Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

900  Die  Akademie  Frievrıcn  Wırnersn's  1V.  (1840  —1859).

1846),  mit  ihm  auch  des  Index  wegen  in  Verbindung  zu  treten.
Damit  war  der  Mann  gewonnen,  der  das  grosse  Unternehmen  wirklich
  zu  Ende  führen  sollte.  Aber  wie  sehr  täuschten  sich  noch  die
Akademie  und  er  selbst  über  die  Mittel  und  die  Zeit,  die  nöthig
seien!  In  seinem  ersten  Schreiben  (4.  November  1846)  erbot  sich
Bonıtz,  im  Laufe  von  vier  Jahren  für  eine  Gesammtsumme  von
ı000  Thlr.  den  Index  zu  liefern!  Die  Akademie  nahm  (März  1847)
das  Anerbieten  an,  die  Frist  auf  fünf  Jahre  ausdehnend.  In  Wirklichkeit
  begann  der  Druck  des  Index  im  Jahre  1867  und  wurde  1870
beendigt;  das  Honorar,  das  ursprünglich  auf  100,  dann  auf  600,
dann  auf  1000  Thlr.  veranschlagt  war,  wuchs  bis  zur  Höhe  von
5ooo  Thlr.  Dafür  aber  hat  Boxıtz  auch  ein  Werk  geschaffen,  welches
  nach  Umfang  und  Exactheit  der  Ausführung  zu  den  bedeutendsten
  Leistungen  der  Philologie  gehört".

Von  den  Anfängen  des  »Corpus  Inscriptionum  Latinarum«  ist
oben  S.772  ff.  erzälilt  worden;  aber  erst  in  unserer  Epoche  ist  dieses
grösste,  fruchtbarste  und  glänzendste  Unternehmen  der  Akademie
durch  Hrn.  Monusen  wirklich  begründet  worden.  Es  wird  gestattet
sein,  die  Spannungen  und  Kämpfe  etwas  ausführlicher  zu  schildern,
unter  denen  es  entstanden  ist;  denn  sie  gewähren  einen  deutlichen
Einblick  in  die  inneren  und  äusseren  Schwierigkeiten,  welche  sich
vor  fünfzig  Jahren  der  Durchführung  einer  grossen  wissenschaftli-!

  Die  Verzögerung  war  nicht  nur  eine  Folge  des  ursprünglich  ganz  unrichtig
geschätzten  Umfangs  der  Aufgabe,  sondern  auch  der  Übersiedelung  Bontrzens  von
Stettin  nach  Wien  (1849).  Bis  zum  Jahre  1856  hatte  er,  durch  andere  Aufgaben
gehemmt,  so  gut  wie  gar  nicht  an  dem  Index  arbeiten  können.  Erst  in  den  Jahren
1856-1858  maclıte  die  Arbeit  Fortschritte.  Im  October  1858  richtete  er  ein  Schreiben
  an  die  Akademie,  in  welchem  er  den  Stand  seiner  Arbeiten  darlegte,  sich  JÜRGEN
Bona  MEYER  und  VıieLnAasen  als  Hülfsarbeiter  erbat  und  die  Vollendung  des  Index
für  das  Jalır  1861  verhiess..  Wirklich  konnte  er  im  Juli  1861  berichten,  dass  sich
die  Verzeichnung  der  Wörter  dem  Abschluss  nähere.  Dann  aber  stockte  die  Arbeit
wieder;  im  Januar  1865  ınusste  er  mittheilen,  dass  zwar  das  Meiste  nun  mit  Hülfe
seiner  Mitarbeiter  geschehen  sei,  dass  aber  doch  noch  Vieles  ausstehe.  Endlich  in
der  Mitte  des  Jahres  1867  war  die  Arbeit  iım  Manuscript  beendigt;  im  October  desselben
  Jahres  siedelte  Bonrrz.  von  Wien  nach  Berlin  über,  und  der  Druck  begann.  —
Was  die  noch  ausstehenden  Scholien  und  die  Fragmentensaminlung  betraf,  so  hatte
Branpıs  für  jene  Usener  und  WörcKE  gewonnen,  diese  war  PranTtL  anvertraut
worden.  Der  letztere  lieferte  nichts.  Die  Akademie  schrieb  die  Aufgabe  nun  als
Preisfrage  aus  (im  Jahre  1856,  bez.  1859,  s.  oben)  und  hatte  die  Genugthuung,
durch  dieselbe  zwei  gründliche  Arbeiten  hervorgerufen  zu  haben,  nämlich  V.  Roses
»  Aristoteles  pseudepigraphus«  (1863)  und  »Die  verlorenen  Schriften  des  Aristoteles  «
von  E.  lleırz  (1863).  Branpıs  sandte  noch  im  Jahre  1858  das  Manuscript  zum  »Syrian«
  und  die  Excerpte  zur  »Rhetorik«.  Aber  den  Druck  erlebte  er  nicht  mehr
(er  starb  aım  24.  Juli  1867).  Usexer  nahm  seine  Arbeit  auf  und  führte  sie  zu  Ende.