Metadata : Die Gewerbefreiheit für Bayern.

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dazu  gehoͤre,  um  eine  solche  mit  Erfolg  durchzufuͤhren.  Das  System
der  Vielregiererei  ist  aufgegeben,  in  der  Ueberzeugung,  daß  die  freie
Thätigkeit  des  Einzelnen  trotz  mancher  etwaiger  Uebelstände  doch,  im
Ganzen  betrachtet,  zu  einem  weit  gedeihlicheren  Resultate  führe,  als  die,
wenn  auch  gut  gemeinte,  doch  wegen  unzureichender  Kenntniß  der  individuellen
  Verhältnisse  mangelhafte  oder  verderbliche  Leitung  des  Gewerbswesens
  durch  die  Regierung.  Endlich  erscheint  es  bei  dem  in
heutiger  Zeit  so  sehr  vermehrten  Wechselverkehr  der  Völker  inconsequent
und  benachtheiligend  für  den  innern  Wohlstand,  die  eigenen  Landesbewohner
  in  der  Production  zu  beschränken  und  unzünftigen  Arbeitem
einen  selbstständigen  Erwerb  entziehen  zu  wollen,  während  bei  den  bestehenden
  Verhältnissen  eines  Weltmarkts  kein  unter  ganz  freien  Institutionen
  arbeitender  Ausländer  verhindert  werden  kann  für  den  inländischen
  Bedarf  zu  produciren.“  —

(Die  Ansicht,  daß  der  „Staat"  den  Inbegriff  aller  Weisheit  für
das  Gewerbeleben  in  sich  fasse,  könnte  praktisch  zunächst  in  Bayern
durch  die  Betrachtung  widerlegt  werden,  daß  einzelne  industrielle  Unternehmungen
  auf  Staatskosten,  wie  die  Nymphenburger  Porzellanfabrik,
das  Hüttenwerk  in  Obereichstädt,  Brauereien  2c.  nur  ungenügendes
Fortkommen  gefunden  haben.)

Die  Gewerbe  in  Bayern.

Die  bayerische  Presse  hatte  dem  heimischen  Gewerbwesen  zu  wenig
Aufmerksamkeit  geschenkt.  Die  Herren  Zeitungsschreiber  und  Verleger,
zumal  in  München,  fürchteten  sich  förmlich,  diesen  heiklen  Punkt  zu
verühren.  Die  Abonnentenzahl  des  Lokalblattes,  vielleicht  sein  ganzes
  Eristiren  war  von  solchem  Schweigen  zu  Gunsten  des  berechtigten
Zunftwesens  bedingt.  Selbst  die  sogenannten  liberalen  Blätter,  die
täglich  über  des  Vaterlandes  Größe  und  Einheit  oratorische  Ergüsse
fließen  ließen,  hatten  sich  gescheut,  anregende,  aufklärende  und  vorbereitende
  Artikel  zur  Erörterung  der  Gewerbefrage  zu  bringen.  Sie
machten  mit  dieser  stummen  Verbeugung  immer  ein  Compliment  gegen
die  Beschränkungsfreunde,  die  da  donnern:  Sprecht  uns  von  allen
Schrecken,  aber  nur  von  der  Gewerbefreiheit  nicht!  Aengstlich  hatte
man  die  Wunde  verhüllt,  und  jetzt  —  ist  sie  plötzlich  aufgeplatzt
Jetzt  glaubt  man  diese  Wunde  mit  dem  alten  Pech  des  behärdlichen
Schuztzes  verkleistern  zu  können,  den  siechen  Patienten  homöopathisch  zu
heilen;  eine  Menge  Artikel,  besonders  in  den  Münchener  Blättern,  Ver-