Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

72  Buch  I.  Kap.  2.

für  Freie  zulässig.  Unfreie  und  ebenso  die  Frauen,  auch
freie,  wenn  sie  Keinen  fanden,  welcher  ihre  Sache  gegen
den  Ankläger  im  Zweikampf  verfechten  wollte,  wurden
anderen  Formen  unterworfen,  wie  der  Unschuldsprobe
durch  Feuer,  durch  glühendes  Eisen,  durch  heißes  oder
kaltes  Wasser  und  anderen,  auf  welche  wir,  wie  auf  das
Gottesurtheil  überhaupt,  seines  Ortes  zurückkommen
werden.

Gehen  wir  von  den  Frauen  der  langobardischen
Könige  und  Fürsten  zu  denen  der  fränkischen  fort,  so
sehen  wir  schon  an  der  ersten  namhaften  in  dieser  Reihe
Bedenkliches  haften.  Basina  nämlich,  die  Gemahlin  des
Thüringerkönigs  Bisinus,  lief  ihrem  Verführer  Childerich,
der  sich  als  Verbannter  in  Thüringen  aufgehalten  hatte,
in  seine  salfränkische  Heimat  nach  und  wurde  durch  ihn
Mutter  des  gewaltigen  Chlodwig.  Die  Gemahlin  des
Letzteren  war  die  schöne  burgundische  Prinzessin  Chlotilde,
welche  in  einem  Kloster  zu  Genf  nach  Nonnenweise  gelebt,
aber  die  Werbung  des  Königs  erhört  hatte,  weil  sie,  eine
eifrige  Bekehrerin,  in  dieser  Richtung  als  Königin  mehr
leisten  zu  können  hoffte  denn  als  Nonne.  Sie  hat  dann  auch
ihren  Mann  wirklich  zum  Christenthum  herübergeführt  oder
ihm  wenigstens  die  politische  Räthlichkeit,  sich  taufen  zu
lassen,  begreiflich  gemacht.  Ihr  eigenes  Christenthum  hinderte
  indessen  Chlotilde  nicht,  die  skrupellos  ruchlosen  Eroberungspläne
  des  Gemahls  mit  den  Eingebungen  ihrer
eigenen  Rachgier  zu  würzen.  ...  Inmitten  der  Gräuel,
welche  nach  Chlodwigs  Tod  unter  seinen  Söhnen  und
deren  Nachkommen  anhuben  und  welche  man  nach  dem