282 Viertes Buch. Die Zeit der Epigonen.
Spitze seines Heeres höhere Forderungen stellen und energischer
auftreten müsse als bisher, während Hertzberg dachte, durch allmählichen
Nachlaß von den anfänglichen Forderungen schließlich
sein Tauschprojekt doch noch als das für Oesterreich Annehmbarste
durchzusetzen. Wurde aber diese Politik nicht schon dadurch
hinreichend gekennzeichnet, daß sie zum Maßstab für die Oesterreich
aufzuerlegenden Opfer den Gewinn nahm, den das an dem
Kriege ganz unbeteiligte Preußen durch den von ihm vermittelten
Frieden machen müsse? Auch ließen sich die Verhandlungen,
obgleich die Oesterreicher unlängst vor Giurgewo von den Türken
geschlagen waren, nicht eben verheißungsvoll an. Daß ihnen
wirklich Hertzbergs Tauschprojekt zu Grunde gelegt wurde, war
allerdings ein Erfolg Preußens. Um Polen die Abtretung
Danzigs und Thorns und des Gebietes längs der Obra samt
dem Lande zwischen Netze und Warthe an Preußen zu ermöglichen,
sollte ihm Oesterreich danach das beste Stück Galiziens
zurückgeben. Dem wollte dieses nur zustimmen, wenn ihm
Belgrad blieb. Das lehnte Hertzberg ab. Der englische Vorschlag,
einfach den Zustand vor dem Kriege herzustellen, war
damit glücklich beseitigt und Oesterreichs Bevollmächtigte waren
auf den Teil ihrer Instruktion festgelegt, wonach der Kongreß
eine Einigung auf Grund der Ausgleichung gegenseitiger Vorteile
versuchen sollte. Nach Rücksprache mit dem Könige und
seinen militärischen Ratgebern formulierte Hertzberg in der
zweiten Konferenz (29. Juni) die preußischen Forderungen genauer.
Wenn Oesterreich zu den 144 Quadratmeilen, die es
in Galizien an Polen zu überlassen bereit war, die Kreise
Bochnia, Tarnow, Rceczow, Zamosk, die Stadt Brody und
die Salzwerke von Wieliczka fügte, Nußland ohne Hilfe lassen,
Belgiens Verfassung herstellen und durch das Reich und die
Seemächte garantieren lassen und allen an den dortigen Unruhen
Beteiligten Amnestie gewähren wollte, sollte es gegen die
Türkei die Grenzen des Passarowitzer Friedens von 1718 erhalten,
jedoch ohne Belgrad. Solchen Zumutungen gegenüber
wandten sich die österreichischen Gesandten um Instruktion nach
Wien. Diese ließ lange auf sich warten. Das Mißtrauen im
preußischen Hauptquartier wuchs; man argwöhnte einen öster-