Astronomen: BessEı., Encke. 801
Raunigebilde berichten konnte: »Ich sehe, dass es so ist, und
Jacosı sagt, man könne es auch beweisen'«. Sein Vermögen der
Raumvorstellung war ein ungeheures; vor seinen Augen standen
Beziehungen, die vor ihm und nach ihm Niemand zu sehen vermocht
hat. Als Mensch war er durch seine groben Formen im Umgang
und seine herben Urtheile schwer erträglich und wurde in
späteren Jahren immer rücksichtsloser, so dass er sich mit seinen
Collegen überwarf und schliesslich ganz vereinsamt war. Aber, dass
er in seiner Disciplin, die allerdings nur spärliche Jünger gewann,
das Grösste geleistet hat, ist allgemein anerkannt. Nach seinem
Tode gab die Akademie seine Schriften in zwei Bänden heraus,
und zwei seiner hervorragendsten Schüler, GEISER und SCHRÖTER,
edirten seine Vorlesungen. j
3.
»Die erste Hälfte dieses Jahrhunderts ist eine der wichtigsten
Epochen für die Astronomie gewesen«, sagt EnckE in seiner Gedächtnissrede
auf BesseL?” und feiert den entschlafenen Gelehrten
als ihren leuchtendsten Stern. Die Akademie hat Besser nur als
ihr auswärtiges Mitglied sich zueignen können; aber in EnckeE, der
vierzig Jahre ihr Mitglied, achtunddreissig Jahre ihr Secretar gewesen
ist, erhielt sie den besten Ersatz. Mit Bessrr viele Jahre
lang eng verbunden’, hat Encke nicht nur das akademische Sternkarten-Unternehmen
(s. oben S.720ff.) geleitet und durch seine jährlichen
Publicationen der Berliner Sternwarte* eine führende Stellung
in Europa gegeben: er hat auch durch seine Abhandlungen Ȇber
den Kometen von Pons« — die Fachgenossen nannten ihn den
EnckeE schen Kometen — seinen Namen unsterblich gemacht.
! Dieses Wort aus mündlicher Mitheilung von Tnronosıus HarnacK.
2 Abhandlungen 1846 S.XXI.
° Im Jahre 1836 trat eine Entfremdung zwischen den beiden Gelehrten ein,
die fast bis zu Brsser’s Tode gedauert hat.
* Besser schrieb über den ersten Band des Jahrbuchs: »Das ist eine Ephemeride,
wie sie sein soll! Sie opfern sich auf für die Astronomie. ..lIch habe
immer gedacht, dass eine Epheineride von diesem Kaliber grosse Wirkungen hervorbringen
müsste, allein ich habe nicht geglaubt, dass Jemand sich dieser Mühe
unterziehen würde. Ich bin von Ihrer Arbeit ganz entzückt und gestehe, dass ich
mir nichts Vollendeteres denken kann. Es ist Alles vortrefflich! Aber erklären
Sie mir doch, warum die Franzosen nicht eine Connaissance des teıns und die Engländer
nicht einen nautical alınanac, wie Ihr Jahrbuch, geliefert haben, obgleich
beiden, und namentlich den letzteren, nicht Geld fehlt, um ganze Heere von Rechnern
zu besolden. Dazu aber gehört etwas, woran es fast immer fehlt, nämlich
die klare Einsicht in die Wissenschaft und in ihre wahren Bedürfnisse«.
Geschichte der Akademie. 1. Sl