Full text : Kolonialpolitik. Mein politisches Vermächtnis.

aber  das  heißbegehrte  Ziel  der  imperialistischen  Expansion  der
Großmaͤchte  waren.  Sie  sollen,  wenn  es  nach  dem  Willen  dieser
Großmaͤchte  ginge,  als  solche  von  der  Landkarte  verschwinden
und  Interessensphaͤren  oder  Kolonien  Platz  machen.  Unsere
Politik  hat  stets  an  der  Erhaltung  der  staatlichen  Selbständigkeit
  dieser  Gebiete  gearbeitet.  Denn  ihre  Bevölkerungen  sind
in  der  Lage,  ihre  Geschicke  selbst  zu  bestimmen.  Nördlich
dieser  Staatenreihe  dehnt  sich  die  Weite  des  asiatischen  Rußlands,
  über  dessen  kolonialen  Charakter  man  wenigstens  bezüglich
  großer  Teile  verschiedener  Meinung  sein  kann.  Es  befindet
sich  im  Zusammenhang  mit  dem  Niederbruch  der  russischen  Großmacht
  im  Schmelztiegel  der  Geschichte;  das  Produkt  bleibt  abzuwarten.
  Zur  eigentlichen  Kolonialsphäre  rechnet  dagegen
Vorder=  und  Hinterindien  mit  den  Sundainseln.  Hier  hält  England
  seine  Herrschaft  über  den  kostbarsten  Teil  seines  riesigen
Reiches  aufrecht  trotz  der  immer  stärker  werdenden  Forderungen
der  hochstehenden  Bevölkerungsteile  nach  Unabhängigkeit  und
Selbstbestimmung.  Hier  hält  Frankreich  sein  schwer  erkämpftes
Indochina  und  die  Niederlande  Insulinde,  die  Quelle  ihres
wirtschaftlichen  Wohlstandes,  beide  bedroht  von  den  begehrlichen
  Aspirationen  der  asiatischen  Großmacht,  die  die  Grenzen
ihres  jungen  Kolonialreichs  nach  allen  Seiten  vorzurücken
gewillt  zu  sein  scheint.  —

Der  jüngste  Erdteil  Australien  und  die  große  Inselgruppe
Neuseelands  sind  britische  Gliedstaaten,  die  sich  durch  das  fortschreitende
  Aussterben  der  Eingeborenen  und  die  relativ  geringe
Dichte  der  fast  rein  englischen  weißen  Bevölkerung  kennzeichnen.
Auch  sie  fühlen  sich  von  Japan  bedroht  und  schauen  nach  den
Vereinigten  Staaten  als  Nothelfern.