Full text : Rede des Reichskanzlers Fürsten Bismarck über das Bündniß zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn vom 7. Oktober 1879.

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dann  können  wir  ihn  zu  Hause  lassen;  haben  wir  ihn  aber
zur  Verfügung,  haben  wir  die  Waffen  für  ihn  —  und  das
ist  ja  durchaus  nothwendig;  ich  erinnere  mich  der  von
England  1813  für  unsere  Landwehr  gelieferten  Karabiner,
mit  denen  ich  noch  als  Jäger  ausexerzirt  worden  bin;  das
war  kein  Kriegsgewehr.  Das  können  wir  ja  nicht  plötlich
anschaffen;  haben  wir  aber  die  Waffen  dafür,  so  bildet  dieses
neue  Gesetz  eine  Verstärkung  der  Friedensbürgschaften  und
eine  Verstärkung  der  Friedensliga,  die  gerade  so  stark  ist,  als
wenn  eine  vierte  Großmacht  mit  700  000  Mann  Truppen  —
was  ja  früher  die  höchste  Stärke  war,  die  es  gab  —  dem
Bunde  beigetreten  wäre.  (Bravol)

Diese  gewaltige  Verstärkung  wird,  wie  ich  glaube,  auch
beruhigend  auf  unsere  eigenen  Landsleute  wirken  und  wird
die  Nervofität  unserer  öffentlichen  Meinung,  unserer  Börse
und  unserer  Presse  einigermaßen  ermäßigen.  Ich  hoffe,  sie
werden  Linderung  fühlen  (Heiterkeit),  wenn  sie  sich  das  klar
machen,  daß  nach  dieser  Verstärkung  und  von  dem  Augenblick
an,  wo  das  Gesetz  unterzeichnet  und  publizirt  ist,  die  Leute  da
sind;  die  Bewaffnung  wäre  nothdürftig  auch  jetzt  vorhanden;
aber  wir  müssen  sie  besser  anschaffen,  denn  wenn  wir  eine
Armee  von  Triariern  bilden,  von  dem  besten  Menschenmaterial,
das  wir  überhaupt  in  unserem  Volke  haben,  von  den  Familienvätern
  über  30  Jahre,  dann  müssen  wir  auch  für  sie  die  besten
Waffen  haben,  die  es  überhaupt  gibt,  (Bravol)  wir  müssen
sie  nicht  mit  dem  in  den  Kampf  schicken,  was  wir  für  unsere
jungen  Linientruppen  nicht  für  gut  genug  halten,  (sehr  gutl)
sondern  der  feste  Mann,  der  Familienvater,  diese  Hünengestalten,
  deren  wir  uns  noch  erinnern  können  aus  der  Zeit,
wo  sie  die  Brücke  von  Versailles  besetzt  hatten,  müssen  auch
das  beste  Gewehr  an  der  Schulter  haben,  die  vollste  Bewaffnung
  und  die  ausgiebigste  Kleidung  zum  Schutz  gegen
Witterung  und  alle  äußeren  Vorkommnisse.  (Lebhaftes  Bravo.)
Da  dürfen  wir  nicht  sparen.  Aber  ich  hoffe,  es  wird  unsere
Mitbürger  beruhigen,  wenn  sie  sich  nun  wirklich  den  Fall
denken,  an  den  ich  nicht  glaube,  daß  wir  von  zwei  Seiten
gleichzeitig  überfallen  würden  —  die  Möglichkeit  ist  ja,  wie
ich  Ihnen  vorhin  an  dem  vierzigjährigen  Zeitraum  entwickelt
habe,  für  alle  möglichen  Koalitionen  doch  immer  vorhanden  —;
wenn  das  eintritt,  so  können  wir  an  jeder  unserer  Grenzen
eine  Million  guter  Soldaten  in  Defensive  haben.  Wir
können  dabei  Reserven  von  einer  halben  Million  und  höher,
auch  von  einer  ganzen  Million,  im  Hinterlande  behalten  und
nach  Bedürfniß  vorschieben.  Man  hat  mir  gesagt:  das
wird  nur  die  Folge  haben,  daß  die  anderen  auch  noch
höher  steigen.  Das  können  sie  nicht.  (Bravo!  —  Heiterkeit.)
Die  Ziffer  haben  sie  längst  erreicht.  Wir  haben  die  Ziffer