Contents : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1838. (29)

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liefert  habe.  Früher  habe  England  in  neuen  Erfindungen
  obenan  gestanden.  Jetzt  bliebe  es  in  jeglicher
Beziehung  hinter  Deutschland  zurück.  „In  wissenschaftlicher
  Beziehung  sind  alle  überraschungen  von
Deutschland  gekommen;  die  neuen  Waffen  sind  alle
deutsch.  Englands  Maßnahmen  sind  gegen  die  Wissenschaft
  Deutschlands  erfolglos  gewesen.  Wir  können
das  Glück  des  Krieges  nur  durch  einen  Wechsel  unserer
Arbeitsweisen  auf  unsere  Seite  zwingen.

Allmählich  ging  der  Vorsprung  der  englischen  Industrie
  verloren.  Auch  in  der  Schiffahrt  war  England
nicht  rasch  genug  vorgeschritien,  war  nicht  mehr  Vermittler
  und  Verfrachter  alles  überseeischen  Handels.
verkehrs  der  europäischen  Staaten.  Inmitten  des
Vorwärtsstrebens  Deutschlands  und  der  Vereinigten
Staaten,  aber  auch  anderer  Länder  verlangsamte  sich
Englands  wirtschaftliche  Entwicklung,  begann  seine
Welthandelsstellung  abzubröckeln.

Aus  seiner  Erstarrung  wurde  England  wesentlich
durch  die  deutschen  Fortschritte  gerissen  und  zu  neuen
Anstrengungen  nach  deutschem  Vorbilde  angeregt.  Anfang
  1917  plante  man  in  London,  um  die  Industrie
großzügig  auszugestalten.  nach  Schaffung  des  großen
Schiffahrtskartells  ein  Stahlkartell  und  andere  Kartelle
  sowie  die  Begründung  von  Industriebanken  und
bildete  nach  deutschem  Vorbild  einen  Zentralverband
britischer  Industrieller.  Zunächst  hat  das  englische
Munitionsantt  im  Laufe  des  Krieges  alle  Betriebe  für
den  Heeresbedarf  übernommen,  den  Besitzern  ihren
Durchschnittsgewinn  der  letzten  drei  Jahre  verbürgt
und  ihnen  die  zweckmäßigste  Verwendunß  bestimmter
Maschinen,  der  Arbeitsart  und  Arbeitskräfte,  unter
Heranziehung  nordamerikanischer  Ingenieure  und
Maschinen,  vorgeschrieben,  um  bei  möglichst  geringem
Verbrauch  von  Rohstoff  und  Arbeitskraft  höchste  Leistungsfähigkeit
  (vom  Erz  bis  zur  Granate)  zu  erzielen.
Von  dieser  Kriegszwangsorganisation  und  ihren  Erfahrungen
  erwartet  man  die  Beseitigung  veralteter
und  verschwenderischer  Betriebsarten  und  von  der
staatlich  eingeleiteten  Zusammenfassung  der  Industrie
eine  nachhaltige  Stärkung  ihrer  Wettbewerbsfähigkeit
auf  dem  Weltmarkt  in  der  Nachkriegszeit.

Indessen  man  übersah,  daß  sich  alle  Kulturstaaten,
selbst  die  eigenen  Kolonien,  industriell  entwickelten.
den  heimischen  Markt  selbst  zu  versorgen  suchten  und
ausfuhrkräftiger  wurden.  übersah  auch  die  Gefahr,  die
von  den  Vereinigten  Staaten  her  drohte.  Weitaus  am
stärksten  war  deren  Bevölkerungszuwachs,  war  unter
dem  Schutz  höchster  Zölle  der  industrielle  Ausschwung,
im  Laufe  des  Krieges  noch  mächtig  gefördert  durch  die
englischen  Milliardenbeslellungen  an  Kriegsbedarf.

Schon  vor  dem  Kriege  hatte  die  nordamerikanische
Industrie  fast  in  allen  Zweigen  die  englische  überholt.
Man  wollte  die  große  Gefahr  dieses  Wettbewerbs
nicht  sehen,  wollte  mit  der  Union  um  jeden  Preis  befreundet
  bleiben  und  hoffte,  daß  ihr  Wettbewerb  auf
ungesunder  Grundlage  stehe,  zu  teuer  arbeite  und
schließlich  erschlaffen  müsse.  Im  Laufe  des  Krieges
geatote  man  anderseits  an  eine  Neubelebung  und

tärkung  der  englischen  Industrie  durch  nordamerikanische
  Einflüsse  wie  durch  den  Krieg  selbst,  der  die
alte  Industrie  zu  erhöhter  Erzeugung  angestachelt  und
neue  Industriezweige  hervorgerufen  habe.  Doch  war
es  fraglich,  ob  nicht  gerade  der  Krieg  zur  Verschiebung
des  Welt=  und  Geldverkehrs  von  London  nach  Neuyork
  führen  würde.  Genug,  unverwandt  blickte  man
in  England,  und  tut  es  noch  immer  im  Banne  der
Presse  und  ihrer  Aufreizungen  und  Verdächtigungen,

