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An die Möglichkeit eines Wiederdeutschwerdens des Landes
dachte sast niemand.
Da kam der Krieg und schuf eine neue Lage der Dinge,
die für den Elsässer eine Umwertung aller Werte, wenigstens der
völkischen und Bildungs-Werte, notwendig gemacht hätte, wenn
er mit den neuen Verhältnissen zufrieden hätte sein sollen. Dies
gilt bei den Katholiken für die Gesamtheit, bei den Evangelischen
wenigstens für die ganz erdrückende Mehrheit der Gebildeten
der letzten Geschlechtsfolge. Die Folge war der Protest; und die
Proteststimmung beeinflußte selbstverständlich auch die sprachliche
Entwicklung des Landes. Die nach und nach in höchstes
Ansehen gekommene und mehr und mehr als selbstverständlich
und unentbehrlich betrachtete fmnzösische Sprache wurde
durch die deutsche Regierung aus den Volksschulen der deutschredenden
Landesteile entfernt. Das war zwar ein sehr weiser
und selbstverständlicher Schritt, aber zunächst diente er allen
Deutschfeinden als Vorwand zur Losung, von nun ab die
Kinder in französischer Sprache zu erziehen, also die Schularbeit
durch Hausarbeit zu ersetzen, um so mehr als die deutsche
Muttersprache die preußischen Eroberungsgelüste erzeugt habe.“)
Wer sich nun irgendwie dazu fähig fühlte, auch nur halb oder
zum Drittel dazu imstande war, tat es. Heute ist es geradezu
Dogma geworden, daß man mit einem Kind anständiger Eltern
nur französisch reden dürfe. Wie tief dies Dogma bereits in
Fleisch und Blut übergegangen ist, kann einer, der dagegen
lündigt, jeden Augenblick erleben. Da kommt z. B. ein alter
Schulfreund urwerhofft auf Besuch. Die Unterhaltung wird,
wie früher immer, deutsch geführt. Da kommt neugierig die
zweijährige Kleine herbeigetrippelt. „Ah, bonjour, ma chere
petite! Donne vite la main! Comment t/appelles-tu#?“
Das Kind macht ein höchst dummes Gesicht und schaut den unheimlichen
Gast mit ängstlichem Staunen an. Der Vater entschuldigt
sie, sie verstehe den Onkel nicht. „Ja, wie sprecht ihr
denn mit eurein Kind?“ — „Ei, deutsch.“ Darwb unbeschreibliche
Verwunderung als über etwas noch nie Dagewesenes. Seinen
Bekannten erzählt dann der Betreffende den Verrat seines alten
Schulfreundes am „Elsässertum“: er hätte nicht von ihm gedacht,
daß ersich dermaßen zum „Schowinisten“ entwickeln würde. Und
dann die Schmach, die so ein „Schowinist“ seinen sämtlichen Verwandten
autut! Wie müssen sie sich vor all ihren Bekannten
derungebildeten Nichten und Neffen, bezw. Enkel, schämen! Mit
dem eigenen Kind nicht französisch reden, wenn mans — dank
*, lr d Letecsen. oyt in seiner Schrift „Das Deutschtum
in Elsaß- Lothr= „München 1902 . J. F. Lehmann 2.40 M. „, die Losung sei
von der Ligue d’Alsace in Frankreich ausgegangen.