Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1817. (12)

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herrschend  lieb  und  angemessen.  In  diesen  nämlich  lag  die  Beziehung
  von  der  zeitlichen  Materie  zum  ewigen  Geist,  und  von
der  im  sterblichen  Körper  ruhenden  unsterblichen  Seele  zu  Gott,
wobei  alles  Fleischliche  und  Sinnliche  der  Menschennatur  bei
Seite  und  in  niederer  Sphäre  zurückblieb.  Das  war  deutsche
Art.  Damit  hing  auch  die  Innerlichkeit  der  Andacht,  der
Gottesfurcht  und  Gottesminne,  der  Reue  und  Buße  zusammen.
Dem  Deutschen  war  es  innerlicher  Ernst  mit  der  Religion  und
kein  bloßes  Spiel  mit  Aeußerlichkeiten.  Die  jener  Innerlichkeit
diametral  entgegengesetzte  Werkheiligkcit  des  Romanismus  kam
mit  der  Renaissance  erst  recht  in  die  Blüthe  und  war,  wenn  sie
sich  auch  nach  Deutschland  verbreitet  hat,  doch  wesentlich  romanisch.
Sie  war  in  der  That  dem  älteren  römischen  Heidenthum  sehr
ähnlich,  ein  bequemes  Abfinden  mit  Gott  durch  äußerliche  Opfer,
durch  Geschenke  an  die  Kirche,  önßerliches  Ceremoniell.  Auch
kehrte  mit  ihr  ziemlich  viel  von  altheidnischer  Magie  wieder.  Durch
bequeme  Zaubermittel,  die  man  dem  Cultus  und  Bilderdienst
entlehnte,  glaubte  man  Gott  und  die  Heiligen  zum  Dienst  der
Menschen  gleichsam  zwingen  zu  können,  z.  B.  durch  sträflichen,
aber  häufig  vorkommenden  Mißbrauch  der  Hostie,  der  Reliquien,
des  Agnus  Dei  2c.  Endlich  entledigte  man  sich  auch  der  Sündenstrafe
  höchst  bequem  durch  Aeußerlichkeiten,  welche  die  Stelle
wahrer  innerlicher  Reue  und  Buße  vertraten,  und  durch  den  käuflich
  gewordenen  Ablaß.

Man  kann  den  unwissenden,  noch  vielfach  kindischen  niederen
  Klassen  unter  den  romanischen  Völkern  diese  Dinge  kaum
zum  Vorwurf  machen,  denn  ihnen  blieb  eine  tiefere  Erkenntniß
der  christlichen  Pflicht  verborgen.  Alle  ihrer  Race  angeborenen
Schwachheiten  wurden  von  der  römischen  Kurie,  wie  von  den
weltlichen  Despoten  genährt  und  gepflegt.  Schon  die  altrömischen
Kaiser  verstanden  das.  Man  darf  nie  vergessen,  daß  die  südeuropäischen
  Völker  näher  am  Aequator  wohnen,  als  wir  Deutsche,