Unser Kaiser daheim. 557
kannte er für den Ruhm seiner kriegerischen Erfolge sich seiner Armee
und seinen Haladinen zu Dank verpflichtet. Beim Siegeseinzug in Berlin
am 16. Juni 187] überreichte Fräulein Bläser als Ehrenjungfrau dem
heimkehrenden Kaiser einen Lorbeerkranz. „Jch nehme den Kranz an“,
erwiderte er ihr, vom Oferde die Rand ihr reichend, „aber nicht für
mich, sondern für die Armee. Das ist zu liebenswürdig und zu viel Ehre
für mich. Es sind noch andere Männer da, die den Kranz mehr verdienen,
als ich!“ Das war in Wabrheit nicht richtig; denn niemand
verdiente in höherem Grade als Kaiser Wilhelm den Lorbeer: aber der
Sieger von Königgrätz und Gravelotte war in seiner Selbstlosigkeit stets.
bedacht, seine Ratgeber möglichst weit in den ordergrund zu schieben,
so daß sie für ein blödes Auge fast ihn selbst verdecken mochten.
Aus dieser Auffassung seiner ganzen TLebensstellung entsprang das
tiefe Oflichtgefühl, das Kaiser Wilhelm allezeit bewährte. Er war im
höchsten Grade sorgfältig bei jeder Erwägung, unermüdlich fleißig und
pünktlich in der Erfüllung seiner hohen Hflichten. „Wozu bin ich denn
dad“ entgegnete er dem schlesischen Oberpräsidenten von Schleinitz, der
den ermüdet vom Manöverfelde zurückkehrenden und sofort wieder an
den Schreibtisch sich setzenden König (1867) bat, doch seine Kräfte zu
schonen.
Aus der gleichen Quelle stammte auch die absolute Furchtlosigkeit,
die Kaiser Wilbelm eigen war. Er wußte sich stets in Gottes Hand;
darum hatte das Wort Furcht überhaupt für ihn keinen Sinn. Er verstand
die treuen Diener kaum, die ihn aus dem Bereiche der „bistorischen“
Granaten fortzubringen strebten. Im September 1841 inspizierte er das
zur deutschen Bundesarmee gehörende österreichische Bundeskontingent,
das unter dem Kommando des Fürsten Windischgrätz bei Alt-Kolin in
Böhmen Manöverübungen machte. An den Tirailleurslinien hinreitend,
erhielt der Hrinz einen Schuß in den Gberschenkel, nahm aber, ruhig
weitertrabend, gar keine Motiz davon. „Eure Königliche Hoheit bluten
jal“ rief Fürst Windischgrätz erschrocken aus, die Wunde bemerkend,
und schlug Lärm. Nun erst gab der Hrinz zu, daß man sie untersuchte
und verband. Überhaupt hat sich Kaiser Wilhelm 37 mal in seinem
Leben in Lebensgefahr befunden. Doch dreimal nur trug er eine Derwundung
davon. Auf einer Jagd verletzte er durch das zu früh sich
entladende Gewehr den GSeigefinger der rechten Hand; nach dem Unfalle
bei Kolin nannte er sich selbst, scherzend an Friedrichs des Großen Schlacht
erinnernd, den letzten Blessierten von Kolin. Und das letzte Mal war
an dem Trauertage des 2. Juni 1878.