Full text : Kapitulationen der Türkei, deren Aufhebung und die neuen deutsch-türkischen Rechtsverträge.

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IV.  Kapitel.

Die  Aufhebung  der  Kapitulationen  im  Lichte  der
Geschichte  und  des  Völkerrechts.

Bereits  im  vorigen  Kapitel  sprachen  wir  über  die  Aufhebungsbestrebungen
  der  Türkei,  die  sich  nicht  nur  ınit
einem  einseitigen  Anfechten  ınd  Protestieren  begnügten,
  sondern  auch  bemüht  waren,  den  Mächten  durch  die
verschiedenartigsten  Relormeu  diesen  schwerwiegenden
Schritt  zu  erleichtern.  Dass  es  einstweilen  nicht  dazu
kommen  konnte,  jag,  wie  wir  bereits  ausführten,  durchaus
nicht  an  einem  Verschulden  der  türkischen  Regierung,  es
sei  denn,  dass  man  die  Unbotinässigkeit  der  der  Piorte
untergeoidneten  Stellen  der  ersteren  anrechnen  wollte.

Vor  allem  beriefen  sich  die  Mächte  auf  die  Unmöglichkeit,
  ihre  Untertanen  den  Anfeindungen  des  Korans
auszusetzen,  da  gemäss  demselben  „die  Aussagen  der
Christen  gegen  Muselmänner  oder  Türken  keine  Kraft
haben  und  nicht  einmal  zugelassen  werden  dürfen‘.!)
v,.  Martens  meint  ferner,  dass  es  für  einen  Christen  völlig
unmöglich  sei,  „die  Türken  eines  falschen  Zeugnisses
zu  überführen,  da  kein  einziger  Moslem  gegen  einen
anderen  zugunsten  eines  Christen  aussagen  wird‘.  ?)

Dieser  gründliche  Kenner  der  orientalischen  Verhältnisse
  schrieb  im  Anschlusse  an  seine  Erörterung  über
die  mohammedanische  Religion  (siehe  Teil  I),  dass  es
schon  ietzt  vollkommen  klar  sei,  „dass  die  Rechte  und
Privilegien  dieser  letzteren  (d.  h.  der  Konsuln)  im  osmanischen
  Reiche  sich  ausschitesslich  auf  die  völkerrechtlichen
  Traktate  und  Kapitulationen  gründen,  so  dass
die  Aufhebung  dieser  die  permanenten  Fundamentalsätze
des  Islams  wieder  in  Kraft  setzen  würde,  nach  welchem
der  Konsui  eben  solch  ein  Harbi  oder  natürlicher  Feind
(der  Mosiemin  ist,  wie  alle  übrigen  Christen.  \Wenn  man
überdies  der  Unwissenheit  und  des  religiösen  Fanatismus
  der  muselmännischen  Bevölkerung  der  Türkei  eingedenk
  ist,  so  kann  hinsichtlich  des  Loses  der  Konsuln
und  Untertanen  der  euröpäischen  Staaten  im  ralle  der
Aufhebung  der  bestehenden  Kapitulationen  nicht  der
mindeste  Zweifei  sein.‘‘?)

I)  Martens  S.  205.  Testa  Bd.  1  Il.  Kapitel  S.  7.
2)  Martens  S.  205.  .
3)  Martens  S.  181.