Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  276

Pom  wesslichen  Reiegsschauplaß.

Eroberte  Automobilc.

München,  26.  Nov.  Gestern  ist  aus  der
Gegend  von  Dpern  ein  Güterzug  hier  eingetroffen,
  der  mit  59  Automobilen  beladen  war.  Die
Automobile  wurden  von  bayerischen  Truppen
erobert.  Die  Autos  sind  teilweise  sehr  gut  erhalten,
  teilweise  aber  sind  sie  starl  demoliert.

Die  Kämpfe  auf  dem  westlichen

Kriegsschauplatz.

Genf,  26.  Nov.  Die  Versuche  des  zwischen
der  Küũste  und  Ypern  befehligenden  französischen
  Generals  Foch,  die  deutschen  Genietruppen
  bei  den  Vorbereitungen  zu  einer  größeren
Aktion  zu  stören,  blieben  erfolglos.  Die  bedeutenden
  deutschen  Fortschritte  in  der  Umgebung
  von  Verdun  nötigten  die  franzöfische
Heeresleitung,  neuerliche  Maßnahmen  zu  treffen,
  um  die  von  Nordosten  herannahenden  Deutschen
  möglichst  aufmhalten.  Dem  Gesecht  bei
Bethincourt  dürften  dort,  wie  die  Militärpresse
  annimmt,  in  einiger  Zeit  weitere  Zusammenstöße

  folgen.  (ôZ.)
Der  Kampf  im  Argonnerwald.
Rotterdam,  26.  Nov.  Aus  Le  Havre

wird  berichtet:  Mit  dem  Verlauf  der  Kämpfe
im  Argonnerwald  zeigen  sich  die  von  privater
Seite  unterrichteten  Deputierten  sehr  unzufrieden.
  Der  Deputierte  Brunet  legte  dem  Minister
  der  öffentlichen  Arbeiten  Feldpostbriefe
vor,  in  denen  mehrere  Offiliere  der  unmaßgeblichen,
  aber  reiflich  erwogenen  Meinung  Ausdruck
  geben,  die  Kämpfe  in  Argonnerwald  würden
  leider  zugunsten  der  Deutschen  entschieden.
„Wir  opfern  uns  auf,  doch  wir  wissen,  daß
unser  Blut  für  eine  vergebliche  Sache  fließen
wird“,  schreibt  ein  Leutnant.  (3.)
Die  französischen  Verlnuste
in  den  Argonnen.

Rotterdam,  26.  Nov.  Außerordentlich
groß  sind  die  französischen  Verluste  in  den  Argonnen.
  Man  versichert  von  zuverlässiger  Seite,
daß  seit  der  Eroberung  von  Vienne  le  Chatcau
12  000  Mann  und  eine  erschredend  große  Jahl
von  Offizieren  hier  gefallen  sind.  Von  den
Briefen  aus  der  Bourgogne  an  die  Mamschaften
  in  den  Argonnen  kommen  die  meifsten  zurück
mit  dem  Vermerk:  Tot.  (Z.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die  Beschießung  von  Zeebrügge.

WTB.  Amsterdam,  26.  Nov.  Der  „Telegraaf“
  meldet  aus  Sluis:  Ueber  die  Beschießbung
  von  Zeebrügge  sind  übertriebene  Gerüchte
im  Umlauf.  Nur  cin  Gebäude  im  Hafenviertel
geriet  in  Brand,  das  eigentliche  Leebrügge
wurde  nicht  getroffen.

ri  ri

Der  Kampf  zur  See.

Betanntgegeben  durch  Extrablatt  Lam  Freitag,  den
'SRo  ember  morgers  hr.

Ein  rrntk“  elnsenshi  in
Luft  geflogen.

London,  27.  Nov.  In  der  gestrigen  Sitzung
des  engüsche.  Unlerhauses  teilte  der  Marinedie



minister  mit,  daß  das  Linieuschiff  4  Bulwarc“

 

Landesverrat.

Noman  von  E.  Ph.  Oppenheim.

