Fünftes Kapitel.
Die Wiedererlangung Bayerns.
1155 So war die erste Romfahrt Friedrich Barbarossas beendet. Was hatte
dieser, was hatte sein Haus durch den einjährigen Kampf gewonnen? Zuerst
hatte er sich die Kaiserkrone aufgesetzt und so sich und seiner Familie neuen
Glanz verliehen, wenn auch nicht vermehrte Macht. Dann hatte Friedrich
den trotzigen Italienern wieder gezeigt, daß die Deutschen und deren Fürst
auf die Oberherrschaft in ihrem Lande noch nicht Verzicht geleistet. In unzähligen
Treffen und Belagerungen waren diejenigen geschlagen, die sich
dem staufischen Schwerte entgegenzuwerfen gewagt hatten. Aber die
wichtigsten Zwecke des Zuges waren nicht erreicht: Friedrich hatte weder
Rom noch Mailand zu bezwingen, den Krieg gegen die Normannen nicht
einmal zu beginnen vermocht. Noch während Friedrichs Anwesenheit in
Italien waren die Pavesen von den Mailändern geschlagen und die Tortoner
in ihre Stadt zurückgeführt worden"); bald nach des Kaisers Rückmarsch
söhnten sich die beiden natürlichen Verbündeten, der Papst und
der König von Sizilien, aus"*); so standen beide Gegner, Sizilier und Lombarden,
wesentlich ungeschwächt, ja noch gestärkt da und waren bereit, den
Kampf von neuem zu eröffnen. Das Entscheidende für Gegenwart und Zukunft
war, daß, da das deutsche Kaisertum bei dieser Gelegenheir, trotz aller
Einzelerfolge, seine Ohnmacht in den italienischen Verhältnissen abermals
erwiesen hatte, Hadrian IV. das Bündnis zwischen Kurie und Kaisertum löste,
das seit Lothar III. bestanden hatte, und in Anschluß an Normannen und
Lombarden den welterschütternden Kampf zwischen Kirche und Reich wieder
aufnahm. Sohat im Grunde dieser erste Zug Friedrichs nach Italien die Geschicke
der staufischen Familie, Deutschlands, des ganzen Mittelalters in die
verhängnisvollsten Bahnen geleitet. Das einzige, was Friedrich durch den
Zug gewonnen, war und blieb nur Ansehen und Ruhm.
Solche hatte Heinrich der Löwe, wenn auch in geringerem Grade, sich erworben
und dabei noch eine wirkliche Steigerung seiner Macht. Er hatte die
5 Otto Mor., p. 594 ff. — Gesta Frid. in Lomb., p. 21.
4½% Card. Arag., p. 444 ff. — Chronicon Fossae Novae ap. Ughelli, It. saora# I. p.465.