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liefert habe. Früher habe England in neuen Erfindungen
obenan gestanden. Jetzt bliebe es in jeglicher
Beziehung hinter Deutschland zurück. „In wissenschaftlicher
Beziehung sind alle überraschungen von
Deutschland gekommen; die neuen Waffen sind alle
deutsch. Englands Maßnahmen sind gegen die Wissenschaft
Deutschlands erfolglos gewesen. Wir können
das Glück des Krieges nur durch einen Wechsel unserer
Arbeitsweisen auf unsere Seite zwingen.
Allmählich ging der Vorsprung der englischen Industrie
verloren. Auch in der Schiffahrt war England
nicht rasch genug vorgeschritien, war nicht mehr Vermittler
und Verfrachter alles überseeischen Handels.
verkehrs der europäischen Staaten. Inmitten des
Vorwärtsstrebens Deutschlands und der Vereinigten
Staaten, aber auch anderer Länder verlangsamte sich
Englands wirtschaftliche Entwicklung, begann seine
Welthandelsstellung abzubröckeln.
Aus seiner Erstarrung wurde England wesentlich
durch die deutschen Fortschritte gerissen und zu neuen
Anstrengungen nach deutschem Vorbilde angeregt. Anfang
1917 plante man in London, um die Industrie
großzügig auszugestalten. nach Schaffung des großen
Schiffahrtskartells ein Stahlkartell und andere Kartelle
sowie die Begründung von Industriebanken und
bildete nach deutschem Vorbild einen Zentralverband
britischer Industrieller. Zunächst hat das englische
Munitionsantt im Laufe des Krieges alle Betriebe für
den Heeresbedarf übernommen, den Besitzern ihren
Durchschnittsgewinn der letzten drei Jahre verbürgt
und ihnen die zweckmäßigste Verwendunß bestimmter
Maschinen, der Arbeitsart und Arbeitskräfte, unter
Heranziehung nordamerikanischer Ingenieure und
Maschinen, vorgeschrieben, um bei möglichst geringem
Verbrauch von Rohstoff und Arbeitskraft höchste Leistungsfähigkeit
(vom Erz bis zur Granate) zu erzielen.
Von dieser Kriegszwangsorganisation und ihren Erfahrungen
erwartet man die Beseitigung veralteter
und verschwenderischer Betriebsarten und von der
staatlich eingeleiteten Zusammenfassung der Industrie
eine nachhaltige Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit
auf dem Weltmarkt in der Nachkriegszeit.
Indessen man übersah, daß sich alle Kulturstaaten,
selbst die eigenen Kolonien, industriell entwickelten.
den heimischen Markt selbst zu versorgen suchten und
ausfuhrkräftiger wurden. übersah auch die Gefahr, die
von den Vereinigten Staaten her drohte. Weitaus am
stärksten war deren Bevölkerungszuwachs, war unter
dem Schutz höchster Zölle der industrielle Ausschwung,
im Laufe des Krieges noch mächtig gefördert durch die
englischen Milliardenbeslellungen an Kriegsbedarf.
Schon vor dem Kriege hatte die nordamerikanische
Industrie fast in allen Zweigen die englische überholt.
Man wollte die große Gefahr dieses Wettbewerbs
nicht sehen, wollte mit der Union um jeden Preis befreundet
bleiben und hoffte, daß ihr Wettbewerb auf
ungesunder Grundlage stehe, zu teuer arbeite und
schließlich erschlaffen müsse. Im Laufe des Krieges
geatote man anderseits an eine Neubelebung und
tärkung der englischen Industrie durch nordamerikanische
Einflüsse wie durch den Krieg selbst, der die
alte Industrie zu erhöhter Erzeugung angestachelt und
neue Industriezweige hervorgerufen habe. Doch war
es fraglich, ob nicht gerade der Krieg zur Verschiebung
des Welt= und Geldverkehrs von London nach Neuyork
führen würde. Genug, unverwandt blickte man
in England, und tut es noch immer im Banne der
Presse und ihrer Aufreizungen und Verdächtigungen,
V. Recht und Volkswirtschaft
nur auf den deutschen Emporkömmling, der sich von
der wirtschaftlichen Vorherrschaft Englands befreit
hatte, nur auf die deutsche Gefahr. Sie sollte beseitigt
und mit dem deutschen Wettbewerb vernichtet werden.
Außenhandel.
Mit einem Außenhandel von 28,6 Milliarden Mark
stan England 1913 an der Spitze der Welthandelstaaten,
an zweiter Stelle Deutschland mit 22,5, an
dritter Stelle die Vereinigten Staaten mit 18 Milliarden
Mark. Allein die beiden Mitbewerber hatten
raschere Fortschritte gemacht als England und waren
auf dem Wege, es zu überflügeln.
Englands Ausfuhr steigerte sich von aseni) 3,2 Milliarden
Mark auf #872) 6,8 Milliarden Mark, verminderte
sich infolge der ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse
auf u878) 4.9 Milliarden, blieb mit 5,0 Milliarden
bis 1900 im Stillstand und hob sicherst danach.
Einfuhr dAusfuhr s Zufammen
in Millionen Mark
1900 191 1%0 D1 1
Deutschland 5“ snnOnL„ 2,0
England 94 134 1, 15,2 24.1
Verein. Staaten 3,5 27268 5,6 10, — 17,
Anteil am Welthandek #n Prozenten).
18½0 1900 1912
Deutschlaadddd 11,1 12,1 126
England.. 28,5 19.5 16,2
Vereinigte Staaten — 10,5 —
Englands Ausfuhr war im Hinblick auf die Kleinheit
seines inneren Marktes und auf die Größe seiner
Industrie nicht hoch. Deutschlands Außenhandel entwickelte
sich mehr zu Lande als mit übersee. Die englische
Ausfuhr besand zu ¼, die deutsche zu /8, die
nordamerikanische zu 3/10 aus Industrieerzeugnissen.
Im Laufe des Krieges erhöhte sich Englands Außenhandel
seit 1914, aber in der Einfuhr nur dem Werte
nach infolge der starken Steigerung der Lebensmittelpreise
und in der Ausfuhr durch die Massenlieferungen
an Kriegsbedarf für Frankreich.
Englands Außenhandel 1914—16 (in WMilliarden Marh.
Einfuhr Ausfuyhr Überschuß der Einfuhr
1914. 1I400 10,6 **
1915 17,4 9.9 7,6
1916 . 19,0 10,1 8.9
50,“ — 19,
Nach Warengruppen 1916 (in Milliarden Mark
,Einfuhr Ausfuhr
Leben smittel und Getlräkke 6,4 *e
NRohsiofffeeeee::: 6. 1,2
Fabrikate. 3,6 7.
Wie die Einfuhr, so nahm auch die Ausfuhr der
Menge nach ab, dem Werte nach zu.
Englands Hauptlieferer waren bis Kriegsbeginn
seine Kolonien und an zweiter Stelle die Vereinigten
Staaten, die ihre Ausfuhr nach England von (1918
2,8 Milliarden Mark auf (1918) 4.7 Milliarden Mark
erhöhten, so an die erste Stelle traten und bei Herstellung
von Kriegsbedarf England mindestens zeilweilig
überflügelten.
In der Zeit von 1913 bis 1916 änderte sich die
Richtung des englischen Außenhandels. Englands
Ausfuhr nach den verbündeten Ländern verdoppelte
sich namentlich durch die Kriegsbedarfsausfuhr, verblieb
nach den Kolonien in gleicher Höhe und nahm
nach den neutralen Ländern ab. Dagegen gingen
Englands Einfuhren aus den verbündeten Ländern