314
Seele des Landmanns jene natuͤrliche Neigung zu seinem
angestammten Landesherrn, und das Mitleiden zeigte Ulrichen
von ganz andern Seiten, als die waren, welche man
vorher allein an ihm sehen zu können glaubte. Ein paar
der vorzüglichsten Erbfeinde desselben unter dem Adel waren
unterdeß gestorben, und die übrigen hatten bei der neuen
Regierung ihren Vortheil so wenig gefunden, daß sie die
Wönsche des Landvolks nicht ungerne hörren. Die neue Hofhaltung
war so karg und so ganz bloß zur Nothdurft eingerichtet,
daß es keinem Ritter zu Stuttgart mehr gefallen
konnte 9); die Oekonomie des Statthalters, der etwa achtzehn
bis zwanzig Pferde hielt, konnte man eigentlich nicht
einmal Hofhaltung nennen, und Ferdinand selbst verweilte
nie zu Stuttgart. Das ganze alte herzogliche Kammergut
blieb bloß in den Händen der Landschaft um Schulden zu
zahlen, von Jägerei wurde also so wenig gehört als vom
Marstall. Was für ein ungereimtes Leben für einen Ritter
das war, und doch sollte er wohl noch häufigere Dienste
thun als zu Ulrichs Zeiten; manchmal sprach man ihm sogar
von Steucrn und Geldgeben, wenn etwa Fälle sich ereigneten,
wie Ferdinands Rdmische Kdnigswahl, wo sich allein
der Churfürst von der Pfalz vierzig tausend Gulden für sein
Votum bezahlen ließ 52). Bald kam Geschrei in's Land,
Ulrich seh wieder mit Schweizern in der Nähe, bald wollte
Ferdinand Türkenhülfe haben, bald sollte man bei seiner
Böhmischen Königökrönung zu Prag paradiren, der wohlhabendste
Rirter hätte sich hiebei erschopfen müssen, ohne
einen Dank zu bekommen.
*) Einen Theil der neuen Einrichtung s. bei Sattler II. Th. S. 97.
*# .) Siehe die Churpfähzische C Quittung in Sattler III. Th. Beil.
150. S. 47