Das Jesuitenkollegium in Paderborn hatte, wie wir sehen,
alle Ursache, sich des von Schwester Pauline ihm zugeführten
Rekruten zu freuen. Hatte der Leichtberedte, wenn auch nur
aus brüderlicher Liebe, während seines Aufenthaltes in der
Jesuitenzelle den Mund nicht zu halten vermocht, so war die
ihm eingeborene Sprechlust für den politischen Agitator und
Parlamentarier eine um so unentbehrlichere Tugend. Auch
in seiner politischen Betätigung wird ihm nichts mehr am Herzen
liegen, als von Schwester Pauline zu hören: ‚Mein Bruder
hat Recht.“ (Pfülf, S. 313.)
Die Gründung dieser ‚katholischen Fraktion‘ im preußischen
Abgeordnetenhause fand die freudige Zustimmung nicht
nur des Kardinals Geissel von Köln, sondern auch des päpstlichen
Nuntius Viale Prelä zu Wien. Bischof Ketteler von Mainz,
der 1848 noch Bedenken getragen hatte, sich als Priester soweit
vorzuwagen, gehörte jetzt als Abgeordneter zur Fraktion. Fünf
Jahre später erlebten diese römischen Betbrüder im preußischen
Parlament die Genugtuung, daß jener Kultusminister v. Raumer,
dessen Erlasse gegen die Jesuiten sie auf die Beine gebracht hatten,
als sie für einen der Ihrigen, den Regierungsrat Otto aus Düsseldorf,
der mitten in einer Rede zusammengebrochen war, die
Sterbegebete sprachen und ihm die letzte Ölung verabfolgten,
in öffentlicher Sitzung mit ihnen niederkniete, wofür sie Sr.
Exzellenz durch eine Deputation ihren Dank aussprachen.
(S. Pfülf, Mallinckrodt, S. 150/51.) Die Reichensperger und
Genossen erachteten dies Vorkommnis als ein willkommenes
Anzeichen dafür, daß sie als ‚„katholische‘‘ Fraktion nicht mehr
beanstandet wurden.
Mit ihrem ersten Vorstoß drang die „katholische Fraktion“
im Landtage indes bei der Mehrheit nicht durch. Sie hatte die
Aufhebung der Erlasse v. Raumers vom 22. Mai und 16. Juli 1852
beantragt, als den Bestimmungen der Verfassung widerstreitend.
Dieser Antrag fiel mit 175 gegen ı23 Stimmen. Die Jünger
Loyolas erlebten dessen ungeachtet die Genugtuung, daß die Erlasse
auf vertraulichem Wege von der Regierung wieder außer Kraft
gesetzt wurden. Solange Friedrich Wilhelm IV., der ihnen in
so weitherziger Weise die Wege geebnet hatte, der Romantiker
auf dem Throne, das Königszepter führte, hatten sie offenbar
keine ernstliche Durchkreuzung ihrer Pläne und Organisationen
zu befürchten.