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verbirgt er vor den Augen der Genossen selbst, wie groß die Veränderung
ist, die sich wirklich vollzogen hat. Das Problem: wie gewinnen wir
ohne Revolution Einfluß im Staated wird nicht in aller seiner Schärfe
gestellt. Man begnügt sich damit, die Siele anzugeben, die man erstrebt
und fröhlich zu agitieren, läßt aber die eigentliche politische Kernfrage,
die Frage der Machtgewinnung im Dunkel. Gegen wen und mit wem
will die sozialdemokratische Masse Macht gewinnend In welcher Weise
denkt sie sich das Einrücken in die Regierungsfähigkeit? Oder will sie
mit aller ihrer Wucht immer nur kritik treiben und sich nicht an der
Derantwortung beteiligen d Welches ist, wenn sie den Staat nicht umstürzen
kann, ihre Stellung im Staat?
III. Die Träger der Demokratie.
Wir haben bisher nur von der Sozialdemokratie gesprochen und
konnten eine Untersuchung über die Aussichten demokratischer Gestaltung
in Deutschland nicht anders anfangen, denn die Sozialdemokratie ist soviel
stärker als der bürgerliche Liberalismus, daß sie auch von uns, die wir
uns zum Wahlverein der Liberalen rechnen, als erster Faktor der demokratischen
Gesamtbewegung eingesetzt werden muß. Darüber geben die
Siffern der letzten Wahlen deutlichste Auskunft. Es erhielten Stmmen:
1808 1903
die Sozialdemokraiie 2 107 076 3010771
„ Deutsche Volkspartei. . . . 108528 91217
„ Freisinnige Volkspartei. . 558 314 542 556
„ Freisinnige Dereinigung 195 682 245.250
Wollte man also auch, wozu leider nur geringe Deranlassung vorliegt,
die drei linksliberalen Harteien als eine politische Einheit rechnen, so
würden sie, selbst vereinigt, nicht entfernt an die Sozialdemokratie heranreichen.
Außerdem hat sich auch dieses Mal wieder gezeigt, daß die
Sozialdemokratie die größere werbende Kraft besitzt. Daran, daß der
bürgerliche Liberalismus ohne Sozialdemokratie noch einmal wieder zur
politischen Führung gelangt, kann auch von seinen wärmsten Dertretern
nicht mehr im Ernst geglaubt werden. Das liberale Hrinzip wird siegen