Full text : Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

226  Drittes  Buch.  II:  Im  Gefolge  des  Kaisers.

gesprochen  worden,  wie  es  hier  bei  der  Belagerung  Cremas  geschah').  Nur
ein  Fall  von  vielen  sei  erwähnt,  weil  er  zugleich  zeigt,  bis  zu  welchem  Grade
die  Liebe  für  das  Vaterland  alle  anderen  Regungen  im  Herzen  der  damaligen
Lombarden  verdrängt  hatte.  Da  die  Cremenser  mit  dem  Steinschießen  im
Vorteil  waren,  ließ  der  Kaiser  die  im  vorigen  Jahre  von  ihnen  gestellten
Geiseln  vor  den  Türmen  seiner  Belagerungswerke  befestigen,  um  so  entweder
  die  Beschießung  der  letzteren  zu  verhindern  oder  doch  den  Cremensern
die  Freude  ob  der  Erfolge  ihres  Geschützes  gründlich  zu  verbittern.  Und
siehe!  die  Cremenser  zögerten  keinen  Augenblick,  mit  den  Feinden  auch  die
eigenen  Angehörigen  und  Freunde  zu  verderben:  sie  warfen  nur  desto  unablässiger
  und  desto  gewaltigere  Felsmassen  auf  die  kaiserlichen  Kastelle!

Jetzt  regten  sich  auch  die  übrigen  Lombarden,  um  ihrer  eingeschlossenen
Schwesterstadt  Hilfe  zu  bringen.  Die  Mailänder  unternahmen  —  da  sie  sich
gegen  das  kaiserliche  Lager  selbst  nicht  heranwagten  —  eine  Expedition  gegen
die  ihnen  entrissenen  Westufer  des  Comer  Sees;  aber  der  dortige  kaiserliche
Befehlshaber,  Graf  Gozwin,  nötigte  sie  zu  verlustvollem  Rückzuge““).  —
Auch  wurden  sie  bald  noch  härter  für  diese  ihre  Kühnheit  bestraft.  Mit
40  Rittern  (und  wahrscheinlich  vielen  reisigen  Knechten)  brach  Herzog  Heinrich
  der  Löwe,  der  sich  stets  als  vorzüglichen  Kriegsmann  bewährte,  in  das
mailändische  Gebiet  ein  und  ritt  bis  nahe  an  das  Tor  der  Stadt.  Er
sah,  wie  die  Mailänder  ihre  Acker  bestellten,  während  jedem  Pfluge  ein  bewaffneter
  Reisiger  zum  Schutze  folgte.  Heimrich  besann  sich  nicht  lange  und
sprengte  mit  seiner  Handvoll  Sachsen  unter  lautem  Geschrei  auf  die  Feinde
ein.  Diese  flohen,  aber  aus  Angst  vor  dem  gefürchteten  Löwen  schlossen
ihnen  die  Mailänder  selbst  die  Tore,  so  daß  eine  große  Anzahl  der  feindlichen
Reisigen  von  den  Sachsen  getötet  wurde.  Unversehrt  und  siegreich  kehrte
Heinrich  mit  seiner  klleinen  Schar  zum  Kaiser  zurück,  der  nun  gleichfalls  mit
einer  Abteilung  Deutscher  die  mailändischen  Felder  verwüstete““).

Weit  gefährlicher  und  entscheidender  indes,  als  diese  Plänkeleien,  war,  daß
jetzt  die  Mailänder  mit  den  Piacenzern  und  Brescianern  ein  festes  Schutzund
  Trutzbündnis  schlossen.  Sie  setzten  sich  abermals  mit  dem  Papst  und  den
Cremensern  in  Verbindung,  und  sie  alle  beschworen,  nicht  ohne  die  Zustimmung
  der  anderen  mit  dem  Kaiser  Frieden  schließen  zu  wollen").

Friedrich  erkannte  sofort  die  Gefahr,  die  in  diesen  Vorgängen  für  ihn  lag.
Das  Kaisertum  hatte  sich  den  Lombarden  wie  der  Kirche,  vereinzelt,  stets
gewachsen,  ja  überlegen  gezeigt;  schon  hatte  er  beiden  fast  alles  von  seinen
Vorgängern  verlorene  Terrain  wieder  abgewonnen.  Wie  aber  sollte  es  werden,
  wenn  sich  der  lombardische  Städtebund  und  die  Kirche  gegen  ihn,  alle

°)  Otto  Mor.,  p.  613  ff.  —  Radulph.  Med.,  p.  1182  f.  —  Ragev.  IV,  56,  57,  67,  68.
—  Vinc.  Prag.,  p.  677  f.  —  Chr.  Reg.  Colon.,  p.  101  f.  —  Ann.  Placent.  Gib.,  p.  412  f.
*#)  Ragev.  IV,  58.

*%  %Ccbhr.  Reg.  Colon.,  p.  101.  —  Chr.  Ursperg.,  p.  357.

1))  Gesta  Frid.  in  Lomb.,  p.  39.  —  Ep.  imp.  ad  archiepisc.  Salzb.  ap.  Ragev.  —  Ep.
Bamberg.  episc.  ad  archiepisc.  Salzb.,  ibid.