N####  erbss
Der  Prinz,  der  mich  an  diesem  Nachmitag
besucht  hatte,  simulierte  auf  dem  Rücweg  nach
dem  Schlosse,  den.  wir  gemeinsam  machten,  eine
Verletzung  am  Fuße  und  ließ  sich  in  meine
Wohnung  zurückführen,  er  richtigen  Voraussicht,
  daß  er  dadurch  eine  Möglichkeit  Enden
würde,  einige  Zeit  allein  in  meinem  Arbeits-Lmmer
  zu  bleiben.  Ich  begab  mich  nach  dem
chlosse,  um  einen  Wagen  für  den  angeblich
Verletzten  zu  but  kui#.  Mein  Diener  Franrois
aber  rief  mich  auf  dem  halben  Wege  zurück,
und  ich  kam  eben  zur  rechten  Zeit,  um  durch
das  Fenfter  zu  beobachten,  wie  sich  der  Prinz
mit  Papieren  zu  schaffen  machte,  die  er  einem
von  mir  verschlossenen  Schubjach  meines  Schreibtisches
  eninommen  hatte.  Als  ich  ihn  deswegen
  zur  Rede  stellte,  hatte  er  die  Frechheit,
mich  durch  das  Anerbieten  einer  großen  Geldsumme
  zu  einer  schandlichen  Pflichtverletzung
verleiten  zu  wollen.“
„Er  wolt,  Sie  bestechen?  —  Und  Sie  —
anf  ihm  den  ersten  beiten  *—
stand“  an  den  Kopf,  der  sich  im  Bereich  meiner
Hände  befand.  Und  ich  glaube,  daß  ich  nahe
daran  war,  ihn  zu  erwürgen.“
Sle  vergriffen  sich  an  ihm?  —  Ol  —  Ol
Und  Sie  haiten  ihn  in  Ihrer  Gewalt!  —
ẽ7  e  hse  mit  einem  geringen  Ouantum  von
Klugheit  nach  Ihrem  Velleden  mit  ihm  spielen
können!  —  D,  He#  o  Csar!  —  Was  für  ein
junger  Mensch  find  doch!  Wahrhastig,

 

zer  „Gloncester“

 

es  war  kein  .  sia  Sei  das  Sie  da  zustande
gebracht  hoben.“  .

 

-

Institute-sahst-  I·I«Couv·rutsrsvin  pas-schnit.

Die  Gesangennahme  des  Barons  Nicolai  v.
Korff,  des  Gouverneurs  von  Warschau,  hat
überall  das  größte  Anfseden  erregl.  Baron
v.  Korff  war  früher  Zivikgou#ernem  der  nonischen
  Provinz  Loma.  von  wo  er  dann  den
gleichen  Posten  in  Warschau  antral.  Baron

v.  Korff  ist  ein  Sroß  der  rusiichen  Linic  des

e

gleichnamigen  westfälischen  Adelzgeschlechtes.
aliusere  photographische  Aufnahme  zeigt  das
Automok#il  des  Gouverneurs,  den  polnischen
hauffeur  als  Gefangenen  und  den  Dragoner,
der  sich  bei  der  Gefangennahme  besonders  auszeichnete;
  rechts  oben  das  Porträt  des  Gonverneurs.


 

 

 

 

am  25.  November  morgens  in  Sheerneß  in
die  Luft  geslogen  ill.  700  300  Mam  sind  umgekommen,
  12  Mann  wurden  gerellet.
Die  anwesenden  Ad#brale  beritten  sie  seien
überzeugt,  daß  die  Urfache  eine  immere  Explosion
  des  Mag  zins  war,  da  leine  Ershütterung
des  Wassers  erfolgte.  Das  Schiff  war  in  drei
Minuten  geunien  und  war  verschwunden,  als

 

die  dichten  Rauchwolken  sich  versogen  hatten.
Die  Erplosion  war  so  starl,  daß  di.  Gebäude
von  Sheernes  bis  auf  die  Fundamente  erzitterten

  und  murde  meilenweit  bernommen.
-

 

 

Die  „Buwarc“  ist  im  Jahre  1899  vom  Stapel
  gelaufen  und  hatte  ein  Deplacement  von
15  Zo0  Tonnen  bei  einer  Geschwindigleit  von
18  bis  19  Seemeilen.  Die  Bestätung  betrug
vier  30.5=  und  zwöls  15-Jentimeter-Geschütze.
Die  Besotung  stellte  sich  auf  750  Mann.

