ar es, wie uns der Vogclichuygverein milieint,
Möglich, für die größte Not einige Zentner
Vogelfutter zu beschaffen und die aufgestellten
Futtertische mit Samen zu bestreuen. Doch noch
viel zu wenig, um die vielen hungernden Vögel
in dieser kalten Jahreszeit zu befriedigen. Kostet
doch Hanfsamen der Zeniner 835 Mk. und
ist zudem infolge seines Oelgehaltes von unserer
Heeresverwaltung mit Beschlag belegt: minderwertiges
Abtallfutter kostet der Zentner 35
Mark. Darum sammele man Küchenabfällc,
Brosamen usw- und belege damit die Futterplätze
der Vögel. Wo sie gefüttert werden,
werden sie auch im Frühjsahr in der Nähe nisten,
ihre Wohltäter durch ihren Gesang erfreuen
und ihnen durch Verlilgung schädlicher Insekten
und Würmer nützen. Also gedenket der hungernden
Vögel!
Die städt. Eisbahn ist in diesen Tagen
wieder betriebsfähig. Die Eieschicht auf dem
See in den städt. Anlagen ist vollftändig tragsicher,
so daß der Eröffnung der Eisbahn nichts
mehr im Wege steht. Die Jugend wird die
Wiedereröffnung des Eissportes freudig begrüßen.
Auch die Kinderrodelbahn auf den
Oswaldgründen in der äußeren Nathausstraße
ist wieder zum allgemeinen Tummelplatz geworden.
Kommunales.
1 Ktthung des Wagistrats-MKollegiums
. Mo Rosenheim
20. November 1915.
Verehelichungszeugnisse erhalten Sägfeiler
Ludwig Vohleitner von Dier mit der Fakrikarbeiterin
Therese Tiller von Stefanslirchen,
l-aschinist Johann Erangelist Joses Himpsl von
Lier mit Amna Wölper! von München, Musiler
Josef Bolem von lier mit Marta Johanna
Wons von Burowitz in Okerschlesien, Photograph
Friedric) Ertzard Rupprecht von Tier mit
Aloisia Amn Seeitalier von Landsberg a. L.
Oenehmis#t wird die Anschaffung einer elektrischen
Bügelmaschine für das Inilitut der
städtisahen Höheren Mädchenschule.
Auf Antrag der Schlachtl- ojdireltion wird
mit sofortiger Wirksamleit jür die Oeffnung der
Kühlanlage zum Zuecke der Abholung des darin
ausbemalrten Fleisches und sonstiger Gegenstände
durch die Mierer außerhalb der in der
Schlachthofordnung jeweils bestimmten Geschäftszeit
für jeden Fall und für jeden Mieter
eine Eintrittsgebühr von 20 Pfg. festgesetzt, wobei
es dem freien Ermessen der Schlachthofdirektion
anheim gestellt Uleibt, die von einem
Mieter beantragte Oeffnung der Kühlanlage
außerhalb der Ceschäftszeit nach wie vor zu
verweigern.
Da die Erfahrung ergeben hat, daß es bei
der unregelmäßigen Anfuhr von Getreide schwer
ist, in den Mühlen ausreichende Vorräte an
gemischtem und ungemischtem Weizenmehl sicherzustellen,
soll künftig in den Mühlen nur
ungemischtes Weizenmehl abgegeben und es den
Bäckern überlassen werden, das Weizenmehl vorschriftsmäßig
selbst zu mischen.
Nach Cutachten des slädtischen Bezirlstierarztes
und des Verwaltungsrates des Viehmarktes
wird die Anbringung einer Türe in dem
Stallungeneubau des Viehhändlers Johann
Mayer, Hofmannstr. 12, auf den Viehmarktplatz
in widerruflicher Weise genehmigt.
Der Welrkrieg.
Die Rrieeslage.
TB. roßes Hauptcquartlek, den
29. November, vormitlags. Amtlich.
Westlicher Kriegsshauplatz.
Auf der ganzen Front herrschte bei Uar#em
Frostwetter lebhafte Artillerie= und Fliegerlätigleit.
Nördlich von St. Mihiel wurde ein
feindliches Flugzeug zur Landung vor unserer
Front gezwungen und durch Artilleriefeuer zerstört.
In Comines sind in den letzten zwei Wochen
durch feindliches Feuer 22 Einwohner getötet
und acht verletzt worden.
Cestlicher Kriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Hauplat,
Die Verfolgung ist in weiterem Fortschreiten.
Ueber 1500 Serben wurden gefangen genommen.
