Full text : Die Sozialpolitik Bismarck's.

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Erfolg  darauf  gerichtet  gewesen,  das  teure  und  für  friedliche  Lohnarbeit
  unentbehrliche  Gut  des  Völkerfriedens  zu  erhalten,  trotz
aller  kriegerischen  Anläufe,  die  von  Oesterreich,  Frankreich  und
dem  russischen  Staatskanzler  Gortschakoff  ausgingen.  Ja,  Bismarcks
  tatkräftige  und  grundehrliche  Friedenspolitik  errang  schon
wenige  Jahre  nach  1871  einen  vollständigen  Umschwung  der
öffentlichen  Meinung  in  fast  allen  Staaten  der  Erde  —  ausser
Frankreich  natürlich  —  zu  Gunsten  des  jungen  Deutschen  Reiches.
Beim  Beginn  des  deutsch-französischen  Krieges  1870  hatte  Deutschland
  jn  der  ganzen  Welt  unter  allen  Mächten  nur  einen  einzigen
wahren  Freund  gehabt,  den  Zaren  Alexander  von  Russland.  In
diesem  Kriege  hatte  sich  Deutschland  als  stärkste  Waffenmacht
der  Erde  erwiesen,  und  nun  bangten  namentlich  die  kleinen  europäischen
  Staaten  vor  deutscher  Kriegs-  und  Eroberungslust.  Als
aber  Bismarck  die  ungeheure  Macht  des  Deutschen  Reiches  stetig
und  überall  nur  zur  Erhaltung  des  Friedens  einsetzte,  da  priesen
fast  alle  Staaten  der  Erde  die  Erstehung  und  Erringung  des
Deutsches  Reichs  als  eine  heilvolle  Segnung  und  Fügung  der  Vorsehung
  und  Bismarck  als  „den  ehrlichen  Makler“  des
Friedens  unter  den  Mächten  und  Staaten.

Die  innere  Gesetzgebung  des  Deutschen  Reiches
von  1871  bis  1878  trug  zwar  äusserlich  kein  sozialpolitisches
Gepräge,  förderte  gleichwohl,  wie  bereits  bemerkt,  das  Wohl  der
arbeitenden  Klassen  ausserordentlich.  Das  erste  dieser  Gesetze,
das  Reichshaftpflichtgesetz  von  1871  war  sogar  der  erste
direkte  Schritt  zur  deutschen  Sozialpolitik.  Ich  hatte  dessen  Erlass
  1869  ım  Norddeutschen  Reichstag  beantragt,  und  1871  kam
es  zustande,  allerdings  arg  belastet  und  verstümmelt  durch  Bedenken
  der  konservativen  Partei,  die  dem  bei  industriellen  Betriebsunfällen
  Verletzten  in  jedem  Einzelfall  den  Beweis  aufbürdeten,
  dass  nicht  er  selbst  die  Schuld  an  dem  Unfall  und  der
Verletzung  trage.  Diese  sehr  fühlbaren  Mängel  erkannte  namentlich
  Bismarck  deutlich,  und  sie  regten  bei  ihm  im  Laufe  der  Jahre
immer  eindringlicher  den  Gedanken  und  Plan  seiner  grossen  wirklichen
  Sozialpolitik  an.  Von  grosser  Bedeutung  auch  für  die  arbeitenden
  Klassen  war  dann  weiter  die  1871  beschlossene  Münzreform,
  die  in  den  deutschen  Münzgesetz  1873  in  Kraft
trat.  Denn  dadurch  wurde  dem  bisherigen  Münzelend  der  deutschen
  Kleinstaaterei  —  mit  sieben  verschiedenen  Münzfüssen  bis
1871  -  ein  Ende  gemacht,  die  Goldwährung  als  Grundlage  des
gesamten  deutschen  Münzsystems  und  die  Mark  als  Rechnungseinheit
  eingeführt.  Ebenso  segensreich  für  die  gesamte  Bevölkerung
  des  Reiches  wie  dieses  Gesetz  wirkte  dann  auch  die  einheitliche
  Regelung  des  deutschen  Staatspapiergeldes  durch  das  Reichsbankgesetz
  von  1875,  das  der  traurigen  alten  Zettelbankwirtschaft,
  der  Ausgabe  von  Hunderten  von  Millionen  ungedeckter
Banknoten  ein  Ende  machte,  indem  es  hinfort  an  deutschem  Papiergeld
  nur  Reichskassenscheine  und  nur  in  Höhe  von  385  Mil-