Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  13

Dienstag,  18.  Januar  1916

 

mengen  durch  die  großen  Pumpwerke  des  Polderlandes
  zu  entfernen,  noch  lange  dauern,  bis
wieder  einigermaßen  normale  Verhällnisse  hergestellt
  sind.  pleberall  sieht  man  ertrunkene
Schafe.  Die  Schaszucht  lildete  einen  der  Hauptermerbszueige
  der  vom  Unglück  betroffenen  Gegend.

  Es  konnte  noch  nicht  annäherm#  festgestellt
werden,  wieviel  Vieh  zugrunde  gegangen  ist.  In
Ansterdam,  das  seinen  Vorrat  an  landwirtschaftlichen
  Produkten  aus  dem  überschwemmten
Gebiete  bezieht,  macht  sich  bereits  ein  Mangel
an  Milch  und  Butter  bemerkbar.  Die  Preise
sind  infolge  der  Katastrophe  im  Steigen  begriffen.


Auf  der  überschwemmten  Insel  Marken  sind
16  Menschen,  darunter  sieben  Kinder,  in  den
Fluten  umgekommen.  Der  Eisenbahnverkehr
zwischen  Süd=  und  Nordholland  ist  wegen  umsongreihher
  Dammverschiebungen  vollständig  unterkrochen.
  Der  Sũdpolder  der  Zuidersee  droht
einzustürzen,  wodurch  mehrere  Dutzend  Städte
und  Dörfer  bedroht  sind.  Das  Vieh  holte
man  bereits  ein.  In  einzelnen  Orten  an  der
Zuidersee  sitzen  die  Menschen  auf  den  Dächern
irer  Häuser,  rings  von  den  Fluten  umschlossen.
Auch  Rotterdam  ist  überschwemmt.

Verschiedene  Nachrichten.

London,  16.  Jan.  Aus  Mittel-England
wird  ein  starkes  Erdbeben  gemeldet.  Im  Rhymneytal
  (Südwales)  ereignele  sich  ein  großer
Erdrutsch

 

Stadt  Bergen
niedergebrannt.
Christiania,  16.  Jan.  Ein  gewaltiger

Brand  hat  die  norwegische  Handelsstadt  Vergen,

  das  norwegische  Hamburg,  am  Samstag

nach'nittag  heimgesucht.  Da  das  Unwetter,  das
seit  einigen  Tagen  in  den  Küstengebieten  wütet,
  die  Löschungsarbeiten  sehr  erschwerte,  ja

#n  Teil  eriolglos  machte,  sind  viele  Häuser

den  Flammen  zum  Opfer  gefallen.  Fast  die
halbe  Stadt  ist  niedergebrannt.  Die  Zahl  der

Obdachlosen  geht  in  die  Tausende.  Eine  Anzahl

  von  Hänfervierecken  ist  niedergebrannt,

Darunter  befinden  sich  das  Telephon=  Feutralamt,

  T

Dienorwegische

das  Gebäude  von  1  Bergen=  Tidende“,

4  Hotels  und  3  Schulen.  Das  Großfeuer  begann
Samstag  um  5  Uhr  nachm.  Der  Schaden  beträgt
  schon  50  Millionen  Kronen.  Um  2  Uhr
morgens  war  die  halbe  Stadt  niedergebrannt.
Um  Mitternackt  traf  ein  Ertrazug  aus  Christiania
  zur  Hilse  ein.  Infolge  Nordwindes  verbreitete
  sich  das  Feuer  rasch.  Namentlich  murde
das  Geschäftoviertel  vom  Brande  betroffen.
Zahlreiche  Kolonialwarenhandlungen  sind  vernichtet.
  Es  ist  der  größte  Brand,  der  je  Norwegen
  heimgesucht  hat.

Bergen,  die  zweite  Handelostadt  des  Königreichs,
  ist  der  Hauptort  des  gleichnamigen  norwegischen
  Stiftes.  Es  liegt  auf  einem  Vorgebirge,
  ganz  von  Wasser  und  bis  zu  650  Meter
hohen  Bergen  umgeben.  Die  Stadt  erhebt  sich
amohitheatralisch  um  den  Hafen.  Die  Straßen
sind  in  den  alten  Staditeilen  eng,  uneben  und
schief.  Die  belebteste  Hauptstraße  ist  Strandgaden.
  Die  Bevölkerung  Bergens  —  die  Stadt
hat  etwa  80  000  Einwohner  #  #  nährt  sich  gröhtenteils
  vom  Handel,  doch  betreibt  sie  auch  Fabriken
  und  bedeutenden?  Schifssbau.  Der  Fisch-,
besonders  Stodkfisch-  und  Heringehandel,  il  der
bedeutendite  Erwerbezweig  der  Bewohner.

