Full text : Der Fehlspruch von Versailles.

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möchte‘).

„Zum  Schlusse  möchte  ich  noch  darauf  hinweisen,  daß  das  Herrn
Delcasse  von  den  englischen  Blättern  gespendete  Lob  deutlich  zeigt,  was
man  von  der  jüngst  erfolgten  Annäherung  zwischen  Deutschland  und
England  zu  halten  hat.  Die  Politik,  die  König  Eduard  VII.  unter  dem
Vorwande  führt,  Europa  vor  einer  eingebildeten  deutschen  Gefahr  zu
retten,  hat  eine  nur  allzu  wirkliche  französische  Gefahr  heraufbeschworen,
die  für  uns  in  erster  Linie  bedrohlich  ist.“

Greindls  weitere  Berichterstattung?)  zeigt  eindringlich,  mit  welchen
Besorgnissen  nicht  nur  ihn  Delcasses  abermaliges  Hervortreten  erfüllt
hatte.  Als  er  am  2.  Februar  mitteilt,  der  Gesetzentwurf  über  die  herabgesetzte
  Dienstzeitdauer  der  Kriegsschiffe  sei  im  Reichstage  nahezu  einstimmig
  angenommen  worden,  da  sieht  er  auch  hierin  nur  eine  Folge-Erscheinung
  des  englischen  Verhaltens.  „Diese  Einstimmigkeit  ...  zeigt
besser  als  alle  Fürstenzusammenkünfte  und  alle  amtlichen  Reden,  wie  es
in  Wirklichkeit  um  die  Beziehungen  zwischen  Deutschland  und  England
bestellt  ist.  Kein  Mensch  hat  hier  jemals  den  sinnlosen  und  unausführbaren
  Gedanken  eines  Angriffs  gegen  England  gehegt;  aber  alle  Welt
fürchtet  einen  englischen  Angriff.  Hierin  liegt  der  Grund  dafür,  daß  der
Reichstag,  ohne  mit  der  Wimper  zu  zucken,  für  eine  ungeheuere  Erhöhung
  der  Marineausgaben  gestimmt  hat,  obwohl  das  Budget  des  Reiches
einen  Fehlbetrag  aufweist,  von  dem  man  noch  nicht  weiß,  wie  man  ihn
ausgleichen  soll,  und  obwohl  es  mit  den  preußischen  Finanzen  ebenso
schlecht  bestellt  ist‘“3).

Das  Frühjahr  1908  war  durch  eine  vorübergehende  Trübung  der
russisch-französischen  Beziehungen,  sodann  durch  Erörterungen  über
Bahnbauten  auf  dem  Balkan,  über  die  Wirren  in  Mazedonien  und  über  die
immer  mehr  anschwellende  serbische  Propaganda  in  Bosnien  und  Österreich-Ungarn
  ausgefüllt,  über  die  alle  beteiligten  belgischen  Diplomaten
eingehend  berichten‘).

Wiederholt  erscheint  im  Hintergrunde  der  Weltvorgänge  die  alles
zu  Deutschlands  Ungunsten  verknüpfende  englische  Politik,  die  um  Rußland
  wirbt,  um  mit  desto  größeren  Aussichten  in  der  Türkei  gegen  den
deutschen  und  den  österreichisch-ungarischen  Einfluß  anzukärnpfen?),  und
die  in  ihrem  Einkreisungsbestreben  nicht  erlahmt.  Demgegenüber  betont
der  deutsche  Kaiser  durch  seine  Zusammenkunft  mit  dem  italienischen
Herrscher  in  Venedig  im  März  die  Festigkeit  des  Dreibundes;  Italien  ist
seinen  Verpflichtungen  trotz  der  persönlichen,  auf  Loslösung  des  Halba

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!)  Vom  Verfasser  hervorgehoben.

2)  Belgische  Aktenstücke,  Nr.  41,  42  und  43;  Berlin,  29.  Januar,  2.  Februar
und  28.  März  1903.

3)  Belgische  Aktenstücke,  Nr.  42.

4)  Bd.  III,  S.  64  ff.

5)  Petersburg,  24.  Februar  1908,  Bd.  III,  S.  70  ff.

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