Wir pflegen gemeiniglich diejenigen historischen Vorgaͤnge
auch „Weltgeschichte“ zu nennen, die strenggenommen
— wenigstens etwa seit der Völkerwanderung
— nur die Geschichte Europas bilden. Das romische
Imperium war zerfallen, die großen asiarischen Reiche
waren längst in Trümmer gesunken oder lebten, wie
China, Japan, Indien, ein abgeschlossenes Sonderleben.
Die Laͤnder Amerikas waren noch kolontale Abhängigkeiten
Europas und entwickelten sich erst spät und allmählich
zu selbständigen Staaten. Europa war der
Brennpunkt der kulturellen Entwicklung, die, zum Teil
auch alte Werte umprägend, eine neue Jivilisation hervorbrachte
und wiederum über die Erde trug, sowie der
politischen Betäcigung, die durch den Wertstreit der einzelnen
Staaten fortgesetzt Wechsel und neues Leben erhielt
und sich auch auf die anderen Weltteile ausdehnte.
In diese europaäische Geschichte ist Rußland erst Anfang
des 18. Jahrhunderts eingetreten. Der Firnis
westlicher Kultur, den Peter der Große und seine Nachfolger
aus deutschem Fürstenhause dem Jarenreich gaben,
die Verlegung der Haupestadt an die nordwestliche Peripherie,
die Einmischung in die europäischen Händel seit
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