Eiz  be#erschen  Veriaftsisien.
Liste  Nr.  4
der  aus  Frankreich  zurückgelehrten  Austausch-Verwundeten.


Fischer  Friedr.,  1.  Feld-Art.  Regt  (1.  Battr.),
Reichenholl,  bisher  schw.  verm.  in  Gesgsch.  in
Lyon  und  Villemanen;  jetzt  Res.-Laz.  I!  München.


Gaisbauer  Georg.  Res.-Inf.-Reg.  Nr.  1  (5.
Komp.),  Schönanger,  bisher  verw.  in  Geigsch.
in  Nevers;  jeßt  NReij.-Laz.  D  München.

Verlunlitte  Nr.  246.

Inf.-Reg.,  München.  Franz  Drechsler,
rarsen  I.  verw.  Joseyh  Augsberger,  Gmund,

2.  Je.  Reg.,  Muuchen.  Johann  Buchner,
Garching.  I.  verw.;  b.  d.  Truppe.  Joseph  Mittermeier,
  Burghausen,  1.  verm.  Georg  Frit,
Bergki  irchen,  I.  verw.  Wilhelm  Wohlmuth,  St.
Wolfgang,  gefallen.

8.  Infanterie-  c.  Metz.  Johann  Schwarz,
Wagenried,  schm.  verw.

13.  Inf.-Reg.,  Neu-Ulm.  Tobias  Marr,
Miesbach,  I.  verw.  Joseph  Huber,  Bergham,

verw.

I.

20.  Inf.-Reg.,  Lindau  (Kempten).  Martin
Auracher,  Rechthal,  gefallen.  Joseph  Kloo,
Wies,  schw.  verw.  Ehrisian  Fürder,  Eßbaum,
inf.  Krankh.  gest.

Releroel  Aosa  32  Hie,  13.  Gbier  Haberlander,

 

Schnait,  l.  verw.  Franz  Sales  Lautendacher,
St  andach,  I.  verw
Reserve-Inf.  „Neg.  Nr.  17.  Franz  Kav.  Nieden

  Mietenkam,  l.  verw.  Anton  Oberpaul,

Taufkirchen,  I.  verw.  Peler  Leberer,  Tittmoning,
  schw.  verw.  Joseph  Hausbacher,  Reit  im
Winkel,  I.  verw.  Alois  Weiher,  Untermetteubach,

  schw.  verw.

 

Reserve-Inf.-Reg.  Nr.  18.  S  Graf,
Sölb,  gefallen.  Johann  Golling,  Hörzhausen,

gefallen.

Reserve-Juf.-Reg.  Nr.  27/0.  Johann  Asen,
Fahlenbach,  verw.;  gest.  7.  9.  15.  i
Bayerl,  Rinnberg,  gefallen.  Martin  Köttner,
Baar,  gefallen.  Jakob  Benler,  Faistenberg,  1
verw.

Landwehr-Inf.-Reg.  Nr.  1.  Leonhard  Renner,
  Leben,  gefallen-Landuehr-Inf.

  Reg.  Nr.  2.  Jakob  Adelslerger,
  Tittenkofen,  schu.  verw.;  gest.  21.  12.  15.
Maͤrtin  Buchwieser,  Farchant,  r  verw.

Landuehr  Inf.  Reg.  Nr.  3.  Joh.  Fürbaß,
Dettenschwang.  lötl.  verungl.  26.  12.  15.  Allert
  Schmidhammer,  Kemerting,  gefallen.

Brigade-Ersan-Bataillon  Nr.  4.  Simon
Bauer,  Eglbarting,  vermißt.  Seb.  Schneider,
Kreut,  verm.

Landsturm-Iunf.  Bat,  Nosenheim.  Unterofsz.
Marx  vladrhofer.  Burgl  eim,  inf.  Kranlh.  gest.
27.  12.  16.

