Volltext : Geschichte der Hohenzollern.

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Bis  dahin  hatte  Preußen  vor  Allen  glorreich  dagestanden;  auch  hatte
sein  Wort  überall  viel  gegolten,  und  wer  dürfte  sich  darüber  wundern,  da  ja
offen  von  jeder  Seite  anerkannt  werden  mußte,  es  habe  zwei  Drittheile  der
ganzen,  blutigen  Arbeit  auf  seinen  Theil  genommen.  So  lange  deshalb  die
Gefahr  des  Kampfes  währte,  schien  Preußen  Alles  fordern  zu  dürfen,  aber
kaum  war  sie  vorüber,  so  machten  sich  andere  Grundsätze  geltend.  Allen  unbefangenen,
  deutschen  Patrioten  war  hauptsächlich  daran  gelegen,  daß  vor  Allem
Preußen  in  seinem  alten  Umfange  wiederhergestellt  würde,  und  zwar  anstatt
der  polnischen  Besitzungen  in  Deutschland  durch  die  eroberten  Länder,  d.  h.
vornehmlich  durch  Sachsen,  und  an  der  Rheingrenze  zum  Schutze  für  Holland
und  Belgien.

In  diesem  Sinne  entwarf  Hardenberg  in  den  ersten  Tagen  des  Mai
einen  Entschädigungsplan,  welcher  die  ganze  Zustimmung  des  ächt  deutsch  gefinnten
  Stein  erhielt.  Besonders  war  es  nöthig,  wenn  man  zu  einem  guͤnftigen
  Ziel  gelangen  wollte,  daß  in  Paris  diese  Entschädigungs=  und  Abrundungspläne
  zur  Vollziehung  kamen,  und  die  Rheinbundsfürsten  zu  den  durch  diese
Anordnungen  nothwendigen  Aenderungen  und  Versetzungen  erforderlichen  Falles
zu  zwingen,  und  dies  konnte  nur  so  lange  geschehen,  als  der  Kaiser  von  Rußland,
  der,  von  edlem  Enthufiasmus  ergriffen,  eher  als  bei  Weitem  die  Mehrzahl
  der  deutschen  Fürsten  feste  Stützpunkte  für  Deutschland  zu  schaffen  bemüht
war,  sich  noch  mit  seinem  Heere  in  der  Nähe  befand.  Allein  schnell  mußte  man
mit  dieser  Sache  zu  Ende  kommen,  da  andererseits  der  Abschluß  des  Friedens,
nun  endlich  einmal  durch  allgemeine  Entwaffnung  die  Völker  von  dem  unerhörten
  Drucke  zu  befreien,  in  kürzester  Zeit  zu  wünschen  war.

Zu  diesem  Abschlusse  kam  es  freilich  nicht,  wohl  aber  zu  dem  des  Friedens
  zwischen  Frankreich  und  sämmtlichen,  mit  ihm  Krieg  führenden  Mächten,
d.  h.  mit  fast  dem  ganzen  Europa,  weshalb  denn  auch  dieser  erste  Pariser
Friede  im  wahrhaftesten  Sinne  des  Wortes  ein  europcischer  Friede  genannt
zu  werden  verdient.  Für  Frankreich  waren  die  Bestimmungen  durch  die  großmüthigen
  Regungen  des  Kaisers  Alexander  äußerst  günstig,  denn  es  erlangte
aus  Rücksicht  auf  die  Bourbons,  deren  feste  Stellung  Europa  ein  Pfand
der  Sicherheit  zu  gewähren  schien,  nicht  nur  den  vollen  Besitz  von  1792
zurück,  sondern  auch  auf  seiner  ganzen  närdlichen  und  östlichen  Grenze  gegen
die  Niederlande,  Deutschland,  Schweiz  und  Italien  eine  vortheilhafte  Ausdehnung,
  nebst  Avignon,  Venaissin,  Mompelgard  und  sämmtliche  von  der  Revolutionszeit
  her  streitigen,  eingeschlossenen  Gebiete.  Ja  noch  mehr,  die  verbündeten
  Regierungen  gaben  ihre  Staatsforderungen  an  die  franzöfische  auf,
wobei  allein  Preußen  nicht  nur  jeder  Kriegsentschädigung,  sondern  auch  dem
oben  erwähnten  Guthaben  von  94  Millionen  Franken  entsagte.

Auch  die  Grundzüge  der  neuen  Machtvertheilung  waren  in  dem  Frieden
festgestellt,  doch  die  Ausführung  auf  einen  in  Wien  angesetzten  Congreß  ver-