Full text : Die Ernährungsverhältnisse der Volksschulkinder.

94  II.  Ernährungsverhältnisse  der  Volksschuljugend  im  allgemeinen.

Bei  der  Kleinheit  der  Zahlen  für  die  einzelnen  Städtegruppen  lohnt
es  sich  nur  der  Mühe,  die  Gesamtwerte  für  das  Reich  etwas  näher  zu
besprechen.  Die  Ursachen  für  das  Ausfallen  eines  häuslichen  Frühstücks
für  2658  also  rund  1%  von  den  Schulkindern  im  Winter  lagen  bei
35%  der  Fälle  in  der  Hast  und  Nervosität  der  Kinder,  bei  23%  in
der  Nachlässigkeit  und  bei  18%  in  außerhäuslicher  Arbeit  der  Mutter;
bei  21%  waren  Armut,  Arbeitslosigkeit  und  Krankheit  der  Eltern  der
Grund.  3%%  der  Kinder  mußten  infolge  gewerblicher  Tätigkeit  früh  am
Morgen  eines  Frühstücks  entbehren.  Wie  schon  hervorgehoben,  wurden
im  Dezember  1907  auch  Erhebungen  bei  den  Berliner  Gemeindeschülern  angestellt,
  und  hierbei  wurde  ermittelt,  daß  3256  Kinder  entweder  regelmäßig
oder  häufig  zu  Hause  kein  Frühstück  erhielten.  Die  Ursachen  für  diese
Kinder  waren  nun  gelegen  in  Armut  (5600),  in  der  Art  der  Beschäftigung
der  Mütter  (2296)  und  in  Nachlässigkeit  der  Mütter  (1696).  Diese
Prozentsätze  für  Beschäftigung  und  Nachlässigkeit  der  Mütter  weichen
nicht  wesentlich  von  den  für  eine  Reihe  von  Städten  gefundenen
Werten  abjz  hingegen  ist  für  Berlin  in  weitaus  größerer  Häufigkeit  (56
gegen  20  %)  Armut  als  Ursache  ermittelt.  Die  Gründe  für  das  Fehlen
eines  Frühstücks  wurden  jedoch  für  die  Berliner  Gemeindeschüler  noch
nach  anderer  Richtung  auszuforschen  gesucht.  Es  stellte  sich  hierbei
heraus,  daß  in  23%  der  Fälle  die  Ursache  Witwentum,  in  80%
Eheverlassenheit  der  Mutter  war  und  daß  die  anderen  Ursachen  in
Krankheit  des  Vaters  (18%00)  oder  Arbeitslosigkeit  des  Vaters  (2200)
gelegen  waren.

ie  Ermittelung  der  Ursachen  für  das  Fehlen  eines  Frühstücks
im  Sommer,  für  die  wir  leider  ähnliche  Erhebungen  für  Berlin
nicht  gegenüberstellen  können,  zeigen  mit  42%  für  Hast  und  Nervosität
  der  Kinder,  20,  bezw.  9%  für  Nachlässigkeit  und  außerhäusliche
Arbeit  der  Mutter  und  27%  für  Armut  und  Arbeitslosigkeit  und  Krankheit
  der  Eltern  keine  besonderen  Unterschiede  gegenüber  den  Befunden
für  die  kältere  Jahreszeit.  Der  größte  Unterschied  zeigt  sich  noch  zwischen
den  18  und  9%  der  Fälle  für  Winter  und  Sommer,  die  in  außerhäuslicher
  Arbeit  der  Mutter  gelegen  waren.  Dieses  Ergebnis  scheint
völlig  in  Übereinstimmung  mit  unserem  früheren  Hinweise  zu  stehen,
wonach  auch  für  die  Verabreichung  eines  kalten  Mittagessens  im  Winter
und  Sommer  die  kleineren  Werte  im  Sommer  auf  eine  geringere  außerhäusliche
  Tätigkeit  der  Mütter  schließen  lassen.

Auch  weitere  Ermittelungen  bestätigten  diese  Vermutung.  Eine  Reihe
von  Städten  hat  als  Ursache  der  Verabreichung  eines  kalten  Mittagessens
  im  Winter  und  Sommer  ausdrücklich  außerhäusliche  Tätigkeit
der  Mütter  bezeichnet,  und  zwar  war  die  Ursache  gelegen  im  Winter  in
24%  im  Sommer  hingegen  in  18%  der  Fälle.  Wenn  auch  der  Unterschied
  von  6%  nicht  allzugroß  ist,  so  scheint  doch  auch  nach  diesem
Ergebnisse  die  Beschäftigung  der  Mütter  außer  dem  Hause  im  Sommer
geringer  als  im  Winter  zu  sein.  Für  Berlin  ergab  die  Feststellung
der  Ursachen  des  ausfallenden  Mittagessens,  daß  bei  60  %  die  Art  der  Beschäftigung
  der  Eltern,  bei  22%  die  Armut  der  Eltern  die  Ursachen
waren.  Weitere  Ergebnisse  der  Fragebogenbeantwortung  hinsichtlich
der  Ursachen,  die  zur  Verabreichung  eines  warmen  Mittagessens  durch