2.  Schweres  Reiter-Neg.,  Landshut.  eemen
Zenedill,  Eschenlohe,  inf.  Krankh.  gest.  4.9

8.  Chevaulegers-Neg.,  Tilbsn.  Lrahk
Bachthaler,  Pfaffenhofen  a.  J.,  i.  Gesgsch.  (n.
priv.  Mittig  .).

1.  Feld-  Wi1  Neg.,  München.  Vizewachtmeister
Joseph  Hundseder,  Kirchseeon,  gesallen.
Gelirgs-  Kanonen  Batterie  Nr.  8.  Max  Miller,

  Berchtesgaden,  fötl.  verungl.  21.  12.  15.

3.  Fuß  Art.  Reg.,  Ingolstadt.  Ant.  Meyer,

Echenzell,  inf.  Krankh.  gest.  12.  5.

Fuß  Artillerie-Batlerie  Nr.  265.1  Itʒ.
Stahl.  Vaterstetten,  d.  Unf.  schw.  verw.

Fuß  Artillerie  Baͤtierie  Nr.  369.  Gust.  Six,
Nosenbeim,  schw.  verw.;  gest.  13.  12.  15.  Gg.
Reull.  Escheuried  erw
Fus.  Artillerie  Bat  terie  Nr.  260.
Türlenfeld,  schw.  verw

Reserve-Fuh-Art.  Neg.  Nr.  1.
böd,  l.  verw.;  b.  d.  Truppe.

1.  Pionier=  Boteillon.  München.  Rupert  Mock,

Laufen,  gefallen.

Baperissche  Nochrichken.

Traunstein,  16.  Jan.  Braucreikrand.  Jur
soige  Entzünden  des  Pec  es  leim  Pichen  ist  die
Pin-  balle  der  Brauerei  Wieser  vollständig  niedergebrannt
  mit  allen  maschinellen  Einrichtungen
und  Pechvorräten.

Röthenl  ach  (Allgäu!t,  16.  Jan.  Einem
Octonomen  in  Ungerbhaus,  Gde.  Leupolz,  wurden
  mn)  Ml.  in  bar,  darunter  30  neue  Ein-!
  undertmarlscheine  und  20  Fünfzigmarkscheine
genobten.  Der  Diek,  der  dert  bedienet  gemesene
  2hiäh  rige  Taglölher  Gottlob  Griger  aus
Neams,  681  ing  klüch,i9,  ist  aver  schon  unschädlick.
  gemacht.  Die  württemk  ergische  Gendarmerie
cnloedie  ihn  in  Holzläusle.  Gde.  Leupolz,  ins
Anwesen  eines  gewissen  Frider.  Geiger  empiing
  die  Verfolger  mit  Revolverschũssen,  worauf
sich  ein  förmliches  Gefecht  entspann,  bei  dem
der  Dieb  durch  einen  Schuß  ins  Herz  getötet
mwurde.  Von  dem  Gelde  sanbden  sich  noch  57000
Mark  bei  der  Leiche  vor.

Das  Kuaprschafks-Kriegsgeseß.

Finanzausschuß  der  Kammer  der  Abgeordneten.
München,  13.  Jannar.

Berich  terstatter:  Akg.  Giehr!,  Mitberichterfaiter:
  Arg.  Bübler.

In  der  allgemeinen  Erörterung  anerkannte
der  Berichterftaner  die  u  eitherzige  Erfüllung
der  berechtigten  Forderungen  auf  Sicherung  der
Auipxrüche  der  am  Kriege  teilnehmenden  Mitglieder
  der  Kuappschaftorereine.  Er  verwies
auf  das  Vorbild,  das  preußische  Knappichaftsiriegs
  geĩetz.  und  auf  die  einschlägige  Entichliessung
  des  Olerbergamts  vom  15.  Januar  1915
an  die  Knaposchaftsvereine,  gab  eine  gedrängte
Uekersicht  über  den  Inhalt  des  Gesetzes  und
bol  den  Unterschied  Legenüber  Preuhen  hinsichtlich
  der  gesetzlichen  Sicherstellung  der  Freizügigleit
  zmiischen  den  Knapyschaftsvereinen  Berror.
Mit  Recht  nerde  kein  Unterschied  zwischen  gesetzlicher
  und  freiwilliger  Kriegsteilnahme  gemacht.
Mit  Rücksicht  auf  die  Finanzlage  Bayerns
sei  die  Ablehnung  von  Zuschüssen  durch  die
banerische  Regierung  begreiflich.

