Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

78 Der Feldzug im Westen vom 12. Sept. bis 15. Nov. 1914 
in südöstlicher Richtung auf der Genter Straße nach Alost, um die Dender- 
brücken zu besetzen und in die offene linke Flanke der Belagerungsarmee 
einzubrechen. 
ODiesem kühnen Plane war keine Verwirklichung beschieden. Der Aus- 
fall mußte schon am nächsten Tage abgebrochen werden, da der Gegner in 
vollkommen überraschender Weise den Belagerungsangriff eröffnete. Er 
fühlte sich also nicht schwach, sondern stark genug, das unbezwingliche Antr- 
werpen, das eine Feldarmee von 80000 bis 100000 Mann in seinen Mauern 
barg, in gewaltsamem Angriff zu nehmen. Wäre der Ausfall wieder gegen 
den rechten Flügel der Deutschen gerichtet worden, so hätten die Belgier 
mitten in die deutschen Vorbereilungen hineingestoßen. Da das nicht der 
Fall war, rissen die Deutschen sofort die Handlung an sich. 
Der leczte Ausfall der Belgier reifte daher m# zu einem Dberfall, 
der die 37. deutsche Landwehrbrigade traf, als sie gerade gegen Lermonde 
vorrückte, um die linke Flanke der Belagerungsarmee zu decken. Die Land- 
wehr wurde von der 4. belgischen Division überraschend angegriffen und am 
27. September gegen Lebbeke zurückgedrängt. 
Die 5. belgische Division ging gegen Merchtem vor und zweigte eine AUm. 
fassungskolonne nach Lebbeke ab, die den Ort am Abend des 27. September 
erreichte und besetzte. Dadurch geriet die 37. Landwehrbrigade in Gefahr, 
von ihrer Verbindung mit der Armce abgeschnikten zu werden. Oie belgische 
Kavallerie war unterdessen von Gent nach Alost geritten und lämpfte schon 
um die Denderbrücken, die unmittelbar in die offene linke Flanke und den 
Rücken der Landwehr führten. Trochde, gelang es der Brigade, sich des 
von drei Seiten angreifenden Feindes zu erwehren, zwischen Lebbeke und 
Alost hindurchzumarschieren und ihren Rüchzug sicherzustellen. Sie fand 
Anschluß an den linken Flügel der deutschen Armee, die während des 
Deckungsmansvers der 37. Landwehrbrigade den Angriff auf die Südost. 
und die Südfront der Lagerfestung eröffnet hatte. 
Um die Abendstunde saben sich die belgischen Truppen, die vor Mecheln 
standen und die Ubergänge der Ouffel hüteten, plötzlich von starken Kräften 
angegriffen und nach Norden zurückgeworfen. Der Angriff auf Anewerpen 
batte begonnen. 
Die Lage der Festung 
Seit Lüttichs dröhnendem Fall hatten die Belgier nichts versäumt, 
Antwerpen auf eine Belagerung vorzubereiten. Am 15. August wurden große 
Schanzarbeiten und weitläufige Lberschwemmungen des Vorgeländes an- 
geordnet. Brialmonts slärkste Festung sollte nicht binnen wenigen Tagen 
erliegen, sondern der Armee als dauernder Rückhalt dienen, wenn sie in die 
Verteidigung gedränge wurde. Als König Albert, von seinen Verbündeten