Weiterce  englische

Schiff-Verluste.

Amsterdam,  25.  Nov.  Die  deutsche  Meldung
  von  dem  Untergang  des  engl.  Dreadnonghts
  „Audacious“  ist  bereits  vor  zwei
Tagen  von  hier  aus  nach  England  neitergegeben
word-.  Die  euglische  Reierung  hat  sich  aber
bishe.  hiezu  nicht  geäußer.  Während  Deutschland
  jeden  Verlust  offen  zugibt,  verschweigt
also  die  engiische  Vehörde  aus  Furcht  vor
der  öffentlichen  Mein  ung  schwere  Flotten-Verluste.
  Bei  dieser  Gelegenheit  sei  duauf  hingewiesen,
  daß  die  englische  Behörde  über  eine
Reihe  weilerer  Meldungen  ebenfalls  schwieg.
So  wurde  von  italienischen  Biältem  berichtet,
daß  der  einzige  australische  Dreadnought  „Australia“
  zu  Anfang  des  Krieges  gesunken  sei.
Ferner  war  glaubhaft  berichiet  worden,  daß
zwei  englische  Kreuzer  in  der  Humber-Mündung
  gesunken  seien:  ferner  daß  der  Kreujzer
„Warrior“  in  der  Adria  auf  eine  Minc  gesto
ben  und  gesuntken  in  uno  schiießlich  der  Kreuverloren
  ging,  weil  er  vom

 
 

Seimim  Tone  aufrichugst  en  Mu#
gebrachter  Tadel  traf  mich  sehr  mer.  Ich
fühlte,  wie  jeder  Blutstropfen  aus  meinen
Wangen  wich.  Aber  ich  bemuhte  mich  trotzdem,
meine  Haltung  zu  bewahre
„Mir  scheint  in  der  Tat-  Herr  döberst,  daß
ich  den  auf  mich  gesetzten  Erwariagen  ni#ht
zu  enisprechen  vermag.  Ich  habe  wohl  ui.#t
Verstand  und  Win  genug,  um  zwüchen  wahrhafugen
  und  unwahrhaiiigen,  zwishen  ebrenhaften
  und  ehrlosen  Menschen  zu  unterscheiden.
ch  würde  Ihnen  rückhaltlos  verlraut  haben;
—“  ersahren,  daß  s  Sie  einen  Menschen
hetoötet  haben,  und  daß  Sie  es  vorzoges  üch
nicht  zu  Ihrer  Schuld  zu  bekennen.  Ich
würde  um  seines  hohen  Ranges  willen  dem
Prinzen  Dolgorutow  vertraut  haben,  aber  ich
mußte  ihn  bei  den  Hanticrungen  eines  gemeinen
  Diehes  überraschen.  Ist  es  da  nicht  iür
mich  am  besten,  wenn  ich  in  Zumust  keines
Menschen  Freund  oder  Feind  bin,  und  wenn
ich  mich  niemandem  verp  lichte  als  meinem
Vaterlande,  solunge  es  Seiner  Durchlaucht
dem  Fürsien  gefällt,  mich  auf  meinem  Posten
zu  belassen?  Ich  möchte  einfach  meinen  geraden
eg  gehen,  Herr  Oberst,  und  meine  Plicht  ersuuen
  so  gut  oder  so  schlecht  ich'  eben  verer

  Oberst  blies  dicke  Rauchwolken  aus
seiner  „HPigarre.  Und  er  starrte  vor  sich  hinaus,
  als  wenn  er  mit  sich  zu  Rale  ginge  über

eine  sehr  schwerwiegende  Erwiderung
meine  Worte.  Dann  aber  schien  er  Aur  Wdn
anderen  Sinnes  n  zu  sein,  denn  nnt
einer  bhgesieen  gisgn  kehrte  erscch  mir  zu.
llen  Ihren  geraden  Weg
gehen,  konenr.  Sieol-  Golt  allein  weiß,  wohin
L#eler-We  Sie  Bühren  mir.

