II. Die Gewinnung der Souveränetät in Preußen.
— —
T
nachdenklich und präjudizierlich und reifer Beratung bedürftig“
fand und auch Schwerin zu sich beschied: die Verhandlungen
waren damit abgebrochen. Doch war das weniger vom König
als seinen Räten verschuldet: während er auf Nachgiebigkeit
drang, sträubten sich diese, wie Schwerin klagte, hartnäckig
und versuchten, den brandenburgischen Bevollmächtigten „blauen
Dunst vorzumachen" und „was sie mit der einen Hand gegeben,
mit der anderen gleich wieder zu nehmen“. Namentlich
weigerte der Reichokanzler den Verzicht auf die preußischen
Hafenzölle: so lange habe Schweden in Pillau und Preußen
festen Fuß zu fassen gesucht, um viele Millionen solle man
nicht wieder von dort weichen. Aber die Verhältnisse waren
doch stärker. Johann Kasimir wollte vom Frieden weniger wissen
denn je: ehe er Preußen cedierte, hatte er auf neue schwedische
Anträge erwidert, würde er hundert Jahre Krieg führen und
lieber mit Ruhm und Ehren um die Krone kommen, als Polen
durch den Verlust Preußens „in perpetuam servitutem gesteckt“
sehen. Dann drohte ein Defensivbund zwischen der Republik und
dem Kaiser, hinter dem man die ganze katholische Partei sich erheben
sah. Wie leicht konnte diese Brandenburg zu sich herüberziehen
und Schweden völlig isolieren! Um so mehr beharrte
der Kurfürst. Als Schweden die Verhandlungen wieder aufnehmen
wollte, lehnte er den Besuch des Grafen Schlippenbach
ab als unnötig, wenn er nicht die verlangte königliche Resolution
mitbrächte. Nun erst erklärte sich Schweden Anfang November
bereit, auf Grund der Souveränetät Preußeno üÜber
den Ersatz des Lehensverbandes durch ein dauerndes Bündnio
zu verhandeln. Orenstiernas Widerspruch war inzwischen versiummt:
er war am 3. November gestorben — wie er, schwerkrank,
unmutig gewünscht hatte, Gott möge ihn vor dem Abschluß
des Vertrages mit Brandenburg wegnehmen, der ihm
doch das Leben kosten würde.
Nur zwei Punkte machten noch Schwierigkeiten. Während
nach dem Wunsche des Kurfürsten der neue schwedisch--branden--burgische
Hilfovertrag gegen Rußland nicht galt, verlangte
Schweden seine Erstreckung auf Danzig. Sie wurde unbedingt
verweigert: Schwerin meinte, wer seinem Herrn zu Feind-