Im gestrigen Bericht über den bisherigen
Verlauf des serbischen Feldzuges ist noch zu
ergänzen, daß die Zahl der bisher den Serben
abgenommenen Geschütze 502 beträgt, darunter
viele schwere.
Oberste Heeresleitung.
Das Ende des serbischen Feldzuges.
Berlin, 29. Nov. Nicht die Tatsache, daß
#ss gelungen ist, den serbischen Gegner vollstäudig
zu brechen, veranlaßte unsere Oberste Heeresleitung
zu dem im gestrigen Generalstabsbe-=richt
ausgesprochenen Lob der Leistungen der
Verbündeten in Serbien, sondern der Stolz
über die gewaltigen Leistungen der tapferen
Armeen. Nie versagende Tapferleit der angreisenden
Truppen und die Leitung des gläuzend
durchgeführten Unternehmens haben alle
Hindernisse überwunden. Der Südoslen ist für
uns noch nicht erledigt; Mazedonien muß erst
vom Feinde gesäubert werden. (3Z.)
Vernichtung des serbischen Heeres.
Sofia, 29. Nov. Nach Berichten bulgarischer
Miniter ist Serbien vollständig vernichtet.
Die Ereignisse, die sich schnell entwickelt haben,
haben die erwarteten Resultate ergeben. Die Einnahme
von Mitrowitza ist bedeutungsvoll, da
die Serben damit das letzte Stück ihres Eisenbahnnetzes
verlieren. Serbien verfügt nur noch
über ein Viertel seiner Armee, die ohne militärische
Bedeutung ist, da ihr Munition, Bewassnung
und Verproviantierung fehlen. Gric-=chenland
wird seine bisherige Haltung beibehalhalten.
Laut Nachrichten aus Nisch sind deutsche
Truppenteile dort seierlich eingezogen und
von dem dortigen bulgarischen Militär mit
Freude und Bewunderung über die deutsche
Kraft empfangen worden.
Derserbische Rückzug.
Genf, 29. Nov. Pariser Blätter berichten
aus Saloniti: Die Hauptmacht der Serben ist
im Nückzug aus ihren Stellungen bei Kriwolat
nach Südmesten. König Peter befindet sich im
Hauptquartier in Prizrend. („3.)
Von den Serben erschossen.
Saloniki, 29. Nov. Greechische Zeitungen
melden, daß 16 Soldaten griechischer Nationalität,
die aus der serbischen Armee desertiert
seien, zusammen mit bulgarischen Notabeln aus
Monastir und Umgegend von den Serben erschossen
worden sind. (3Z.)
Die Balkan-Armce
des Vierverbandes,
Athen, 29. Nov. Nach Informationen der
Athener „Patris“ zählt jetzt die Balkanarmee
der Entente 125 000 Mann. Täglich würden
4000 Mann in Saloniki gelandet, 45 000 Mann
neue Ententetruppen seien nach Saloniki unterwegs.
.
Die Lage der Ententetruppen.
Rotte rdam, 29. Nov. Reuter meldet aus
Salonili: Die Heerführer der franzölisch= englischen
Truppen erhielten die amtliche Mitteilung,
daß Griechenland den franzolsschenglichen
Truppen Aktionsfreiheit gewährt habe. ies
habe die Spannung gemildert und Vefriedigung
hervorgerufen. Der Winter sei aus dem
Balkan sehr früh eingetreten und werde wahrscheinlich
auf leiden Seiten die Fortsehung der
Operationen hindern. (.3. Die Meldung ist
sehr geschict algefaßt. Zie kündigt die Einstleilung
der englisch-französischen Unternehmungen
an, läßt sie aber nicht als Folge der diplomatischen
Niederlage erscheinen, die man sich
offenbar in Athen geholt hat, sondern posaunt
sogar einen diplomatischen Erfolg aus. Nur der
Winter werde nicht gestatten, ihn auszunutzen.
Die Franzosen bluten.
Paris, 29. Nov. Im Ausschuß für ausnärtige
Angelegenheiten stellte Clemenceau fest,
daß Gallieni bereits drei statt zwei Armeekorps
nach Salonili sandte, England aber erst mit
einer schwachen Division erschienen sei, während
Italien ganz beiseite bleibe, obwohl England
2 Italien am Balkan weit mehr interessiert
sind als Frankreich. An einen russischen Feldzug
gegen Bulgarien glaubt in Paris kein
Mensch. (J.)
Die feindlichen Verwundeten
in Saloniki.
Saloniki, 29. Nov. #oesehen von den
bereits angelangten 40 Waggone mit Verwundeten
ist in Salonili die Ankunft weiterer 600
Verwundeter signalisiert. (Z.)
