290 vın. 7. Seeleute,
den Ruhe, jedoch ist bei transatlantischer Fahrt mit Rücksicht auf die schwere
Arbeit der Dienst des Maschinenpersonals in 3 Wachen geteilt, so dass auf 4 Stunden
Dienst 8 Stunden Ruhe folgen. In Häfen darf der Dienst des Schiffsmanns
ı0 Stunden, in den Tropen 8 Stunden nicht überschreiten, wohingegen der Offizier
nur 8 Stunden Ruhe beanspruchen kann. Alle Arbeiten, die über diese Zeit hinausgehen,
müssen als Überstunden besonders bezahlt werden. Auch an Sonn-. und
Festtagen hat das Personal Anspruch auf Ruhe, wenn das Schiff ım Hafen oder
auf der Reede liegt, es sei denn, dass unumgängliche und unaufschiebbare, besonders
den Post- und Personenverkehr betreffende‘ Arbeiten vorliegen, die als Überstunden
zu vergüten sind. Aber auch auf See ist der Seemann an Feiertagen nur
zu der Arbeit verpflichtet, die unumgänglich nötig ıst.
Über die Krankenfürsorge auf Kauffahrteischiffen hat der
Bundesrat auf Grund des $ 56 der Seemannsordnung laut Bekanntmachung des
Reichskanzlers vom 3. Juli 1905!) anstelle der bisherigen neue Vorschriften erlassen.
Diese führen in besonderen Verzeichnissen auf, was die Schiffe an Arzneien
und Mitteln zur Krankenpflege mitzuführen haben, je nachdem sie sich auf
Küstenfahrt, kleiner, mittlerer oder grosser Fahrt, mit oder ohne Schiffsarzt befinden.
Mindestens einmal im Jahre wird die Ausrüstung seitens der Behörde revidiert.
Über ihre Anschaffung, Aufbewahrung und Anwendung gibt diese
Bekanntmachung Anweisung. Ausser Medikamenten ist den Schiffen auf
grosser ‘ Fahrt noch ein besonderer Krankenproviant vorgeschrieben, der
eine Ergänzung des sonst üblichen Proviants bildet, soweit dieser für
bestimmte Krankheiten ungeeignet ist. Befinden sich Schiffe auf mittlerer
oder grosser Fahrt, so sind sie, sofern sich mehr als 50 Reisende oder insgesamt
mehr als 100 Personen während einer Seereise von mindestens 6 aufeinander
folgenden Tagen an Bord befinden, mit einem Schiffsarzte zu besetzen. Dieser
muss im Deutschen Reiche approbiert sein und hat sich der zuständigen Behörde
vorzustellen, welche die Verwendung eines ungeeigneten Arztes untersagen
kann. Er hat während der Reise ein Tagebuch über hygienisch oder sonst ärztlich
wichtige Wahrnehmungen und Massnahmen zu führen und dem Kapitän vorzulegen,
der es selbst oder durch den Reeder alsbald nach der Ankunft der
Behörde im Heimatshafen vorzulegen hat. Dass auf Schiffen, die nicht zum Mitführen
eines Arztes verpflichtet sind, der Kapitän oder ein Offizier eine Bescheinigung
darüber beizubringen hat, dass er auf der Navigationsschule die Prüfung
in der Gesundheitspflege bestanden hat, wurde schon erwähnt. : Die Vorschriften
der Bekanntmachung vom 3. Juli 1905 erstrecken sich auch auf das Vorhandensein
und die Einrichtung von Krankenräumen. So müssen alle grösseren Schiffe
auf grosser Fahrt bei. einer Besatzung von mehr als ıo Mann mit einem solchen
Raume ausgestattet sein. Dieser soll luftig, hell und ruhig gelegen sein und bei
einer Besatzung bis zu 30 Mann mindestens eine, bei grosser Besatzung mindestens
zwei Kojen enthalten. Seine Belegung hat nach der „Anleitung
zur Gresundheitspflege auf Kauffahrteischiffen“ zu erfolgen. Andexweitig
darf der Raum, solange er nicht belegt ist, nur auf Schiffen benutzt
werden, welche nicht nach der Vorschrift mit einem Schiffsarzte zu besetzen sind.
Betrefis der Übernahme der Kosten der Heilbehandlung und der Verpflegung des
Schiffsmanns, der nach Antritt des Dienstes bezw. der Anmusterung erkrankt, seitens
des Reeders und der Berufsgenossenschaft, über seine Überführung in ein
Spital und die Rückbeförderung nach dem Hafen der Ausreise bezw. einem deutschen
Hafen geben die $$ 59 bis 63 Anweisungen.
Die Seemannsordnung und ihre Ausführungsbestimmungen treffen im allgemeinen
nur Fürsorge für den Seemann; für den Reisenden, der den Schädigungen
des Schiffslebens nur vorübergehend ausgesetzt ist, kommen sie nur in Betracht,
soweit sie sich auf das Mitführen eines Schiffsarztes und einer grösseren
1) RGBI 8. 568.