaften,  zum  Belaufe  von  etwa  350
Quadratmeilen,  Oesterreich,  außer  der  Zipser  Gespannschaft,  die  Ländermasse,
welche  heute  die  Königreiche  Galizien  und  Lodomirien  ausmachen,  erhielt;
Friedrich  II.  erwarb  nur  polnisch  Preußen,  außer  Danzig  und  Thorn,  so  wie
einen  Theil  von  Großpolen  bis  zur  Netze,  im  Ganzen  631  Quadratmeilen  mit
wenig  mehr  als  500,000  Einwohnern;  allein  dieser  wichtige  Landstrich  zu  beiden