Der  Mitterichterstatter  sprach  seine  Befriedigung
  über  die  einzelnen  Maßnahmen  des  Entnurfs
  aus,  Dedauerte  aber  die  Ablehnung  staatlicher
  Zuschüsse  an  die  Knappschaftslassen.  Die
dauernde  Leistungsfäbigleit  der  Vereine  auch
die  slaatlichen  würden  getrossen  könne  nur
durch  staatliche  Unterslützung,  die  durch  den
Charalier  des  Kriegsdienstes  als  Staatedienst.
und  durch  die  billige  Rücksicht  auf  die  zurüdgeblicbenen
  Arbeiter  und  die  Werkleitungen  ge-Loten
  sei,  erreichl  werden,  oder  durch  die  wünschenswerte
  Zusammenlegung  der  Knappschaftsvereine
  zu  einem  einheitlichen  Verband  oder
durch  die  vielfach  schon  erfolgte  einsichtige  Erhöhung
  der  Beiträge.  Eine  zu  weitgehende
Schädigung  der  zurüdgebliebenen  Arbeiter  durch
Beitragserhöhung  und  vielleicht  zugleich  durch
Minderung  der  Kasseleistungen  müsse  vermieden
  werden

Ein  Mitglied  hob  die  rückwirkende  Kraft  und
die  einzelnen  Vorteile  des  Gesetzes  hervor,  das
fast  alle  Wünsche  der  Pelitionen  erfüllt  habe.
Der  Redner  äußerle  sich  über  die  finanzielle
Lage  der  Kuappschaftsoereine  und  über  die

Xau.

Joh.  Gilstl,

Florian  Sin- 



 

 

Wirlungen  der  Neubelastung;  die  einzige  Abbilfe
  läge  in  baldiger  Verschmelzung  der  bayerischen
  staatlichen  und  privaten  Vereine.  Im
Gesetze  solle  berücksichtigt  werden,  daß  einzelne
Kriensteilnehmer  voraussichtlich  nicht  innerhalb
zwei  Monaten  nach  Entlassung  Arbeit  finden
önnten.

Ein  Negierungsvertreter  schilderte  die  Lage
der  slaatlichen  und  privaten  Knappschaftorereine
  und  belonte  die  Gesahr  der  Nichtnachhaltigleit
  eines  Bergwerles  für  die  Zahlungssähigleit
  der  Vereine.  Seit  jener  Zeit  hätten.
sich  die  Bilanzen  durch  Kapitalszuwendungen
der  Werksbesitzer  und  durch  Erhöhung  der  Beiräge
  verbessert.  „Redner  gab  dann  die  Gesamtbelastung
  der  VBereine  Ende  1914,  die  Geamtzahl
  der  Einberufungen,  der  Todesfälle  und
sestgestellter  Invalidität  sowie  die  Summe  der
durch  den  Krieg  veranlaßten  Witwen--  und  Waisenpensionen
  geentnr  ferner  den  Rückgang  der
Beiträge  durch  den  Krieg

Die  endgültige  Mehrkastung  lasse  sich  nicht
übersehen,  ebenso  nicht  die  Herbeiführung  früherer
  Invalidität  der  Kriegsteilnehmer.  Eine  Versch
  iekung  in  der  Altersgruppierung  könne  nicht
als  sicher  angenommen  werden.  Die  Regierung
sei  bei  dem  Gesetzesvorschlage  mit  äußerster
Vorsicht  vorgegangen  und  müsse  bitten,  mit
Rücksicht  auf  die  finanzielle  Lage  der  Vereine
sich  in  den  Aländerungsanträgen  die  möglichste
Jurückhaltung  auszuerlegen.  m  aller  Entschiedenheit
  müsse  ein  Staatszuschuß  abgelehnt  werden
  wegen  der  Finanzlage  des  Staales,  zur  Erbaltung
  der  Selbstverwaltung  der  Vereine  und
wegen  der  Gefahr  einer  Verschiebung  des  Vergüältiges
  zwischen  Beilrags=  und  Pensionsätzen.


