526 Sweites Kapitel.
bett des Fürsten Bismarck hielt Kaiser Wilhelm am 10. April 1874 mit
diesem, dem Grafen Mloltke und dem Kriegsminister von Kameke, der
an Roons Stelle getreten war, eine Beratung über den Dorschlag. Das
Ergebnis derselben war, daß Kaiser Wilhelm sich mit dem „Septennat"
einverstanden erklärte. Die Nachricht hiervon erregte im Zeichstage den
größten Jubel, und mit 224 gegen 146 Stimmen nahm der Reichstag
die siebenjährige Dauer des Gesetzes an. Eine Krise, die für Deutschlands
inneres Leben wie für seine äußere Schlagfertigkeit große Gefahren
in sich barg, war damit glücklich vermieden und, wie Kaiser Wilhelm
in der Thronrede, mit der er am 26. April den Reichstag schlo, betonte,
„dem deutschen Heere war eine seiner Bedeutung für das Reich
entsprechende Festigkeit der Gestaltung gesichert".
Im folgenden Jahre erhielt die Wehrgesetzgebung des Deutschen
Reiches ihren Schlußstein in dem „LCandsturm-Gesetz“. Denn dies verwandelte
den Landsturm aus einem ungeregelten Aufgebot der gesamten
Bevölkerung in eine geordnete und militärisch organisierte Derwendung
aller derjenigen Wehrpflichtigen vom 17. bis 42. Jahre, die weder dem
Beere noch der Flotte angehörten. Es führte damit der auf dem Kriegsfuße
1285701 Mann zählenden Armee für den Kriegsfall noch eine
Derstärkung von 000000 Mann zu, bestimmt zur Besetzung der Festungen
und zur Landesverteidigung.
Das war eine gewaltige Rüstung, mit der angethan das Deutsche
Reich keinen äußeren Feind zu fürchten brauchte. Nun aber erstand,
gerade aus den großen Erfolgen der letzten Jahre heraus geboren, im
Innern ihm eine Feindschaft, geeignet und beflissen, Unruhe und Miß—
behagen in alle Derhältnisse hineinzutragen. Es war die Feindschaft der
katholischen Kirche.
Durch die Einigung Italiens war der Hapst des Kirchenstaates verlustig
gegangen; nur Rom erbielt ihm die französische Zesatzung. Und
gerade mit diesem Italien verbündete sich Hreußen und schloß durch
seine Siege das katholische Gsterreich aus Deutschland aus. Das evangelische
ODreußen übernahm allein die Führung. Das erregte bei den
Katholiken Mißtrauen und Befürchtungen, so daß schon im Keichstage
des Norddeutschen BZundes die katholischen Abgeordneten zu einer geschlossenen
Gruppe sich zusammenthaten. So entstand die Sentrumspartei.
Ersatz für den Derlust des Fürstentums, den er erlitten, suchte nun
der greise Dapst Dius IX. in geistlichen Entwürfen außerordentlichster
Art. Er unternahm es, die päpstliche Unfehlbarkeit, wie er selbst daran
glaubte, als ein Dogma der Christenheit durch ein Konzil zur allgemeinen