Kitchener in Italien.
Mailand, 29. Nov. (Agenzia Stefani.)
Kitchener traf auf seiner Rücklehr vom Besuche
an der Front hier ein und reiste mittags nach
Turin weiter. (Z.)
Der Bahnverkehr nach Rumänien.
Wien, 29. Nov. Zwischen den ungarischen
und rumänischen Staatsbahnen wurden Verhandlungen
eröffnet, um die Wiederaufnahme
des Bahnverkehrs über Orsova zu ermöglichen.
Die Verhandlungen haben zu einem befriedigenden
Ergebnis geführt. Der Eisenbahnverlehr
wird in den nächsten Tagen ausgenommen
werden. (3Z.
Gedenklafel.
Gedenktage des Res.-Juf.-Rgts.
Nr. 16.
20. 10.— 1. 11. 14. Gheluvelt und Berclaere:
Das Regiment griff Gheluvelt, den
Schlüsselpunkt der englischen Stellung Graveniig
sel nördlich Zonnebede — Oude Kruiseil
au. Das 1. und 2. Bataillon führten den Sturm
auf Gheluvelt, das 2. Bataillon den Sturm
auf Becelaere aus. Am 31. 10 blieb Gheluvelt
endgültig in deutschem Besitz. In jugendlicher
Begeisterung hatte das zu einem großen Teil
aus Kriegssreiwilligen der Münchener gebildeten
Kreise bestehende Regiment seine Feuertaufe
eimpsangen.
15. und 16. 11. Bayernwald nordm. Wkschaete:
Eine Brigade hatte den Austrag. im
Verein mit den rechis anschließenden Truppen
das von den Franzosen stark verschanzte beilsörmige
Waldstück jräter Bayernwald geliunnt
megzunehmen. Am 15. um 3 Uhr
nachmitlags. gelang es zwar dem Regiment, von
Tübden her in den Wald einzudringen, aber erst
der 16. Urachte ihn endgültig in deutsche Hand.
12. J. 15. Neuve Chapelle: Am 10. war
es den Engländern delungen, durch it 7
den Angriff den Ori Ne «-’
schenmentrethutIe.. .1 t * 3. G.n
Heeresreserve nach! Nouteir zurüdne :
vorgezogen. Der Angriff zur Wiederereke#n
von Neuve Chaxelle am 12. machte auch ansänglio
ute. Fortschritte. Doch hatten die Engländer
inzwischen neit überlegene Kräfle zusammengezogen
in der Alsicht, den angebahnten
Erfolg zu vervollständigen und die deutsche
Front hier endgültig zu durchbrechen. So lam
zwar der deutsche Angriff bald zum Stiehen,
aber auch die verzweiselten Anstrengungen der
englischen Uebermacht blieben ohne jeden Erfolg.
Insanterie und Artillerie arbeiteten hier
besondero gut zusammen, um alle feindlichen
Angriffe bklutig zurüdzuweisen.
9. 5. Fromelles: Eine überraschende Minensrrengung
am 9. 5. morgens gestattete dem
Feind, einen Teil der Stellung des Res.-Juf.
Agis. Nr. 16 zu ülerrennen und elwa 500 Meter
vorwärts Gelände zu gemwinnen. Hier aber
erstarb die Kraft des mit weit überlegenen
Kräften (IV. engl. A.-K. und Teilen einer Territorialdirision
unternommenen, eingehend vorbereiteten
englischen Durchbruchsversuches. Während
die Infanteristen des Res.-Inf.-Rgts. Nr.
16 in erbitlertenn Kampfe auf nächste Entiernungen
mit den eingedrungenen Engländern lag,
vermochten die nachrückenden feindlichen Angriffostafseln
etua 4 Juf.-Brig. —das
Feuer der vorzüglich arl eitenden Feld- und FuHßartillerie
nicht zu durchschreilen und überliehen
ihre voruärts befindlichen Kameraden ihrem
Schidsal. Um 7 Uhr abends war die vorderste
Linie im Besißz des Res.-Inf.-Rgts. Nr. 16 und
die 10. Kompanie des Res.-Inf.-Rgts. Nr. 16
unter Leulnant Bachschneider, die sich dort, rings
umschlossen vom Feinde, über 12 Stunden lang
gehalten hatte, wieder befreit. Hinter der Linie
fand der Kampf erst am 10. 5. um 5 Uhr morgens
sein Ende. Die feindlichen Verluste sind
mit 3— 4000 Mann nicht zu hochgeschätzt. Zwei
englische Offiziere und 147 Mann wurden gefangen,
3 Maschinengewehre erbeutet.
18. und 19. 5. 10. und 11. Kompanie Res.=Inf.-Rats.
