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zum Kaisertum ging über die Gräber ihrer Herrschaft, die anderen
Herrscher aber traten ihre oberste Würde ab: selbständige Kriegsherren
zu sein. Uber den Derlust ihrer Souveränität sagt Treitschke: „Nur
Dreußen ist ein souveräner Staat geblieben, die anderen nicht.“ Er
fährt fort:
Sn reden von einer „Kriegsherrlichkeit in Frieden“", welcher sich unsere
kleinen Könige noch zu rühmen hätten, ist ein Vorrecht theoretisierender
deutscher Hrofessoren; die Ausländer lachen darüber. In der äußeren Form
ist man ja mit aller denkbaren Schonung verfahren .., das ändert aber
nicht, daß in Wirklichkeit, trotz der politischen Vorbehalte, der König von
Bayern ebensowenig wie der König von Sachsen imstande ist, auch nur einen
Mann zu Kriegszwecken in Bewegung zu setzen.
Wir haben in diesem Teil unserer Darlegungen absichtlich nur
VBismarck und Treitschke zitiert, den Werkmeister und den literarischen Derold
des neuen Deutschen Reiches, um durch sie den politischen Charakter der
neuen Staatsgründung feststellen zu lassen. Was wir vorhin bei Besprechung
der wirtschaftspolitischen Reichsgründung sagten, muß hier bei
Betrachtuns des politischen Dorganges wiederholt werden: das Deutsche#
Reich ist durchaus unkonservativ entstanden! Das ist sein anfänglicher
Tharakter. Es entstand anders, als die nationale Bewegung es
sich gedacht hatte, es entstand durch einen militärischen WMonarchen und
seinen auf das Hündnadelgewehr rechnenden Kanzler, es entstand
militärisch-revolutionär. Als der Machttrieb die Demokraten brauchte,
nahm er sie, und nun wird er sie nie wieder los werden. Die alte vorbismarckische
Seit ist vorbei. Man kann sagen, daß niemand in ganz
Deutschland dem alten legitimistisch monarchischen Empfinden tiefere
Wunden geschlagen hat als Bismarck. Er hat bis in sein letztes Werk
binein die Mystik der Könige entschleiert, hat die alte Taivität der Untertanen
ruiniert, hat aber dafür etwas Neues in die Welt gesetzt: das
militärische Uaisertum, in dem der Machttrieb des Hohenzollernstaates
sich mit dem WMachttrieb des Tkationalgedankens einte, eine Weubildung,
die einen ganz neuen GSeitabschnitt einleitet. Das alte erobernde Dreußentum
tat 1866 seinen letzten großen Biß in die alte deutsche Reichsmasse hinein,
dann aber legte es sich schlafen. Hreußen wächst nicht mehr. Wilhelm I.
war der letzte Dreußenkönig im alten Sinn, zugleich der erste Kaiser.