au

 

 

stehen.“

engl.  Kreuzer  „Bladprince“  für  die  „Breslau“
gehalten  und  durch  dieses  englische  Schiff  zum
Sinlen  gebracht  wurde.  Es  wäre  interessant,
zu  hören,  was  die  englische  Regierung  zu  diesen
  Fällen  zu  sagen  hat  oder  ob  sie  fortfährt,
die  Flottenverluste  zu  verschweigen.  (3.)
Die  Verluste  der  englischen  Marine.
WIITT  London,  25.  NVov.  Die  Admiralität
veröffentlichie  gestern  abend  eine  Verlusiliste
der  englischen  Flotle:  Seit  dem  Kriegsbeginn
führt  die  Liste  220  Offitiere  als  tot,  37  verwundet
  und  51  vermißt  oder  interniert  auf,
fserner  an  Mannichaften  4107  als  tot,  436  verwundet
  und  2492  als  vermißt  oder  interniert.
Der  letzte  Kampf  der  „Emden“.
WITB.  Berlin,  26.  Nov.  Von  dem  Kommandanten
  der  „Emden“,  Fregattenkapitän  v.
Müller,  isl  nachstehender  telegraphischer  Bericht
  über  das  Gefecht  der  „Emden“  mit  dem
englischen  Kreuzer  „Sydney"“  bei  den  Kokos-Inseln
  eingetrofsen:  Der  englische  Kreuzer
„Sydney“  näherte  sich  den  Kokos-Inseln  mit
hoher  Fahrt,  als  dort  gerade  eine  von
S.  M.  S.  „Emden“  ausgeschiffte  Landungsabteilung
  das  Kabel  zerstörte.  Das  Gefecht  zwi
schen  den  beiden  Kreuzern  begann  sofort.  Unser
  Schiesgen  war  zuerst  gut,  aber  binnen  kurzer
  Zeit  gewann  das  Feuer  der  schweren
englischen  Geschüte  die  Ueberlegenheit,  wodurch
schwere  Verluste  unter  unseren  Geschützbedienungen
  eintrafen.  Die  Munition  ging  zu  Ende  und

 

 

 

die  Geschütze  mußten  das  Feuer  einstellen.
Trondem  die  Ruderanlage  durch  das  starke
feindliche  Feuer  beschädigt  war,  wurde  der

Versuch  gemacht,  auf  Torpedoschußweite  an  dir
,  Sudney“  heranzulommen.  Dieser  Versuch  miß

glückle,  da  die  Schorniteine  zerstört  waren  und
infolgedessen  die  Geschwindigkeit  der  „Emden“
fstark  herabgesetzt  war.  Das  Schiff  wurde  des
salb  mit  voller  Fal#r  an  de  Nord--(Luv-)Seite
e:  Rokos-Inseln  auf  #i###  Riff  geseht.  Inzwiwoar
  es  der  Sandungeabteilung  gelungen,

Samstag,  28.  Kovember  1914

auf  einem  Schooner  von  der  Insel  zu  entkommen.

  Der  englische  Kreuzer  nahm  die  Verfolgung
  auf,  kehrte  aber  am  Nachmittag  wieder
zurück  und  feuerte  auf  das  Wrack  der  „Emden“.
Um  weiteres  Blutvergießen  zu  vermeiden,  kapitulierte
  ich  mit  dem  Rest  der  Besatzung.
Die  Verluste  S.  M.  S.  „Emden“  betragen:  6
Offiziere,  4  Deckoffiziere,  26  Unteroffiziere  und
93  Mann  gefallen,  1  Unteroffizier  und  7  Mann
schwer  verwundet.

In  den  aclonien.

Die  englische  Niederlage  in  Ostafrika.



