Contents : Realienbuch Nr. 3 (3)

96  Geschichte.  J

flossen  in  die  Staatskasse.  Friedrich  ließ  auch  „das  allgemeine  preußische  Landrecht“,
ein  Gesetzbuch,  ausarbeiten,  das  bis  1000  in  Geltung  geblieben  ist.  Dor  dem  Gesetze
waren  alle  Dreußen  gleich;  auch  der  König  stellte  sich  unter  das  Recht.  So  schuf
Friedrich  der  Große  den  preußischen  Richterstand  und  machte  Preußen  zu  einem  Rechtsstaate
  (Erzählung  vom  Müller  zu  Sanssouci).

8)  Schule.  Durch  ein  Gesetz,  das  „General-Land-Schulreglement“,  wurde  die
allgemeine  Schulpflicht  eingeführt  und  die  Schulaufsicht  geordnet.  Für  die  heranbildung
eines  tüchtigen  Lehrerstandes  sorgte  Friedrich  durch  Gründung  von  Lehrerseminaren.
In  einzelnen  Jällen  stellte  er  auch  alte  Soldaten  als  Lehrer  an;  sie  mußten  aber  ihre
Befähigung  durch  eine  Prüfung  nachweisen.

10.  Erwerbung  Westpreußens.  Das  Königreich  Holen  (hauptstadt  Warschau)
war  von  inneren  Streitigkeiten  und  häufigen  Bürgerkriegen  zerrissen.  Der  zahlreiche
übermütige  Adel  hielt  die  gänzlich  verkommenen  Bauern  in  Knechtschaft;  einen  Bürgerstand
  gab  es  nicht.  Da  der  nicht  mehr  lebensfähige  polnische  Staat  eine  Gefahr
für  die  Machbarn  war,  kamen  Rußland,  Esterreich  und  Hreußen  überein,  die  an  ihre
Länder  grenzenden  Gebiete  Dolens  in  Besitz  zu  nehmen  und  nur  einen  Teil  als  Königreich
  weiterbestehen  zu  lassen.  Bei  dieser  Teilung  Holens  (1772)  fiel  Westpreußen
außer  Danzig  und  Thorn,  sowie  das  Gebiet  an  der  Uetze  Friedrich  dem  Großen  zu,  so  daß
zwischen  Ostpreußen  und  Brandenburg-Dommern  nunmehr  die  Derbindung  hergestellt
war.  (Kartel)  Da  nun  das  ehemalige  Ordensland  Hreußen  (8.  75)  fast  ganz  zu
seinem  Staate  gehörte,  nannte  sich  Friedrich  von  dieser  Seit  an  „König  von  Preußen“.
Das  neuerworbene  Gebiet  befand  sich  freilich  in  jammervollem  Sustande.  Ganze  Landstriche
  waren  unbebaut;  Mölfe  machten  im  Winter  nicht  selten  den  Derkehr  unmöglich.
Die  Häuser  lagen  selbst  in  den  Städten  in  Schutt  und  Trümmern,  und  die  Menschen
wohnten  nicht  selten  zusammen  mit  ihren  haustieren  in  Kellern  und  Erdhöhlen.
Ohne  Schulen,  ohne  ordentliches  Gericht,  ohne  Post,  ohne  Krzte  und  Kpotheken  lebte
das  Dolk  in  fast  tierischer  Roheit  stumpf  dahin.  Unter  der  Fürsorge  GBriedrichs,
der  sofort  eine  geordnete  Derwaltung  einführte,  blühte  das  Land  schnell  auf.  Der
Uetzebruch  wurde  entwässert;  bald  verband  der  Bromberger-Kanal  Weichsel  und  Oder;
Straßen  wurden  gebaut,  Schulen  errichtet  und  deutsche  handwerker  in  das  Land  gezogen.
  In  wenigen  Jahren  wendete  Friedrich  7  Millionen  Taler  zu  Derbesserungen
auf.  Seine  Arbeit  hatte  so  sichtbare  Erfolge,  daß  benachbarte  polnisch  gebliebene
Landschaften  ihn  baten,  auch  preußisch  werden  zu  dürfen.  Deutsches  Wesen  und
deutsche  Bildung,  die  durch  die  lange  Dolenherrschaft  fast  vernichtet  worden  waren,
zogen  auf  diese  Weise  jetzt  von  neuem  in  das  alte  Ordensland  ein.  —  Westpreußen  verdankt
  sein  Blühen  und  Gedeihen  einzig  und  allein  der  preußischen  Derwaltung.

11.  Friedrich  der  Große  und  das  deutsche  Reich.  Noch  einmal  mußte  Friedrich
gegen  Esterreich  das  Schwert  ziehen.  Als  die  Kurfürsten  von  Bayern  ausstarben,  wollte
der  Kaiser  das  Land  an  sich  nehmen.  Hriedrich  erhob  dagegen  Einspruch  und  rückte
mit  seinen  Truppen  in  Böhmen  ein.  Ehe  es  aber  zu  Seindseligkeiten  kam,  gab  der
Kaiser  nach,  und  Bayern  fiel  an  die  Verwandten  des  verstorbenen  Kurfürsten.  Später
schlossen  sich  mehrere  deutsche  Fürsten  mit  Friedrich  zu  einem  Bunde  zusammen,  um
unter  Hreußens  Führung  Schutz  gegen  die  Erweiterungsgelüste  des  Naisers  zu  finden.

12.  Kriedrichs  Lebensende.  Sriedrich  der  Große  war  ein  einsamer  Mann  geworden.
  Seine  alten  Freunde  waren  gestorben;  seine  Gemahlin  Christine  lebte  entfernt
  von  ihm  und  hat  bei  seinen  Lebzeiten  Sanssouci  nie  betreten.  Zuch  das  geliebte