Contents : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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Und  aus  dem  Berge,  wo  es  stand,
zieht  es  wieder  mit  eigener  Hand
ein  Beinchen  nach  dem  andern
und  begibt  sich  noch  einmal  aufs  Wandern.

60  Die  Reise  macht  diesmal  viel  Beschwer,
kein  Weg,  kein  Steg  war  ringsumher.
Dem  Veilchen  flimmert's  vor  dem  Blick;
es  schwindelt,  es  kann  nicht  wieder  zurück.
Da  setzt  es  die  letzte  Kraft  noch  daran,

65  zum  Tode  ermattet  kommt's  oben  an.
Ach,  da  war  der  Boden  von  Stein,
kann  mit  den  Füßen  nicht  hinein!

Der  Wind,  der  bläst  so  hart,
das  Veilchen  vor  Frost  erstarrt.

70  Es  zappelt  mit  allen  Würzlein,
bedeckt  sie  mit  dem  grünen  Schürzlein,
friert  sehr  an  Händen  und  Beinen;
da  fängt's  bitterlich  an  zu  weinen.

Die  blauen  Bäckchen  werden  weiß,

75  die  Tränen  gefrieren  darauf  zu  Eis.

„Ach,  wär'  ich  geblieben  im  Tale  dort!“
Das  war  Blarveilchens  letztes  Wort.
Darauf  sank  es  um
und  blieb  stumm.

147.  Jung  Bäumchen.  von  Friedrich  Güll.

Jung  Bäumchen  war  geklammert
an  einen  Pfahl.
Darüber  hat  gejammert
es  manches  Mal:
„O  weh,  die  Weidenschleifen,
wie  die  mich  immer  kneifen!
Das  ist  mir  eine  rechte  Qual!“

2.  Der  Gärtner  hat  das  junge
gebunden  los;
da  Kam  der  Sturm  im  Sprunge
mit  Schritten  groß.
Ein  jedes  Blättlein  pflückt  er,
und  ab  das  Bäumchen  knickt  er  —
mun  ist  der  Jammer  erst  recht  groß.