Contents : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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Seele  des  Landmanns  jene  natuͤrliche  Neigung  zu  seinem
angestammten  Landesherrn,  und  das  Mitleiden  zeigte  Ulrichen
  von  ganz  andern  Seiten,  als  die  waren,  welche  man
vorher  allein  an  ihm  sehen  zu  können  glaubte.  Ein  paar
der  vorzüglichsten  Erbfeinde  desselben  unter  dem  Adel  waren
unterdeß  gestorben,  und  die  übrigen  hatten  bei  der  neuen
Regierung  ihren  Vortheil  so  wenig  gefunden,  daß  sie  die
Wönsche  des  Landvolks  nicht  ungerne  hörren.  Die  neue  Hofhaltung
  war  so  karg  und  so  ganz  bloß  zur  Nothdurft  eingerichtet,
  daß  es  keinem  Ritter  zu  Stuttgart  mehr  gefallen
konnte  9);  die  Oekonomie  des  Statthalters,  der  etwa  achtzehn
  bis  zwanzig  Pferde  hielt,  konnte  man  eigentlich  nicht
einmal  Hofhaltung  nennen,  und  Ferdinand  selbst  verweilte
nie  zu  Stuttgart.  Das  ganze  alte  herzogliche  Kammergut
blieb  bloß  in  den  Händen  der  Landschaft  um  Schulden  zu
zahlen,  von  Jägerei  wurde  also  so  wenig  gehört  als  vom
Marstall.  Was  für  ein  ungereimtes  Leben  für  einen  Ritter
das  war,  und  doch  sollte  er  wohl  noch  häufigere  Dienste
thun  als  zu  Ulrichs  Zeiten;  manchmal  sprach  man  ihm  sogar
  von  Steucrn  und  Geldgeben,  wenn  etwa  Fälle  sich  ereigneten,
  wie  Ferdinands  Rdmische  Kdnigswahl,  wo  sich  allein
der  Churfürst  von  der  Pfalz  vierzig  tausend  Gulden  für  sein
Votum  bezahlen  ließ  52).  Bald  kam  Geschrei  in's  Land,
Ulrich  seh  wieder  mit  Schweizern  in  der  Nähe,  bald  wollte
Ferdinand  Türkenhülfe  haben,  bald  sollte  man  bei  seiner
Böhmischen  Königökrönung  zu  Prag  paradiren,  der  wohlhabendste
  Rirter  hätte  sich  hiebei  erschopfen  müssen,  ohne
einen  Dank  zu  bekommen.

*)  Einen  Theil  der  neuen  Einrichtung  s.  bei  Sattler  II.  Th.  S.  97.

*#  .)  Siehe  die  Churpfähzische  C  Quittung  in  Sattler  III.  Th.  Beil.
150.  S.  47