März 1903. 439
auch jede mögliche Bürgschaft dafür, daß für alle bisher
im Dreibund vorgesehenen Fälle unsere Verbündeten
ebenso fest und tren zu uns stehen.
Dann habe ich ferner daran festgehalten, meine Herren, daß die
Unterhandlung wegen der Dreibunderneuerung nicht verquickt werden
durfte mit Angelegenheiten, die nichts zu tun hatten mit den Beweggründen,
ans denen seinerzeit der Dreibund ins Leben gerufen worden
ist, also namentlich nicht mit Zoll= und handelspolitischen Fragen.
(Bravo! rechts.)
Der Dreibund, meine Herren, erleichtert die Aufrechterhaltung befriedigender
wirtschaftlicher Beziehungen unter den durch ihn verbundenen Reichen;
er gibt die Möglichkeit, sich vertranensvoll auch über handelspolitische
und wirtschaftliche Absichten und Wünsche auszusprechen. Aber davon
konnte keine Rede sein, daß wir die Erneuerung des Dreibunds
mit irgendwelchen zollpolitischen Zugeständnissen
erkauft hätten.
(Sehr gut! rechts.)
Ich konstatiere das gegenüber einer Aeußerung, die ein Mitglied, ein von
mir sehr geschätztes Mitglied des hohen Hanses, der Herr Abgeordnete
Hasse
(Heiterkeit),
vorgestern in einer Wahlversammlung gemacht hat. Ich habe heute morgen
in den „Leipziger Neuesten Nachrichten“ gelesen, daß der Herr Abgeordnete
Hasse in dieser Wahlversammlung neben sehr vielen hübschen
Sachen
(Heiterkeit)
etwas gesagt hat, was vollständig unrichtig ist, wenn er nämlich behauptete,
Graf Bülow habe bei den politischen Verhandlungen über die
Ernenerung des Dreibundes ohne Gegenleistung von italienischer Secite
deutsche wirtschaftliche Interessen preisgegeben. Ich stelle also fest, daß
davon gar nicht die Rede gewesen ist.
Meine Herren, nun hat der Abgeordnete Freiherr von Hertling weiter
an das erinnert, was ich vor etwas länger als einem Jahre, im Jannar v. J.,
gesagt habe über die Erneuerung des Dreibunds. :2) Damals, meine
Herren, ist mir selbst in deutschen Zeitungen, die eigentlich hätten klüger
sein können, vorgeworfen worden, daß ich durch das, was ich damals
2) Vgl. oben S. 243 ff.