82 Zweites Buch. Der Bau des Einheitsstaates.
leben (geb. 1783, gest. 1837), der Leiter des Militärkabinetts
und Generaladjutant, ein Mann von seltenen Gaben des
Geistes und des Herzens, äußerte zwar seinem königlichen
Freunde gegenüber freimütig auch seine politischen Ansichten,
konnte und wollte aber doch eigentlich politischen Einfluß nicht
ausüben, wenn er auch die Stein-Hardenbergischen Reformen
und die neue Heeresverfassung gegen die höfische Minierarbeit
schützte und vor allem die Einflüsterungen bekämpfte, die den
König gegen sein Volk einnehmen und an dessen Treue irre
machen sollten. Nur hatte er dabei außer Boyen keinen zuverlässigen
Verbündeten, mochte auch seine makellose Persönlichkeit
Neidern und Gegnern keine Blöße bieten.
Das war leider nur allzu sehr der Fall bei dem Manne,
der nach innen und außen die Staatsautorität vornehmlich zu
vertreten berufen war. Hardenbergs Verhältnis zum König war
seit dem Wiener Kongreß erkaltet. Daß er selbst dessen Politik
durchkreuzt hatte (S. 70), ließ der König dabei völlig außer
acht. Auch war der nun fünfundsechzigjährige Hardenberg trotz
aller Unermüdlichkeit und Vielgewandtheit, Lebhaftigkeit und
geistigen Frische doch in der Arbeit nicht mehr pünktlich genug,
um bei der Konzentration aller Staatsangelegenheiten in seiner
Hand Verschleppungen und Reibungen, Eingriffe von oben und
Uebergriffe von unten zu hindern. Denn außer ihm hatte nur
Boyen bei dem König unmittelbar regelmäßig Vortrag, alle
übrigen Minister waren, obgleich für ihr Ressort verantwortlich,
auf ihn als Vermittler angewiesen. Trotz ihrer äußerlichen
Konzentration fehlte es der Regierung daher an Einheitlichkeit
des Entschlusses und des Handelns. Dann forderten
Hardenbergs anstößige Privatverhältnisse die Kritik heraus und
lieferten seinen politischen Gegnern, auch den außerpreußischen,
Waffen gegen ihn sowohl wie gegen die von ihm vertretene
liberale Nichtung. Denn an ihr hielt er fest und verband sich
dadurch die Patrioten, so oft auch sie mit ihm unzufrieden
waren. Schön nennt ihn deshalb den Chef des Departements
des guten Geistes. Darin waren alle einig, daß die reichsständische
Verfassung nur von ihm durchgesetzt werden könne.
Denn was sie gemeinsam durchlebt hatten, gab ihm beim Könige