WTB.  London,  26.  Nov.  In  den  Berichten
  über  die  Kämpfe  in  Ostafrika  heißt  es:
Die  Verluste  der  britischen  Truppen  waren  so
schwer  und  die  Stellung  des  Feindes  so  slark,
daß  man  es  als  zwedlos  ansehen  mußte,  den  Angriff
  zu  ernenern.  Die  Abteilung  schiffte  sich
daher  wieder  ein  und  kehrte  zu  ihrem  Ausgangspunkt
  mrück.  Ihre  Gesamtverluste  betragen
  795  Mann,  darunter  141  Engländer,
an  Ossizieren  und  Manmnschaften.

Die  Niederlage  der  Franzosen  in
Maroflo.

Frank'urt  a.  M.,  26.  Nov.  Der  u  Elf.
3t9-—  wird  aus  Madrid  berichtet:  Der  „Mundo“
  neunt  den  letzten  Kampf  der  Franzosen  gegen

  die  Maroktaner  die  schwerste  Schlappe,  die
Frankreich  in  den  letzten  Jahrzehnten  auf  lolonialem

  Voden  erlitten  bat.  (Z.)
Frankreichs  Nöten  in  Maroklo.

Konstantinopel,  26.  Nov.  Frankreich
gab  in  Tunis  und  Tanger  ein  Manifest  aus,
b  es  keine  feindlichen  Absichten  habe.  Die
Behauptung,  die  Belämpfung  des  Islams  sei
der  Zwe  Frankreichs,  sei  eine  Lüge,  die  von
den  Scheich-  der  feindlichen  Stämme  verbreitet
werde.  Der  Führer  der  früheren  Marolkkämpfe,
  Scheich  Abdullah  Memalik,  erließ  ein
Gegenmanifest,  in  dem  es  heiht,  das  Jiel  Frank--reiche
  Orientpolilik  sei  die  Bernichtung  der
mohammedanischen  Staaten.  Die  Intriguen
Frankreichs  bewirkten  den  Verlust  der  Unabhängigkeit
  Marolkos.  Marolkanerpflicht  sei  es,
den  Kampf  gegen  die  Franzofenherrschaft  aufzunehmen
  und  die  Fahne  der  Unabhängigleit
  Maroklos  zu  enrsalten.  Memalik  unterzeichnete
  als  Führer  des  Glaubens  und  der  Nalion.
  (JZ.)

 

Von  den  öflerr.  Kriegsschaupläten.
Der  österreichische  Tagesbericht.
WIB.  Wien,  26.  Nov.,  mittags.  Amtlich

wird  verlautbart:  Die  Schlacht  in  Russisch-Polen

  hat  an  einem  großen  Teil  der  Front

den  Charalter  eines  stehenden  Kampfes  angenommen.

  In  Westgalitien  wehren  unsere  Truppen
  die  über  den  unteren  Dunajec  vorgedrungenen
  rutsischen  Streitkräfte  ab.  Auch  die

Kämpfe  in  den  Karpathen  dauern  fort.

Der  Krieg  in  Serbien.

WITB.  Wien,  26.  Nov.  Vom  südlichen
Kriegsschauplatg  wird  amtlich  unterm  26.  Nov.
gemeldet:  In  den  Kämpfen  an  der  Kolubara
ist  seit  gesiern  ein  wesentlicher  Fortschritt  zu

 

ging  er  davon.
äumt  zu  dem  Fürsten,

 

Mil  langen  Se
Ich  aber  begab  mich  r
den  ich  wieder  in  sei  1.0  rbeit#  zzimmer  amtraf,
bleich,  mit  beinal  Ur  Füenem,  gealtertem  Gesicht,
  das  ihm  dar  A####ben  eines  müden  und
kranken  Manne:  ge’  Mit  aller  Ausführlichkeit
  er  zählte  ich  ihn  was  geschehen  war,  und
ich  sah,  daß  meine:  ürstellung  einen  tiejen  Cindruck
  auf  ihn  ma  :##  wenn  er  sich  auch  besser
in  der  Gewalt  ite  als  am  Morgen,  und
wenn  er  meinen  Fericht  auch  weder  durche  einen
Ausruf  der  Uni  ung  noch  durch  eine  Frage
unterbrach.  Als  ich  zu  Ende  gekommen  war,
verharrie  er  noach  eine  kleine  Weile  in  tiefen
Gedanten,  und  ich  bemerlte  das  nervöse  Zittern
seiner  auf  der  Schreibticchplatte  ruhenden  Hand.

