Full text : Kriegführung und Politik.

Anschauung  Bismarcks  vom  wahrhaftigen  Krieg.  27

nach  außen.  Die  Liquidation  und  die  Auflassung  der  Forderung
angerichteter  Schäden  hat  nach  dem  Frieden  stattzufinden.“

Und:

„Ein  Staat,  der  um  seine  Existenz  kämpft,  ist  schließlich  im
Kriege  und  im  Frieden  nicht  immer  in  der  Lage,  sich  in  den  gewohnten
  Gleisen  zu  halten,  und  darin,  daß  er  das  nicht  ist,  besteht
gerade  die  Rechtssicherheit.  Wenn  wir  das  anders  auffassen
wollten,  dann  würden  wir  in  die  Lage  kommen,  wie  sie  ein  französischer
  Staatsmann  vor  etwa  zwanzig  Jahren  mit  den  Worten
schilderte:  „Ciest  la  Eégalité  qui  nous  tue.“  —  wir  halten  an  dem
Gesetz  fest,  und  wenn  wir  darüber  zugrunde  gehen.  Dieses  „la
légalité  nous  tue“  hat  eben  seine  Gegenwehr  in  dem  Notwehrrecht
des  Staates,  sobald  seine  Existenz  gefährdet  ist  und  in  Zweifel
gerät.“"

Besser  als  unter  König  und  Kaiser  Wilhelm  I.  durch  Bismarck
konnte  die  Kriegführung  gar  nicht  unterstützt  werden.

In  gleich  vollendeter  Weise  unterstützte  Moltke  die  Politik  durch
seine  Strategie.  Daß  er  „die  wahrhaftige  Form“  des  Krieges  als
gegeben  und  den  Vernichtungsgedanken  als  Grundgedanken  der
Kriegführung  für  den  allein  berechtigten  ansah,  braucht  nicht  erst
festgestellt  zu  werden.  Königgrätz  und  Sedan  zeugen  hierfür.

Hier  noch  ein  Beispiel,  wie  für  Moltke  die  Strategie  ein  System
der  Aushilfen  war:

Die  Verhältnisse  zwangen  ihn  1866,  das  preußische  Heer
Mitte  Juni  gegen  seine  Absichten  in  zwei  Hauptgruppen  um  Görlitz
und  Neiße  zu  versammeln.  Aus  dieser  Lage  heraus  mußten  die
Operationen  beginnen.  Die  Armeen  rückten  getrennt  auf  kürzestem
Wege  in  Böhmen  ein,  um  sich  hier  zu  vereinigen.  Dieser  Einmarsch
ist  vielfach  angegriffen  worden,  weil  die  österreichische  Armee,  richtig
geführt,  Gelegenheit  gehabt  hätte,  sehr  erhebliche  Teilerfolge  zu  erringen.
  Benedek  nutzte  die  Lage  nicht  aus.  Die  preußischen
Armeen  schlugen  gemeinsam  die  Schlacht  von  Königgrätz.  Moltke
urteilt  selbst:

„Die  Vereinigung  der  preußischen  Heere  im  rechten  Augenblick
  ist,  wenigstens  vom  preußischen  Generalstabe,  niemals  als  eine