Full text : Preußische Geschichte. Vierter Band. (4)

IV.  Die  Lösung  der  deutschen  Frage.  413

Je  mehr  aber  Preußens  militärische  Leistungsfähigkeit  unter—
schätzt  worden  war,  um  so  mehr  wollten  auch  die  Unbeteiligten
es  in  seinem  Siegeslauf  aufhalten:  namentlich  Napoleons  III.
Berechnungen  hatte  dieser  Ausgang  durchkreuzt.  Während  er
gehofft  hatte,  sich  des  besiegten  Preußen  annehmen,  sich  Oesterreich
  dabei  zu  Dank  verpflichten  und  das  Protektorat  über  die
deutschen  Mittelstaaten  erlangen  zu  können,  rief  nun  vielmehr
das  besiegte  Oesterreich  seinen  Schutz  an.  Am  4.  Juli  stellte
Franz  Joseph  Venetien  zu  seiner  Versügung,  um  Italien  zu
befriedigen,  obgleich  dieses  sowohl  zu  Lande  wie  zur  See  unglücklich
  gefochten  hatte.  Aber  sein  Gesuch  um  einen  Waffenstillstand,
  dae  gleichzeitig  General  Gablenz  in  das  preußische
Hauptquartier  brachte,  wurde  dort  abgelehnt.  Gerade  der
König  wollte  den  Sieg  um  so  vollkommener  ausnützen,  je
schwerer  ihm  der  Entschluß  zum  Kriege  geworden  und  je
größer  das  Wagnis  gewesen  war,  und  daher  im  Einverständnis
  mit  seinen  militärischen  Beratern  Oesterreich  demütigen
stehenden  Fürsten  möglichst  vergrößern.  Dagegen  dachte  Bismarck
  schon  jetzt  weiter.  Auch  in  dem  besiegten  Oesterreich
wollte  er  den  künftigen  Verbündeten  des  unter  Preußen
geeingten  Deutschland  schonen  und  daher  alles  vermeiden,
was  die  baldige  Versöhnung  erschweren  konnte.  Augenblicklich
  überwog  der  militärische  Einfluß:  die  kronprinzliche
  Armee  drang  auf  Olmütz  vor,  und  bald  standen  die
preußischen  Posten  angesichts  der  Wien  schützenden  Florisdorfer
Schanzen.

Inzwischen  war  der  französische  Gesandte  in  Berlin,
Graf  Benedetti,  trotz  der  auf  Veranlassung  Bismarcks  seiner
Reise  bereiteten  Hindernisse  im  Hauptquartier  eingetroffen  und
damit  die  gewaffnete  Einmischung  Frankreichs  in  drohende
Nähe  gerückt.  Denn  Napoleon  III.  machte  mit  einemmal  kein
Hehl  daraus,  daß  er  mit  Rücksicht  auf  die  Stimmung  seines

eine  Forderung,  deren  Ruchbarwerden  allerdings  nur  dazu  bei-