— 12 —
Vollskultur Schaden nimmt. Wir wollen es dem Elsässer
selber zum Bewußtsein bringen, daß es seine Pflicht gegen
sich selbst ist, deutsch zu reden.“ Daran ist etwas richtiges,
doch muß berüksichtigt werden, daß die Kenntnis der
deutschen Sprache und ihr ausschließlicher Gebrauch noch
keime Gewähr für eine deutsche Bildung bieten, und doß
anderseits die Kenntnis einer zweiten Sprache die Möglich
keit gibt, eine zweite Literatur kennen zu lernen, was
in jedem Falle eine Erweiterung des geistigen
Horizontes bedeutet. Mit dem Hinweis auf französische
Schundromane und Schwurlstpoeten ist da nichts bewiesen.
Es gibt auch im Deutschen schlechte Bücher und schlechte
Verse. Jedenfalls ist es eine harte Zumutung an den
Einzelnen, die tatsächlichen Vorteile, die ihm aus der
Zweisprachigkeit erwachsen, für ideale Gesichtspunkte herzugeben.
Wenn gmdezu verlangt wird, man solle einer
ganzen Generation im Elsaß die franzöfische Sprache vorenthalen,
15) so richten sich solche Fantastereien selbst.
Man lasse uns Elsässer unser Deutschtum
selbständig entwickeln!:s) Ein Rückblick auf die Bedeutung
unseres Landes und seiner Söhne jür die deutsche
Geistes= und Kulturgeschichte gibt uns ein Recht zu dieser
Forderung. Gute Ansätze sind auch heute genug vorhanden,
wenn sie auch von den deutschen Brüdern wenig
gewürdigt werden.
Unser „Elsässisches Theater“ ist deutsch seiner
ganzen Art nach, noch mehr aber ist es die Rüchtung, die
im „Alsabund“ einen Kristallisationspunlt hat. Und ob
anz Altdeutschland zur Zeit einen deutscheren Dichter be
ibt, als unseren Prisprich Lienhard, das haben wir
ein Recht zu fragen?). Wo ist die gepriesene deutsche Kultur,
4/ Zum Kennenlernen einer zweiten Literatur ist durchaunicht
nötig, daß man die betreffende zweite Sprache als Haussprache
verwerte. Auch ich habe französische, englische, italienische,
holländische, dänische und se wedische Sücher in der Ursprache gelesen,
von den alten „klassischen“ Sprachen. die einem die Schule
beibringt, noch zu schweigen; es wäre mir aber darum nie eingesallen,
eine dieser Sprachen mit meinen Kindern zu reden, auch
wenn ich sie nicht nur passiv, sondern auch aktiv beherrschen würde.
Ual. auch das Urteil des Filososen Lazarus S. 66 f.
#) Wer verlangt das? Heißt, eine Sprache zum Wahlfach
machen, n6 vorenthalten?
#) Geschieht hier!
„ Meriih, daß bieser Manu aber gerade Überall mehr
als im Elsaß gewürdigt wird. Seine „Was eusahhene :„3. B. trugen
ihm aus aller Herren Ländern anerkennen p schriften ein, auch
3 * sogar aus Japan: nur aus dem Elsaß blieben sie
2