Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

Juni  1899.  79

Die  verbündeten  Regierungen  vereinigen  sich  in  dem  Wunsche,  daß  der
endgültige  Uebergang  dieser  Inseln  in  den  Besitzstand  des  deutschen  Volkes
von  Ihnen,  meine  Herren,  gutgeheißen  werden  möge.

(Bravol)

Die  Abgeordneten  Dr.  Lieber  (Zentrum),  Prof.  Dr.  Hasse  (natl.)  und  Graf
von  Kanitz  (deutschkonservativ)  sprechen  ihre  volle,  zum  Teil  sogar  freudige  Zustimmung
zu  diesen  Ausführungen  des  Staatssekretärs  ans.  Dagegen  macht  der  Abgeordnete
Dr.  Wiemer  (deutschfreis.)  den  Versuch,  den  Vertreter  des  Auswärtigen  Amtes  fast  Satz
für  Satz  zu  widerlegen.  Die  Einzelheiten  ergeben  sich  aus  der  ihm  zu  teil  gewordenen
Antwort.

Staatssekretär  von  Bülowi#g:

Ich  werde  mich  bemühen,  mich  in  meiner  Erwiderung  auf  die  Ausführungen
  des  Herrn  Vorredners  möglichst  kurz  zu  fassen,  und  ich  glaube,
daß  mir  das  um  so  eher  möglich  sein  wird,  als  die  meisten  Argumente,
mit  denen  der  Herr  Vorredner  die  Erwerbung  der  Karolinen  und  Marianen
bekämpft  hat,  sich  im  Grunde  gegen  jede  koloniale  Erwerbung  und  gegen
jede  Kolonialpolitik  geltend  machen  lassen.  Ich  glaube  aber,  daß  die
Mehrheit  in  diesem  hohen  Hause  und  daß  die  Mehrheit  im  deutschen
Volke  der  Ansicht  ist,  daß  nicht  jede  Kolonialpolitik  an  und  für  sich  und
schlechtweg  verwerflich  ist  —  von  so  absoluten  Idcen  ist  man  mehr  und
mehr  zurückgekommen  —,  sondern  nur  einc  ungeschickt  geleitete  und  eine
forcierte  Kolonialpolitik.  Daß  die  Erwerbung  der  Karolinen  und  Marianen
nicht  in  einer  ausgesprochen  ungeschickten  Weise  in  Szenc  gesetzt  worden
ist,  wurde  soeben  aus  der  Mitte  dieses  hohen  Hauses  in  einer  Weise
anerkannt,  für  die  ich  nur  im  hohen  Grade  dankbar  sein  kann.  Andererseits
wird  gerade  der  Herr  Vorredner,  der  auf  die  Kleinheit  der  neu  erworbenen
Inseln  hingewiesen  hat,  nicht  behaupten,  daß  ihr  Ankanf  der  Ausdruck
eines  übertriebenen  Länderhungers  wärc.

Im  übrigen  hat  der  Herr  Vorredner  von  den  Inseln  eine  Beschreibung
entworfen,  bei  der  mir  die  Haarc  zu  Berge  stehen  würden

(Heiterkeit),
wenn  ich  mir  nicht  als  Trost  sagte,  daß  er  die  Inseln  aus  eigener  Anschanung
  ebensowenig  kennt  wie  ich.

(Heiterkeit.)
Nun  glaube  ich  aber,  meine  Herren,  daß,  wo  es  sich  um  ferne  Inseln
handelt,  ein  Quentchen  eigener  Anschauung  mehr  wert  ist  als  ein  Zentner
von  Vorstellungen.  Und  deshalb  lege  ich  doch  noch  mehr  Gewicht  als

4)  Sten.  Ber.  d.  R.-T.,  a.  a.  O.

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