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herrschend lieb und angemessen. In diesen nämlich lag die Beziehung
von der zeitlichen Materie zum ewigen Geist, und von
der im sterblichen Körper ruhenden unsterblichen Seele zu Gott,
wobei alles Fleischliche und Sinnliche der Menschennatur bei
Seite und in niederer Sphäre zurückblieb. Das war deutsche
Art. Damit hing auch die Innerlichkeit der Andacht, der
Gottesfurcht und Gottesminne, der Reue und Buße zusammen.
Dem Deutschen war es innerlicher Ernst mit der Religion und
kein bloßes Spiel mit Aeußerlichkeiten. Die jener Innerlichkeit
diametral entgegengesetzte Werkheiligkcit des Romanismus kam
mit der Renaissance erst recht in die Blüthe und war, wenn sie
sich auch nach Deutschland verbreitet hat, doch wesentlich romanisch.
Sie war in der That dem älteren römischen Heidenthum sehr
ähnlich, ein bequemes Abfinden mit Gott durch äußerliche Opfer,
durch Geschenke an die Kirche, önßerliches Ceremoniell. Auch
kehrte mit ihr ziemlich viel von altheidnischer Magie wieder. Durch
bequeme Zaubermittel, die man dem Cultus und Bilderdienst
entlehnte, glaubte man Gott und die Heiligen zum Dienst der
Menschen gleichsam zwingen zu können, z. B. durch sträflichen,
aber häufig vorkommenden Mißbrauch der Hostie, der Reliquien,
des Agnus Dei 2c. Endlich entledigte man sich auch der Sündenstrafe
höchst bequem durch Aeußerlichkeiten, welche die Stelle
wahrer innerlicher Reue und Buße vertraten, und durch den käuflich
gewordenen Ablaß.
Man kann den unwissenden, noch vielfach kindischen niederen
Klassen unter den romanischen Völkern diese Dinge kaum
zum Vorwurf machen, denn ihnen blieb eine tiefere Erkenntniß
der christlichen Pflicht verborgen. Alle ihrer Race angeborenen
Schwachheiten wurden von der römischen Kurie, wie von den
weltlichen Despoten genährt und gepflegt. Schon die altrömischen
Kaiser verstanden das. Man darf nie vergessen, daß die südeuropäischen
Völker näher am Aequator wohnen, als wir Deutsche,