Nr. 16: La Bassee: Am 17. griffen
die Engländer die Stellungen bei La Bassee
erneut an und entrissen den Deutschen bei Rüchebourg
Teile der vordersten Gräben. Um Mitternacht
17./18. erbat der bedrohte Truppenteil
Hilse bei der Nachbar-Division, worauf ihm
noch während der Nacht alle verfügbaren Reserven
der Division 6 Kompanien — zugesandt
wurden. Ihrem rechtzeitigen Eintreffen
und ihrer Tapferkeit bei dem darauffolgenden
überlegenen englischen Angriff gelang es, den
drohenden Durchbruch zu verhindern, bis slärklere
Kräfte herangebracht wurden.
Cheiftklud uund Kinderhork.
Ein zweites. Kriegsneihnachten
Zieht still ins Land herein,
Das immer noch umlohet
Blutroter Fackelschein.
Frau Caritas, die Eute,
Ist doppelt tätig nun,
Sie eilt vom Feld zur Heimat,
Will hier auch Gutes tun.
Sie will gewohnterweise
Die Herzen all erfreu'n
Mit Weihnachtsglück und frieden,
Die Herzen groß und liein.
Wenn Euch sie nun begegnet,
Um eine Gabe fleht,
Wemn bittend sie gar innig
An Eurer Türe steht:
O weist sie nicht von dannen,
Drückt in die Hand ihr lind
Ein Scherflein, in die Schürze
Ein Kleidchen für ein Kind.
Ja, für die lieben Kleinen
Im Kinderhorte al
Frau Caritas nun hätte
Der Wünsche große Zahl.
Sie weiß zu schätzen doppelt
Es jetzt zur Kriegegzeit,
Wenn öffnen sich die Herzen
Der fremden Not, dem Leid.
Und hundertsach will lohnen
Sie einst, was Ihr geschenkt;
Am Tage der Vergeltung
Sie Euer sicher denkt.
Rosenheim, im Advent 1915.
Fr. X. Gehßl, Stadtpfarrer.
Kaorcsaeche#e
München. 27. November. Der Munchener
Schlachtviehmarkt am Freitag, den 26. November,
hatte ein Gesamtangebot von 5779 Slachltieren,
und zwar: 288 Ochsen, 389 Bullen,
1041 Kühe, 364 Jungrinder, 2599 Kälber.
Kälber, 585 Schweine, 468 Schafe und 45
Lämmer. Der Handel für den Platzbebarf war
mittelmäßig, dagegen die Aussuhr-Nachfrage
zieilich lebhaft. Infolgedessen machte sich schon
ab Marktbeginn durchwegs eine schwach steigende
Tendenz bemerkbar. In der Hauptsache galten
der Zentner Lebendgewicht: Ochsen 50 bis 78
Mark, Bullen 47 65 Mk., Kühe, sowie Kalbinnen
32 70 Mk. und Jungvieh 30. 46 Ml.
Der Kälbermarkt hatte um rund 100 Stücke
bessere Zufuhr als am vorigen Freitag, doch
war auch hier ein erheblicher Teil sehr verspätet,
ja sogar erst bei Marktschluß eingelrossen. Der
Handel setzte anfangs ziemlich lebhaft ein, so
daß die Preise weiter steigende Tendenz zeiglen.
Später, als die Nachschübe eintrasen, trat
eine Abflauung ein. In der Haupksache galten
lerende Tiere 660. 77 Mk., geschlachtete 74 bis
88 Mk. der Zentner. Der Schweinemartt hatte
auch heuer wieder ungenügende Zufuhr. Kleinere
Ware sehlte fast gänzlich. Die Kauflust
war bei den jestgesetzten Hochstpreisen, welche
bei lebenden Tieren zwischen 76. 108 Mk., bei
geschlachteten Tieren zwischen 108.—135 Mk.
per Zentner schwankten, sehr zurüchaltend. Der
Schafmarkt hatte Mittelangebot. Bei mittelmäßiger
Kauflust wurde zu unveranderten Preisen
gehandelt. Es galten geschlachtete Tiere 60)
bis 90) Mk. der Zentner. Im Vergleich zur
Vorwoche haben in dieser Woche die Preise für
Großvieh, insbesondere aber für Kälber, weiter
angezogen.
Wetterbericht für Dienstag, den 30. November:
Abnahme des Frostes, Pfalz und Nordbayern
Reigung zu Niederschlägen.