Full text : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

—  28  —.

Zammer  seines  Resches  unvermählt  und  ohne  Erben  am  20.  Jan.
Oll.  Er  war  der  Letzte  von  dem  Karoliugischen  Mannsstamme
in  Bapern  und  Deutschland.

 

Zweiter  Absch  nitt.

Währendaller  dieser  Unruhen  kann  die  baperische  Nation
in  ihrer  Vervollkommnung  nicht  viel  weiter  fortschreiten.
d.  1.

Karl  der  Große  hatte,  wie  wir  bereits  gehört  haben,  schöne
Anstalten  zur  Aufnahme  der  Landwirthschaft,  der  Handwerke,  der
Künste,  des  Handels,  und  zur  Beförderung  nützlicher  Kenntnisse
und  der  Aufklärung  getroffen.  Auch  seine  Nachfolger  trugen  zur
Belebung  des  Ackerbaues,  durch  Stiftung  mehrerer  Klöster,  und
durch  Schenkungen  an  die  Geistlichkeit  sehr  vieles  bei.  Sie  räum—
ten  den  Klöstern  und  Geistlichen  viele  und  große  Strecken  öder
Gründe  ein,  welche  dann  diese  durch  ihre  Knechte  in  ein  frucht—
bares  Erdreich  verwandeln  und  fleißig  anbauen  ließen.  Je  mehr
aber  die  Zahl  derjenigen  zunahm,  welche  den  Ackerbau  trieben,
oder  durch  andere  besorgen  ließen,  desto  mehr  mußte  sich  auch  die
Zahl  derjenigen  vermehren,  welche  die  dazu  nöthigen  Geräthschaften
  und  die  übrigen  ihnen  uncitbehrlichen  Bedürfnisse  verfertigten.
Diese  Handwerker  machten  damals  noch  nicht  einen  besondern
Stand  aus,  wie  beut  zu  Tage;  sondern  sie  waren  Knechte,  deron
jeder  Besitzer  eines  Grundstückes  mehrere  oder  wenigere  hielt,  durch
die  er  alles,  was  er  nöthig  hatte,  verfertigen  ließ.

d.  2.

In  den  Klöstern  blühten  auch  bereits  verschiedene  Künste  auf:  die
Musik,  die  Malerkunst,  die  Kunst  in  Metall  zu  gießen  und  Schnitzarbeiten
  zu  verfertigen.  Man  widmete  sich  diesen  Künsten,  um  durch
die  Produkte  derselben  dem  Gottesdienste  eine  größere  Pracht  zu
verleihen.  Auch  sehlte  eS  den  Bayern  nicht  an  Talent  und  Fleiß.
Die  erste  Orgel  war  kaum  seit  hundert  Jahren  aus  Griechenland
nach  Deutschland  gebracht  worden,  und  schon  gab  es  damals  in
Bapern  geschickte  Männer,  welche  die  Kunst  verstanden,  Orgeln  zu