— 129 —
Im Anfange der Geburt kommt Alles darauf an, daß
der vorliegende Teil voll und ganz auf den Beckeneingang
tritt und den Muttermund langsam und gründlich erweitert.
Sollte daher der Steiß seitlich vom Beckeneingange abweichen
wollen, so wäre die Kreißende auf die gleichnamige Seite
zu lagern und damit der Steiß wieder auf das Becken ein—
zuleiten. Einen Fuß herabziehn zu wollen, wäre dagegen
das Verkehrteste, was gemacht werden könnte. Dabei sind
die Kräfte der Kreißenden auf das Aeußerste zu schonen und
ihr jegliches Mitpressen zu verbieten.
8. 190.
Sobald der Steiß nahe vor dem Einschneiden steht, ist
die Kreißende auf ein Querbett zu lagern. Dies hat einen
doppelten Zweck. Einmal vermag die Kreißende auf dem
Querbett besser mitzupressen, sodann aber vermag die Hebamme,
falls Kunsthülfe nötig wird, diese nur auf dem Querbett in
zweckmäßiger Weise zu leisten.
Die Hebamme läßt dann die Kreißende die Beine
spreizen und die Knie rechts und links von je einer Gehülfin
halten. Sie selbst setzt sich zwischen die Schenkel der Ge—
bärenden und hält sich bereit zur Inempfangnahme des Kindes.
Lassen die Verhältnisse die Einrichtung eines Querbetts
nicht zu, so ist ein Schrägbett herzurichten (vgl. 8. 201).
Die Hebamme wartet das Hervortreten der Hüften und des
Rumpfes des Kindes ruhig ab, wobei sie den Damm leicht
unterstützt. Jegliches Ziehen an diesen Teilen hat die
Hebamme unbedingt zu unterlassen.
Wenn nun beim Hinabrücken der Schultern sich der
Austritt derselben in gefährlicher Weise verzögert, dann, aber
auch nur dann, ist es der Hebamme erlaubt, die weitere
Preußisches Hebammen-Lehrbuch. 9