Die  Zusammenlegung  der  Vereine,  wie  sie
vom  Landtage  und  der  Regierung  gewünscht
werde,  könnte  ihre  Wirkung  erst  nach  geraumer

Seit  äußern,  nicht  aber  angenblicklich  eine  Sanierung
  von  Vereinen  herdeiführen.  Die  teilweise
  bestehende  Kartellierung  sei  nur  als  Notlehelf
  zu  betrachten.  Die  Einsührung  der  Freirügigleit
  sei  der  Neufassung  des  bayerischen
Knaxpschaftsrechtes  vorzubehalten.  Arbeiter  auf
Dienitrertrag  w  ürden  ron  der  Heeresvermwaltung
z.  B.  in  den  Munitionsfabriken  und  bei  Fortiiikationsarbeiten
  verwendet.  Die  auf  die  Kran—
tentassen  bezüglichen  Wünsche  wären  bei  den
Neichein  sangen  anzubringen.

Mitberichterstatter  bezeichnete  die  Abicha
  von  Staatszuschssen  in  dieser  autzerordentlichen
  Zeit  als  Unrecht  und  hob  die  Gefahr
  der  Heral  setzung  der  Kassenleistungen  und
der  freinilligen  Zuschußleillungen  der  Werkleitungen
  hervor.

Der  Verichterstatler  verwies  gegenüber  dem
Mitberichterstatter  auf  die  Folgen  der  Anerkennung
  des  Satzes,  daß  der  Staat  die  Kriegsfolgen
  tragen  müsse,  z.  B.  bei  den  Gemeinden
und  bei  den  Unterstützungsvereinen  der  Beamten
  und  forderte  möglichst  rasche  Zusammenlegung
  der  Knappschaftskassen.

Das  Gesetz  wurde  in  namentlicher  Abstimmung
  einstimmig  angenommen.

 

 

—  -

1.  ####  ·  «,-«’-«  ,-Rosenbcnn,17.Januar.

»Nimm-»Hu  mit  Brot
wurde  lürzlich  neuerdings  im  Intereise  unseres
wirtschastlic  hen  Durchhaltei  in  der  Presse  jonobl
  nie  im  Reichslage  als  eine  unbedingte
Notwendigleit  bezeichnet.  Wie  leicht  dieses  Opser
  gebracht  werden  kann,  beweist  folgendes  einsache
  Rechenexempel:  Wenn  jeder  der  70  Mill.
Verohner  des  Deutschen  Reiches  täglich  nur
eine  Kriegesemmel  im  Gericht  von  35  Gr.
einspart,  so  ergibt  dies  eine  Gesamtmenge  vom
2  4300½00  Kilo  oder  49000  Zentner  gleich
2450  Tomen.  Denkt  man  sich  diese  Menge
auf  der  Eisenbahn  rerladen,  so  werden  dazu
benöligt  läglich  gegen  2435  Waggone,  die  mir
den  Lolomotiren  eine  Zugslänge  von  rund  drei
Kilomeler  ergeben.  Es  ist  dies  ein  deutlicher
Beueis  für  die  Wahrheit  des  Sprichwortes,
daß  viele  Wenig  ein  Biel  machen,  aber  auch
dafür,  daß  dieses  geringe  Opfer  leicht  gebracht
werden  kann,  ohne  daß  auch  nur  ein  Mensch
Hunger  zu  leiden  braucht.

Familienunterstützung.  Die  Vorschriften
  über  die  Unterstützung  der  Familien
der  in  den  Dienst  eingetretenen  Mannschaften
werden  demnächst  durch  Bundesratsverordnung
neu  geregelt  werden.  Während  bisher  die  Angehörigen
  aktiver  Mannschafien  nur  unter  bestimmten
  Einschränkungen  unterstützungsberechtigt
  waren,  wird  nunmehr  der  Kreis  der  Mannschaften,
  deren  Familien  im  Falle  der  Bedürftigleit
  Unterstützung  erhalten,  auf  die  Mannschaften,
  die  sich  in  Erfüllung  ihrer  gesetzlichen
altiven  Dienstpflicht  befinden,  schlechthin  gusgedehnt
  werden.  Der  Kreis  der  unterstützungslerechtigten
  Angehörigen  wird  durch  Aufnahme
der  Pflegeeltern  und  Pflegelinder  erweitert  werden,
  wobei  vorausgesetzt  ist,  daß  das  Pflegeverhältnis
  bereits  vor  Beginn  des  Krieges  bestand.
  Da  diese  Bestimmungen  rüdwirkend  vom
1.  Januar  1916  an  in  Kraft  treten  werden,
ist  es  angemessen,  daß  die  Lieferungsverbände
die  erweiterten  Unterstützungen  schon  jetzt  gewähren.


