Ballonpost. 171
Festung von aller Welt völlig abgesperrt war. Um noch in irgend
einer Verbindung mit der Außenwelt zu bleiben, ließ man in der
Festung Luftballons aufsteigen, welche Briefe befördern sollten. In
einem solchen Ballon befanden sich jedesmal an 12000 kleine Zettel
von Seidenpapier, welche in Packete zusammengebunden waren. Diese
Zettel enthielten auf der Vorderseite die Adresse, auf der Rückseite
kurze persönliche Notizen für Angehörige in der Heimath oder Freunde
und Bekannte. Jedem Ballon war ein amtliches Schreiben des
Kommandanten von Metz beigefügt, nach welchem jeder, der den
Ballon etwa auffände, aufgefordert wurde, die Zettelpackete bei der
nächsten Postanstalt aufzugeben und sich dafür von dem Maire des
Ortes 100 Franks auszahlen zu lassen.
Von preußischer Seite machte man Jagd auf solche Briefposten,
durch wohlgezielte Schüsse wußte man die Ballons zum Sinken zu
bringen, und die aufgefangene Korrespondenz gab denn manche interessante
Aufschlüsse über die Lage der Dinge in Metz Eigenthümlich
war es, daß selbst in der verzweifelten Lage, in welcher die franzö—
sischen Soldaten in der Festung sich befanden, fast niemand von
ihnen sich entschließen konnte, der Wahrheit die Ehre zu geben. Die
plumpesten Lügen sinden sich immer wiederholt, „wir sind in den vier
Schlachten vom 14., 16., 18., 31. August siegreich gewesen“ — „die
Preußen sind von uns geschlagen und haben entsetzliche Verluste er—
litten· — „wir werden bald die Entscheidungsschlacht liefern und
dann den Marsch nach Berlin antreten" — solche und ähnliche
Redensarten sind in den meisten Fällen der Inhalt der Ballonbriefe.
Beim Beginn der Einschließung von Metz standen das 1., 7.,
8. Korps noch als I. Armee unter dem besonderen Kommando des
Generals von Steinmetz. Mitte September schickte der König den
General von Steinmetz als Generalgouverneur nach Posen und stellte
die I. Armee unter den Oberbefehl des Prinzen Friedrich Karl. Das
Hauptquartier wurde von Doncourt nun nach Corny verlegt. Ob es
wahr ist, was erzählt wurde, daß der alte tapfere General von Steinmetz
durch eigenmächtige Disposizionen am Tage des 14. August die
Gnade seines königlichen Kriegsherrn verscherzt hatte, läßt sich zur
Zeit noch nicht entscheiden.