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nicht mißfallen, vom ersten Tage seines hohen Amtes an sein Bestreben
zu bekunden, sich fest zu zeigen und die Fahne des Vaterlandes hoch
zu halten. In den bewegten Zeiten, in denen sich Europa befindet, liegt
hier die Hauptgefahr der Anwesenheit des Herrn Poincar& im Elysee.
Unter seinem Ministerium sind die militaristischen und etwas chauvinistischen
Instinkte — das belgische Zirkular vom 5. März!) hatte schonend
hieraus gemacht: ‚die militärischen Empfindungen‘ — des französischen
Volkes wieder erwacht. Seine Hand hat man in diesem Umschwunge
erkannt; man muB hoffen, daß sein politischer, praktischer und kühler
Sinn ihn vor jeder Übertreibung in dieser Richtung bewahren wird.
Die beträchtliche Verstärkung der Rüstungen Deutschlands in dem Augenblick,
wo Herr Poincare ins Elysee einzieht, wird die Gefahr einer allzu
nationalistischen Orientierung der französischen Politik steigern.
In England beobachtete man das deutsch-französische Wettrüsten
mit angespanntester Aufmerksamkeit. Der dortige belgische Gesandte
aber — und diese Feststellung ist für uns wiederum besonders wichtig —
belastet keineswegs Deutschland einseitig mit der Schuld am Wettrüsten.
„Die englische Presse will natürlich Deutschland die Verantwortung
für die neue Spannung aufbürden, die aus seinen Plänen entsteht und
Europa Anlaß zu neuer Beunruhigung geben kann,“ berichtet Graf
v. Lalaing am 24. Februar 19132). ‚Viele Zeitungen sind der Ansicht,
die französische Regierung habe, indem sie sich zur Einführung der dreijährigen
Dienstzeit bereit erklärte und Herrn Delcasse nach Petersburg
schickte, die einzige Haltung eingenommen, die der großen Republik
angesichts einer deutschen Herausforderung würdig sei. Im Foreign
Office habe ich eine gerechtere und ruhigere Auffassung der Lage vorgefunden.
Man erblickt in der Verstärkung der deutschenArmeewenigereineHerausforderungalsdas
Eingeständnis einer durch die Ereignisse verschlechterten
militärischen Lage, die man verbessern
müsse®). Die Berliner Regierung muß eingestehen, daß
sie nicht mehr wie früher auf die Unterstützung durch alle Kräfte ihres
österreichischen Verbündeten rechnen kann, seitdem im Südosten Europas
in Gestalt des Balkanbundes, gerade in der Flanke der Doppelmonarchie,
eine neue Macht in Erscheinung getreten ist. Weit davon entfernt,
im Notfalle auf die volle Unterstützung der Wiener Regierung rechnen
zu können, wird Deutschland wahrscheinlich gezwungen sein, ihr seine
Hilfe zu leihen. Im Falle eines europäischen Krieges würde es seinen
Feinden auf zwei Fronten, der russischen und der französischen, Stand
halten und vielleicht seine eigenen Truppen schwächen müssen, um der
österreichischen Armee Hilfe zu leisten. Unter diesen Bedingungen
findet manes durchausnichterstaunlich,daß
das Deutsche-Reich das Bedürfnis fühlt,
!) Bd. IV, S. 125/126.
?) Bd. IV, S. 126/127 und Belgische Aktenstücke, Nr. 100.
®) Vom Verfasser hervorgehoben.
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