Der  Prin  Dolgorutkow.  “  iugte  er  endlich,
  und  seine  Stimme  schien  wie  aus  weiter
Ferne  zu  kommen,  „ist  aus  kaiserlichem  Gestnn.
Eine  ehrlose  und  medrige  Handlung  ist  ihm
darum  laum  zumrauen.  Vielleicht  hat  er  sich
in  einem  Angenblick  mühiger  Neugier  zu  einer
Unüberlegtheit,  oder  sagen  wir,  zu  einer  Tak.
losigkeit  hinreißen  lassen,  der  Sie  dann  begreilicherweise
  eine  salcche  Deutung  gegeben

 

durchlaucht  übersehen  bei  dieier  milden
Auffalsung  verschirdene  entscheidende  Umstände.“
erwiderte  ich,  mein  Erstaunen  nur  notdürftig
verbergend.  „Der  Fall  von  der  Klippe  und  die
angebliche  Verlegung  am  Fuße  waren  nichts
als  eine  wohlberechnete  Komödie.  Die  Papiere,
die  ich  in  den  Händen  des  Prinzen  sah,  haiten
sich  in  inen  verschlossenen  Schubsach  befunden.
Und  atsache  des  unverhüllten  Bestechungsunndes
  öleibr  unter  allen  Umständen  be-Der

  Groß-  Beiar  vrekte  nervös  die  Kändeüusammen.

  Aber  er  blickte  beharrlich  an  mir
vorüber  auf  den  nämlichen  Punit  der  Tavcte.
„Es  ist  eine  sensame  und  schwierige  s  Situation
daran  läßt  sich  nicht  zweifeln.  Der  Prinz  ist
meinem  Sohne  ein  erprobter  Freund  und  mehr
als  das  —  er  ist  ihm  fast  ein  Wohltäter  gewesen.
  Er  wird  selbstverständlich  nichts  von
dem  zugeben,  dessen  Sie  ihn  da  beschuldigen.
Und  ein  unüberlegtes  Vorgehen  könnte  unberechenbare
  Konsequenzen  haben.  Die  Sache
muß  reiflich  bedacht  werden  —  sehr  reiflich,
Herr  Lazar!“
Das  war  freilich  etwas  ganz  anderes,  als
A#zu  hören  erwartet  hatte.  Und  ich  war  ielt
Diplomat  genug,  meine  Cnnau#hung  ganz  zu
verbergen.

„Meine  Pflichten  in  dieser  Angelegenheit
sind  erfüllt  in  dem  Augenblick,  wo  ich  Eurer
Durchlaucht  wahrheitsgemaßen  Bericht  über  den
Hergang  ersiattet  babe.  Und  vielleicht  bedeutet
es  schon  eine  Meberlchreitung  dieler  Pflichten,
wenn  ich  der  Vermutung  Ausdruck  gebe,  d
Seine  Hoheit  auch  bei  dem,  was  während  der
letzten  J—  geschehen  ist,  seine  Hand  im  Spiele
gehab

e  t  Entschiedenheit  schüttelte  Fürst  Potesci

opl.
„Das  ist  unmöglich!“  rief  er  aus.  Und  ich
quitlierie  diese  Erklärung  mit  einer  ehrerbleligen
Verbeugu  ng
„Euͤre  Durchlaucht  sind  natũrlich  am  ehesten
berufen.  Vorüber  zu  urteilen
„Es  ist  unmöglich!“  wiederholte  er.  „Zu
der  Zeit,  als  rer  Kossenschrank  von  einem  Unberufenen
  geöffnet  wurde,  befand  sich  der  Prinz
überhaupt  nicht  im  Schlosse.“

 

„Viellelcht  hatte  er  Oelenabelsen.  Und  d  dann
wohet  nehmen  Eure  Durchlaucht  die  ce######

7

—–—  2