V.  Recht  und  Volkswirtschaft

nur  auf  den  deutschen  Emporkömmling,  der  sich  von
der  wirtschaftlichen  Vorherrschaft  Englands  befreit
hatte,  nur  auf  die  deutsche  Gefahr.  Sie  sollte  beseitigt
und  mit  dem  deutschen  Wettbewerb  vernichtet  werden.

Außenhandel.

Mit  einem  Außenhandel  von  28,6  Milliarden  Mark

stan  England  1913  an  der  Spitze  der  Welthandelstaaten,
  an  zweiter  Stelle  Deutschland  mit  22,5,  an

dritter  Stelle  die  Vereinigten  Staaten  mit  18  Milliarden
  Mark.  Allein  die  beiden  Mitbewerber  hatten
raschere  Fortschritte  gemacht  als  England  und  waren
auf  dem  Wege,  es  zu  überflügeln.

Englands  Ausfuhr  steigerte  sich  von  aseni)  3,2  Milliarden
  Mark  auf  #872)  6,8  Milliarden  Mark,  verminderte
  sich  infolge  der  ungünstigen  Wirtschaftsverhältnisse
  auf  u878)  4.9  Milliarden,  blieb  mit  5,0  Milliarden
  bis  1900  im  Stillstand  und  hob  sicherst  danach.

Einfuhr  dAusfuhr  s  Zufammen
in  Millionen  Mark
1900  191  1%0  D1  1
Deutschland  5“  snnOnL„  2,0
England  94  134  1,  15,2  24.1
Verein.  Staaten  3,5  27268  5,6  10,  —  17,
Anteil  am  Welthandek  #n  Prozenten).

18½0  1900  1912

Deutschlaadddd  11,1  12,1  126
England..  28,5  19.5  16,2
Vereinigte  Staaten  —  10,5  —

Englands  Ausfuhr  war  im  Hinblick  auf  die  Kleinheit
  seines  inneren  Marktes  und  auf  die  Größe  seiner
Industrie  nicht  hoch.  Deutschlands  Außenhandel  entwickelte
  sich  mehr  zu  Lande  als  mit  übersee.  Die  englische
  Ausfuhr  besand  zu  ¼,  die  deutsche  zu  /8,  die
nordamerikanische  zu  3/10  aus  Industrieerzeugnissen.

Im  Laufe  des  Krieges  erhöhte  sich  Englands  Außenhandel
  seit  1914,  aber  in  der  Einfuhr  nur  dem  Werte
nach  infolge  der  starken  Steigerung  der  Lebensmittelpreise
  und  in  der  Ausfuhr  durch  die  Massenlieferungen
an  Kriegsbedarf  für  Frankreich.

Englands  Außenhandel  1914—16  (in  WMilliarden  Marh.

Einfuhr  Ausfuyhr  Überschuß  der  Einfuhr
1914.  1I400  10,6  **
1915  17,4  9.9  7,6
1916  .  19,0  10,1  8.9
50,“  —  19,
Nach  Warengruppen  1916  (in  Milliarden  Mark
,Einfuhr  Ausfuhr
Leben  smittel  und  Getlräkke  6,4  *e
NRohsiofffeeeee:::  6.  1,2
Fabrikate.  3,6  7.

Wie  die  Einfuhr,  so  nahm  auch  die  Ausfuhr  der
Menge  nach  ab,  dem  Werte  nach  zu.

Englands  Hauptlieferer  waren  bis  Kriegsbeginn
seine  Kolonien  und  an  zweiter  Stelle  die  Vereinigten
Staaten,  die  ihre  Ausfuhr  nach  England  von  (1918
2,8  Milliarden  Mark  auf  (1918)  4.7  Milliarden  Mark
erhöhten,  so  an  die  erste  Stelle  traten  und  bei  Herstellung
  von  Kriegsbedarf  England  mindestens  zeilweilig
  überflügelten.

In  der  Zeit  von  1913  bis  1916  änderte  sich  die
Richtung  des  englischen  Außenhandels.  Englands
Ausfuhr  nach  den  verbündeten  Ländern  verdoppelte
sich  namentlich  durch  die  Kriegsbedarfsausfuhr,  verblieb
  nach  den  Kolonien  in  gleicher  Höhe  und  nahm
nach  den  neutralen  Ländern  ab.  Dagegen  gingen
Englands  Einfuhren  aus  den  verbündeten  Ländern