Zu  Grabe  getragen  wurde  am  Sonnnachmittags
  die  ehrw.  Schulschwester  M.

Grössere

 

Wigberta  Kern.  Eine  Jahlreiche  Trauerversammlung
  gab  der  Verblichenen,  welche  sich  um
Mädchenschule  und  Paramentenverein  Bosen
heim  große  Verdienste  in  ihrem  langjährigen
  Wirken  dahier  erworben  hat,  das  lehte
Geleite.  Den  Kondukt  führte  HH.  Geistl.  Nat
Gehl.  Eine  Abordnung  von  Schülerinnen  eröffnete
  den  Leichenzug  mit  einer  großen  Zahl
von  Kränzen  und  Blumen.  Ihnen  folgten
  viele  Mitglieder  des  Klerus  aus  Stadt  und
Land  und  des  Kapuzinerllosters  Nosenheim.
Hinter  dem  Sarge  schritten  neben  den  Mitschwestern
  und  den  Angehörigen  der  Verewigten
  eine  Vertretung  der  beiden  slädtischen  Kollegien
  mit  ihren  Vorständen,  Mitglieder  der
Lokalschullommission,  die  Lehrerschaft  unserer
Vollsschulen,  zahlreiche  Mitglieder  des  Paramentenvereins
  und  viele  teilnehmende  Trauergäste
  aus  allen  Kreisen  der  Stadt.  Am  Grab#
widmete  HH.  Geistl.  Nat  der  Verewigten  einen
tiesempfundenen  Nachruf,  in  dem  er  besonders
der  segensvollen  und  erfolgreichen  Wirksamkeit
der  Heimgegangenen  gedachte.  Tief  ergriffen
nahmen  alle  von  dem  Grabe  der  Schwester  M.
Wigberta  Abschied.  Am  Samstagnachmittag
wurde  Herr  Alois  Reich,  Sohn  des  Herrn  Kaufmanus
  Alois  Reich,  zu  Grabe  getragen.  Die
Beerdigung  erfolgte  unter  großen  militäri.
schen  Ehren  bei  Beteiligung  einer  militärischen
Abordnung,  der  „Militärkapelle,  der  beiden  Veteranenvereine
  usw.  Dem  Verblichenen,  der  sein
Bestes  dem  Vaterland  opferte,  wurde  ebenfalls
  ein  ergreifender  Nachruf  gewidmet.  Namens
  der  Stadt  folgte  Herr  K.  Hofrat  Wüst
dem  Sarge.  Auch  die  Herren  Rektor  Studienrat
Jalob  und  Studienrat  Ostermamm  gaben  ihrem
ehemaligen  Schüler  und  Absolventen  der  K.
Noalschule  Nosenheim  das  letzte  Geleit.

Oberbayer.  Schuldieusl.  Versetzt:  Der
Hauptlehrer  Joseph  Vrandl  in  Oberndorf,  B.
Ebersberg,  ab  1.  Februar  nach  Sauerlach,  Bv.
Wolfratshausen;  der  Volleschullehrer  Johann
Grübel  in  Steinlirchen,  BA.  Mühldorf,  ab
16.  Januar  nach  Ellbach,  BA.  Tölz;  der  Vollsschullehrer
  Joseph  Meyer  in  Prien,  B.  Nosen-Lheim,
  ab  16.  Jannar  nach  Wasserburg;  der
Sch  uloern2sser  Julius  Lösch  ron  Babensham.,
Bl.  Wasserburg,  zurzeit  im  Heere,  ab  1.  Febr.
nach  Anger,  B.  Berchtes  gaden.  Befördert:
Der  Schulverweser  Franz  Kruis  in  Kiefersfelden,
  Boi.  Rosenheim,  zurzeit  im  Heere,  ab  16.
Jannar  zum  Volksschullehrer  in  Eresing,  B.
Landsberg.

Der  Lokomotivführerverein  Nosen
  heim  versammelte  am  Sonntagnachmittag
seine  Mitglieder  und  deren  Angehörige  zu  einer
dem  Eru  der  Zeit  angepaßlen  Familicnunter
haltung  im  Gasthof  Grabichler.  Oberlokomotiv
führer  Beilhack  leitete  den  Abend  mit  einer  Begrüßungsansprache
  ein,  worauf  dann  musika.
lische  Darbietungen  in  bunter  Folge  mit  einander
  wechselten.  Die  Herren  Lippmann,  Deller,

Zeilmeier  und  Unger  wie  auch  die  Herren  Krämer
  und  Sch  bassner  teilten  sich  in  die  musikalischen
  Nummem:;  teils  waren  es  Zither-,  teil!
Klaviervorträge.  Die  Unterhaltung  hatte  wohltäligen
  Charakter.  Eine  Sammlung  unter  den
Teilnehmern  ergab  den  Betrag  von  41.25  Ml.,
welche  uns  für  die  Fürsorge  der  Stadt  Rosenheim
  für  die  Angehörigen  der  Kriegsteilnehmer
übermittelt  wurden.  Der  Abend  nahm  einen
sehr  schönen  Verlauf  und  befriedigte  alle.

Der  Sonntag  urg  keinen  besonders  ersreulichen
  Charatter.  Den  ganzen  Tag  über
war  es  trüb  und  windig,  vormittags  auch  regnerisch.
  Der  Aufenthalt  im  Freien  war  daher
nicht  gerade  angenehm.  Der  Wintersport  kam
zum  Teil  noch  auf  seine  Rechnung.  Zahlreich:
Sliläufer  sah  man  abends  von  den  Zügen
aus  den  Bergen  der  Umgegend  heimkehren.

Die  Kriegekantine  wurde  am  Samelagalend
  im  Wintergarten  des  Hotels  „Deutscheo
  Haus“  eröffnet.  Schon  um  5  Uhr  war
zahlreicher  Besuch  anwesend,  der  sich  bald  so
steigerte,  daß  alle  Plätze  dicht  besetyzt  waren.  Am
Sonntag,  nachmittags  und  abends,  herrschte
überaus  starler  Andrang,  sodaß  nicht  alle  Platz
finden  konnten.  Der  um  vier  Pfennige  billigere
Vierpreis  und  der  Reiz  der  Neuheit  hal  eben
zahlreiche  Besucher  angelodt.  Das  zum  Ausschank
  gelangende  Bier  war  gut  und  fand  leicht
Abnehmer.  Die  Speiselarte  ist  dem  Charakter
des  neuen  Unternehmens  angepaßt.  ie  wir
erfahren,  wurde  auch  der  Ausschank  über  die
Strahe  fleihig  aufgesucht.  Am  Samstag  und
Sonntag  ging  in  der  Kantine,  wolche  durch  die
schönen  Räume  des  Mintergartens  ein  gutes
Gepräge  erhält,  ein  flottes  Geschäft.

Handel,  Jndustrie  und  Gewerbe.

Baumwollspinnerei  Kolbermvor.
In  der  Sitzung  des  Aufsichtsrates  am  15.  ds.

ts.  wurde  die  Bilanz  pro  1915  im.  Vorage
gebracht.  Nach  Abzug  von  346  232  Mk.  (i.  J
274615  Mk.)  Amortisation,  Sypothekzinsen  und
aller  vertragsmäßigen  Zuweisungen  frgi  sich
ein  Reingewinn  von  711  451  Mk.  (#i.  V.  151  553
Mk.),  s  noch  75T  Vortreg  vom  orsahre  von
131  619  M('.  (i.  V.  142221  Mk.)  ko  Der
auf  17.  Februar  1.  .  ein  berlfenden-  to
ralversammg  oll  in  Vor  t  gebrachtuerden:
  180000  .,  gleich  9  Proz.  dende
(i.  V.  7  Proz.)  zu  vlgaice  100  000  *52“  als
Reserve  für  Kriegsgewinnsteuer  und  andere

—
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